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Celle Stadt CZ-Kommmentar zur Strukturreform der Bundeswehr
Celle Aus der Stadt Celle Stadt CZ-Kommmentar zur Strukturreform der Bundeswehr
22:55 23.08.2010
Celle Stadt

So ganz ohne ideologische, nostalgische und parteipolitische Scheuklappen geht der junge Verteidigungsminister die große Strukturreform der Bundeswehr an. Die Art und Weise lässt den forschen Karl-Theodor zu Guttenberg sympathisch wirken. Da will einer Ballast abwerfen. Ballast, den wir schon lange nicht mehr brauchen. Dass dies nicht einfach werden wird, weiß der CSU-Politiker genau. Denn er kann es nicht ohne das Parlament.

Ihn bedroht dabei kein äußerer Feind. Große Gefechte mit der Opposition muss er kaum fürchten, dafür aber Querschüsse aus den eigenen Reihen. Denn vor allem den weniger fortschrittlich denkenden Mitgliedern der Unionsparteien passt es nicht, dass zu Guttenberg die Wehrpflicht quasi abschaffen will. Nichts anderes nämlich bedeutet das Aussetzen. Es darf nur wieder einmal nicht so genannt werden. Auf diese Weise sollen die Gegner des Abschaffens ruhig gestellt werden. Dabei ist die Wehrpflicht in der NATO ein Auslaufmodell. Nur in fünf von 28 Mitgliedstaaten werden noch junge Leute zum Dienst an der Waffe verpflichtet.

Gut 20 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs macht die Wehrpflicht in Deutschland keinen Sinn mehr. Wir sind umzingelt von Freunden und werden von niemandem bedroht. Die Welt hat sich verändert, und deshalb wird jetzt auch die Bundeswehr verändert. Dies ist lange überfällig. Moderner, leistungsfähiger und effizienter sollen die Streitkräfte werden vor dem Hintergrund weltweiter und gefährlicher Einsätze. Dazu passt kein sechsmonatiger Zwangsgammeldienst junger Leute auf einem der innerdeutschen Kasernenhöfe. Nur wer freiwillig kommt und sich für den Soldatenberuf interessiert, ist dort heute noch gut aufgehoben.

Die geplante Verringerung der Truppenstärke – in welchem Umfang auch immer – dürfte ebenfalls nicht ohne unionsinterne Auseinandersetzungen abgehen. Denn nur ein Bruchteil der aktuell in der Bundeswehr dienenden Soldaten tun dies im Ausland. Will zu Guttenberg seinen Auftrag, rund 8,3 Milliarden Euro bis 2014 einzusparen, erfüllen, kommt er nicht darum herum, die Zahl der Soldaten drastisch zu reduzieren und kleinere Standorte zu schließen. Widerstand und Proteste vor Ort sind programmiert. Aber zu Guttenberg hat keine Alternative. Er kann keine Armee am leben erhalten, die in dieser Größe niemand mehr braucht.

Von Hans-Jürgen Galisch