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Celle Stadt CZ-Weihnachtsaktion: Arm, krank und einsam im kalten Stall
Celle Aus der Stadt Celle Stadt CZ-Weihnachtsaktion: Arm, krank und einsam im kalten Stall
15:27 06.12.2013
Celle Stadt

Eigentlich ist das baufällige Häuschen, in dem Herbert Kleine (Name wurde von der Redaktion geändert) wohnt, ein ehemaliger Stall. Grundstück und Gebäude hatte der Rentner vor über 20 Jahren günstig erworben. Damals lebte seine Frau noch, und sie hatten Pläne, Stück für Stück aus der alten, robusten Bausubstanz ein kleines Altersdomizil zu schaffen. Kleine ist handwerklich geschult und wollte das Meiste selbst bewältigen.

Dann wurde seine Frau schwer krank. Der angestellte Handwerker reduzierte seine Arbeitszeiten, um seine Frau in der Mietwohnung zu Hause zu pflegen – solange es ging. Die Unterbringung in einem Pflegeheim hat die bescheidenen Ersparnisse des Paares schnell aufgebraucht. „Als Emma starb, hatte ich gerade noch genug für eine ordentliche Beerdigung“, erzählt der Witwer.

Der Unternehmer, bei dem Kleine beschäftigt war, fand keinen Nachfolger und machte dicht. Die jüngeren Kollegen fanden neue Arbeitsplätze, der ältere Handwerker musste sich arbeitslos melden. Ab da hielt sich der 60-Jährige mit Gelegenheitsjobs und Zeitanstellungen gerade so über Wasser. Die Jahre mit reduzierter Arbeitszeit und schließlich der Arbeitslosigkeit hatten negative Auswirkungen auf die Höhe seiner Rente.

Als das Geld so knapp wurde, dass er die Miete nicht mehr bezahlen konnte, zog Herbert Kleine in das unfertige kleine Häuschen. Dort hat er sich eine „Wohn-Schlafküche“ eingerichtet, den Rohbau dort notdürftig mit Holzverschalungen und Dämmmaterialresten gegen Nässe und Kälte geschützt, „ich konnte mir richtiges Baumaterial ja nicht leisten“, meint er entschuldigend. Also hat er Reste genutzt, die er günstig oder auch mal umsonst bekommen hat.

Ein rostiger Kaminofen ist bisher seine einzige Wärmequelle. Gleich daneben hat er sein Feldbett aufgestellt. Einen Anschluss an das allgemeine Stromnetz gibt es nicht - „und die Stromkosten könnte ich auch gar nicht bezahlen." Stattdessen sorgt ein dieselbetriebener Generator für seine Stromversorgung – und den Betrieb eines altersschwachen Radiators, den er aber nur „wenn es unbedingt notwendig ist“ anmacht, weil Diesel schließlich auch teuer ist. Die nichtisolierten Wasserleitungen müssen bei Minus-Außentemperaturen täglich entleert werden, damit sie nicht auffrieren. Warme Mahlzeiten gibt es vom Campingkocher.

Eine starke Erkältung hat den Rentner im Spätherbst in die Knie gezwungen. „Zum Glück waren die Temperaturen da noch nicht so tief“. Seither ist er den starken Husten allerdings nicht mehr losgeworden. Nur mit Mühe schafft er heute sein tägliches Pensum: Das Holzsammeln und Kleinhacken, was nette Nachbarn ihm an Holz kostenlos überlassen. Auch das Einkaufen macht Mühe und das Heimschleppen der Dieselkanister – seine lebenswichtige Quelle für Strom und Heizung.

Ein Sozialarbeiter hat ihn darauf aufmerksam gemacht, dass er wegen der unter dem Limit liegenden Rente einen Anspruch auf ergänzende Sozialleistungen habe – davon hat Herbert Kleine bisher keinen Gebrauch gemacht. „Ich hab mein Leben lang ordentlich gearbeitet, hab regelmäßig einbezahlt und jetzt muss ich dem Staat auf der Tasche liegen?“ Aber die realen Umstände und sein Gesundheitszustand werden das nun unumgänglich machen. Viel mehr wird es dennoch nicht werden.

Doris Hennies

Von Doris Hennies