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Celle Stadt CZ-Podiumsdiskussion: Celler OB-Kandidaten angriffslustig (mit Videos)
Celle Aus der Stadt Celle Stadt CZ-Podiumsdiskussion: Celler OB-Kandidaten angriffslustig (mit Videos)
12:54 02.09.2016
Von Gunther Meinrenken
Bei der CD-Podiumsdiskussion, die von Chefredakteur Ralf Leineweber (zweiter von rechts) und Redakteur Michael Ende (zweiter von links) moderiert wurde, kochten die Emotionen im Publikum und zwischen den Kandidaten Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (links), Alexandra Martin und Jörg Nigge manchmal ein bisschen über.  Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

Der Kampf um den Chefsessel im Neuen Rathaus bewegt die Bevölkerung. Das wurde schon beim Blick in den Europasaal deutlich. Die 400 Sitzplätze reichten nicht aus, mehr als 200 weitere Besucher standen am Rand und an den Eingängen, um den Schlagabtausch zwischen Amtsinhaber Dirk-Ulrich Mende (SPD), CDU-Herausforderer Jörg Nigge und Alexandra Martin (Wählergemeinschaft) hautnah mitzuerleben.

Gleich zu Beginn der Debatte sorgte die Eröffnungsfrage von CZ-Lokalredakteur Michael Ende für eine leichte Verstimmung zwischen Mende und Nigge. Ende konfrontierte das Publikum und die OB-Kandidaten mit der Tatsache, dass sich zwei der Bewerber früher schon einmal begegnet seien. In politischen Kreisen ist dies ein offenes Geheimnis, in der Bevölkerung hingegen kaum bekannt: Vor zwei Jahren hatte sich nämlich Nigge um den Posten des Ersten Stadtrats und Kämmerers in Celle beworben. Er kam bis in die zweite Runde.

„Wir haben uns unterhalten. Als ich mich parteipolitisch geoutet habe, sind wir wieder auseinandergegangen“, berichtete Nigge über sein Bewerbungsgespräch mit dem Oberbürgermeister und deutete damit an, dass er wegen seiner Parteizugehörigkeit von Mende aus dem Rennen genommen worden sei. Mende wollte nicht auf sich sitzen lassen, dass er Nigge vor zwei Jahren den Job des Kämmerers verwehrt habe, um sich keine Konkurrenz für die jetzt stattfindende OB-Wahl ins Neue Rathaus zu holen. „Das entspricht nicht der Wahrheit. Sie haben sich eben nicht parteipolitisch geoutet. Wie auch, Sie sind ja erst seit einem Jahr CDU-Mitglied“, giftete ein sichtlich erregter Mende zurück.

Unter der Moderation von CZ-Chefredakteur Ralf Leineweber kehrte schnell wieder Sachlichkeit in die Diskussion ein. Haushalt, Wirtschaftsförderung, Innenstadt, Verkehr, Tourismus, Schule, Familie und Flüchtlinge waren die Themenfelder, zu denen die Kandidaten ihre Vorstellungen darlegen sollten. Nigge zeigte sich zuversichtlich, in fünf Jahren einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen zu können. Dazu möchte er unter anderem Doppelstrukturen zwischen Landkreis und Stadt auflösen, eine Idee, die auch Martin vertrat. Mende hielt dies mit Verweis auf die Stadt Goslar für einen „Irrweg“: „Dort sind schon so viele Aufgaben an den Landkreis abgegeben worden, dass der Oberbürgermeister für den Kreistag kandidiert, um überhaupt noch Entscheidungen für seine Stadt treffen zu können.“ Für eine Haushaltssanierung gebe es kein Patentrezept, so Mende.

Die Diskussion verlief lebendig, in Teilen sogar äußerst lebendig, aber weitgehend fair. Mende, Nigge und Martin gaben sich Mühe, die Unterschiede in ihren Programmen herauszustellen, und zeigten sich angriffslustig. So zog Nigge in Zweifel, dass die Wirtschaftsförderung der Stadt, an deren Spitze Mende selbst steht, gut aufgestellt sei. „Drei Personen, Entschuldigung, vier, Sie machen da ja auch mit“, seien zu wenig, um auf die Bedürfnisse der Celler Unternehmen angemessen eingehen und neue Betriebe nach Celle holen zu können, so Nigge, der diesen Bereich im Falle seiner Wahl deutlich stärken will.

Andere Angriffe des CDU-Herausforderers konterte Mende bestens präpariert mit Fakten. Als Nigge zum Thema Innenstadt wenig konkret von einem „Gesamtkonzept“ sowie einem „Masterplan Leerstand“ sprach und von einer Deregulierung des Denkmalschutzes, legte der Oberbürgermeister die Leerstandszahlen vor, aus denen hervorginge, dass diese im Zuge der ECE-Diskussion vor über zehn Jahren in die Höhe geschnellt seien, sich nun aber wieder mit aktuell 44 leerstehenden Geschäften nach unten bewegen würden. „Wir sind auf einem guten Weg“, reklamierte Mende für sich.

Ein wenig die Contenance verlor Mende, als er aus dem Publikum darauf angesprochen wurde, wie er die Staus am neuen Kreisel am Neumarkt beheben wolle. Sein Stadtbaurat habe ihm gesagt, dass dies auch an Schleichverkehren wegen zweier Großbaustellen auf der A2 und A7 liege, so Mende. Aus dem Saal kamen Buhrufe. Mende zeigte Wirkung: „Hat einer von Ihnen eine Idee, wie wir den Kreisel schneller machen können?“, fragte er in die Menge, um dann anzumerken, dass der Kreisel seine volle Wirksamkeit erst entfalten werde, wenn der Nordwall gegenläufig befahrbar sei. 2018, so Mende, sollen hier die Bauarbeiten beginnen.

Eine bessere Figur als von vielen erwartet, machte insgesamt die WG-Kandidatin Alexandra Martin. Nach anfänglicher Unsicherheit redete sich die 47-jährige Rechtsanwältin warm und zeigte sogar Witz. Als Nigge die Überprüfung der Tempo-30-Zonen forderte, meinte Martin: „Ich freue mich, dass Sie auch hier mit meinem Programm übereinstimmen.“

Inhaltlich rückte die WG-Kandidatin allerdings auch von ihren umstrittenen Ideen etwa zur Ostumgehung nicht ab. So blieb sie standhaft bei ihrer Tunnelvariante, um den nächsten, 60 Millionen Euro teuren Bauabschnitt unter der Aller durchzuführen. Als Mende anmerkte, dass dies ein Jahrhundertprojekt wäre, dass „wir alle nicht mehr erleben würden“, erwiderte Martin: „Sie haben sich mit der Thematik nicht beschäftigt. Ich habe mich bei einem Tiefbauer erkundigt. Ein Tunnel würde 30 bis 35 Millionen Euro kosten, dann hätte man für die Trasse noch 20 Millionen Euro übrig“, so die WG-Kandidatin und erntete Lacher aus dem Publikum.

Zum Abschluss der Diskussion ging Nigge noch einmal in die Offensive. Vor dem Hintergrund, dass die EU keine Fördermittel für die Qualifizierung von Flüchtlingen an der Hohen Wende zur Verfügung stellen will, meinte er: „Ich halte nichts von der Idee eines Flüchtlingscampus auf der Hohen Wende, wenn wir noch nicht einmal in der Lage sind, alle Flüchtlingskinder zu beschulen“, so Nigge.