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Celle Stadt CZ-Weihnachtsaktion: Absprung in ein selbstbestimmtes Leben
Celle Aus der Stadt Celle Stadt CZ-Weihnachtsaktion: Absprung in ein selbstbestimmtes Leben
16:19 29.11.2013
Celle Stadt

Als Jugendliche hat sich Franziska Scholl wirklich durch ihr Leben gekämpft. „Alles schien so sinnlos, so unerreichbar. Meine Welt bestand aus beklemmender Enge und Dunkelheit.“ Das junge Mädchen litt an starken Depressionen, der Weg heraus war steinig, „ein Schritt vor und einer zurück“. Heute steht die 18-Jährige am Anfang eines selbstbestimmten Lebens.

Franziska (Name von der Redaktion geändert) war ein ruhiges, aber recht fröhliches Kind. Als sie zwölf war, starb ihre Mutter. Der Vater versuchte, so gut es ging, ein Familienleben aufrecht zu erhalten, war aber mit Beruf, Haushalt und Kindererziehung überfordert. Die Tochter musste sich weitgehend alleine zurecht finden - mit einem Vater, der zunehmend schwermütiger wurde.

„Es lag so eine Traurigkeit über allem. Wir haben nicht mehr geredet, nicht mehr gelacht. Diese Bedrückung wurde immer dichter, wie eine Masse um einen herum, die nicht abzuwehren war", erzählt Franziska.

Das junge Mädchen verkroch sich in sich selbst. Erst unbemerkt wurden ihre schulischen Leistungen schlechter – bis hin zur kompletten Leistungsverweigerung. „Es war wirklich nicht so, dass ich nicht wollte, aber ich konnte es einfach nicht. Jede Aufgabe erschien wie ein unbezwingbarer Berg, ich hatte mich irgendwo verloren."

Der Vater suchte schließlich Hilfe beim Jugendamt. Franziska kam erst in stationäre, dann regelmäßig in ambulante Behandlung. Mit 16 zog sie in eine betreute Jugendwohngruppe, da das Leben im Haushalt mit dem schwermütigen Vater für die gesundheitliche Entwicklung des Mädchens nicht ratsam schien.

Langsam fing sich der Teenager wieder. Die depressiven Phasen flachten dank psychologischer und medikamentöser Behandlung weiter ab. Das geregelte Leben in einem behüteten Umfeld trug ebenfalls zur Stabilisierung bei. Franziska machte ihren Schulabschluss nach und bemühte sich um einen Ausbildungsplatz.

Vor einigen Wochen ist Franziska volljährig geworden und hat die Zusage zu einem Ausbildungsvertrag in der Tasche. Jetzt möchte sie den Absprung in ein eigenes, selbstständiges Leben schaffen. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen. Ich fühle mich stark genug dafür und ich muss mir selbst beweisen, dass ich es kann. Natürlich hab ich auch etwas Angst vor diesem Schritt, aber ich stehe ja nicht alleine.“ Auch ihre bisherigen Betreuer befürworten ihren Wunsch und halten Franziska für stark und gefestigt genug, auf eigenen Füßen zu stehen – ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Gesundung.

Die Zukunft sähe rosa aus, wäre da nicht das Problem mit der Finanzierung. Franziskas Vater lebt inzwischen von Mindestrente und kann nichts zusteuern. Das Mädchen erhält derzeit Berufsausbildungsbeihilfe – damit auch Wohngeld, einen Erstausstattungsanspruch gegenüber dem Arbeitsamt gibt es nicht. Das Jugendamt unterstützt sie bei der Suche nach einer Wohnung, aber die Einrichtung – von Möbeln bis zu Haushaltsgegenständen allgemein – fehlt noch. Zudem ist es für den Gesundheitszustand der jungen Frau besonders wichtig, ein häusliches Umfeld zu haben, in dem sie sich wohl und geborgen fühlt.

Von Doros Hennies