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Celle Stadt CZ-Podium zur Celler Landratswahl: Von Visionen und glatten Sechsen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt CZ-Podium zur Celler Landratswahl: Von Visionen und glatten Sechsen
16:42 23.05.2014
Von Gunther Meinrenken
Landrat Klaus Wiswe und seine Herausforderer Albrecht Hoppenstedt und Gerald Sommer (von links) schauen sich die kurzen Videobeiträge an, mit denen sie sich dem Publikum bei der CZ-Podiumsdiskussion vorstellten. Anschließend stritten sie über den richtigen Weg bei den Herausforderungen, vor denen der Landkreis Celle steht. Quelle: Benjamin Westhoff
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Ein Kandidat, der viele Dinge zur Chefsache machen möchte und gerne "glatte Sechsen" verteilt, ein anderer, für den es im Grunde nur ein wichtiges Thema gibt und die anderen Zukunftsfragen lediglich "Ablenkung" sind sowie ein Amtsinhaber, der sich die schärfsten Angriffe ausgerechnet von seinem Gruppenpartner im Kreistag gefallen lassen musste. Das waren die Eckpunkte der von Chefredakteur Ralf Leinebweber und Landkreis-Redakteur Tore Harmening geleiteten CZ-Podiumsdiskussion zur Landratswahl am Donnerstagabend im Europasaal der Congress Union. Bei der äußerst lebendigen Debatte vor etwa 300 Zuschauern schenkten sich die Bewerber für den Posten des Landrats, Amtsinhaber Klaus Wiswe (CDU), der rot-grüne Kandidat Gerald Sommer und Albrecht Hoppenstedt, der für die Wählergemeinschaft ins Rennen geht, nichts.

Schulen, Ostumgehung, öffentlicher Nahverkehr, Schiene, Kreisumlage, Britenabzug und Wirtschaft. Das waren die Themenschwerpunkte, die Leineweber und Harmening in der Debatte setzten. Die heftigste Kritik musste sich Wiswe bei den beiden letzteren Bereichen anhören. Dabei tat sich besonders Hoppenstedt hervor. Im politschen Alltagsgeschäft ist er Fraktionvorsitzender der WG-Landkreis, bildet mit der CDU zusammen eine Gruppe, stützt damit seit Jahren die Politik von Wiswe. Im Wahlkampf spielt dies für Hoppenstedt offensichtlich keine Rolle. Scharf griff er Wiswe an, warf diesem Untätigkeit vor – und traf doch damit auch sich selbst.

Bei der Entwicklung des Wirtschaftsstandortes konnte Hoppenstedt nicht erkennen, "wo der Landkreis etwas getan hätte." Gaststätten und Einkaufsläden würden sterben. "Wenn Sie ein Landrat mit Visionen wären, würde ich Ihnen folgen. Aber Sie gestalten nichts", so sein Vorwurf an Wiswe. Der war "fast sprachlos". "Das ist dreist, ich kann in jedem Ort im Landkreis Firmen nennen, wo es uns gelungen ist, dass sie bleiben können", erwiderte Wiswe. Als Beispiel nannte er die Papierfabrik in Lachendorf und als Neuansiedlung den Schlachthof in Wietze. Aus der "grünen Ecke" im Publikum kamen Pfiffe. Sommer griff das Thema dankbar auf: "Man muss sich schon fragen, auf welche Technologien man setzt. Die Bürger wollen vor Ort keine Massentierställe. Das ist ein Konzept aus dem letzten Jahrhundert." Wiswe konterte: "Die Alternative für die Menschen, die im Schlachthof 11 Euro verdienen, ist nicht ein höherer Lohn in einem anderen Beruf, sondern die Arbeitslosigkeit."

Während Wiswe und Hoppenstedt Einigkeit bei der Frage der Ostumgehung zeigten, schrieb Sommer den Planern "eine glatte 6" ins Zeugnis. Ein Bekenntnis zur Weiterführung der kommenden Bauabschnitte kam ihm nicht über die Lippen. "Man darf die Kläger nicht in die Ecke stellen. Man muss alle an einen Tisch bekommen. Als Landrat werde ich so handeln", sagte Sommer. Geld würde er für die Verbesserung des ÖPNV in die Hand nehmen. Wiswe warnte davor, die erreichten Verbesserungen abzuqualifizieren. Zudem: "Wir haben in den vergangenen Jahren erhebliche Mittel in den ÖPNV gesteckt. Wer weiteres Geld ausgeben will, muss sagen, wo es herkommen soll."

Kreisumlage, Schulen, ÖPNV – für Hoppenstedt sind dies nur "Ablenkungen" von dem dringendsten Problem des Landkreises, nämlich "junge Leute hierher zu kriegen". Er möchte junge Portugiesen und Spanier anlocken. Am liebsten für einen Hochschulstandort, der in der Britenkaserne in Bergen untergebracht werden könnte. Wiswe hält dies für Wunschdenken. Hochschulträumen hätte die Landesregierung stets eine Absage erteilt. Dennoch sei sein Ziel, "der volle Ausgleich für den Abzug der britischen Streitkräfte".

Von Sommer musste sich der Landrat allerdings sagen lassen, den Britenabzug zu vernachlässigen. "Das muss man kraftvoll gestalten. Man muss auch mal hingehen und bitte sagen. Dazu bin ich bereit. Ich mache den Britenabzug zur Chefsache. Dann kann man was erreichen." Wiswe blieb gelassen. "Ich lege meinen Terminkalender nicht offen. Es läuft einiges im Hintergrund." Gunther Meinrenken