Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt CZ-Weihnachtsaktion: Familie Erkes fühlte sich aus dem Leben gerissen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt CZ-Weihnachtsaktion: Familie Erkes fühlte sich aus dem Leben gerissen
19:02 03.12.2013
Celle Stadt

Horst Erkes (Namen wurden von der Redaktion verändert) ist ausgebildeter Handwerker im Baubereich. Er war 15 Jahre fest angestellt bei einer Firma, bis diese vor drei Jahren Konkurs angemeldet hat und alle Mitarbeiter entlassen wurden. Seither versucht der Familienvater eine neue Festanstellung zu finden – vergeblich. Mit Saisonbeschäftigungen und Zwischenjobs hält er seitdem sich und seine Familie über Wasser. Die Einkünfte decken gerade so den Grundbedarf, soziale Hilfeleistungen erhält er nicht.

Nachdem der jüngste Sohn (heute acht Jahre alt) im Kindergarten war, ging Petra Erkes putzen, um das Haushaltsbudget aufzustocken. Vor zwei Jahren machte ein schwerer Unfall diese Einkommensquelle zunichte: Ein junger Autofahrer war bei schneeglatter Fahrbahn ins Schleudern geraten und riss die vom Einkauf kommende Mutter auf dem Gehweg mit. Neben starken Prellungen wurde Petra Erkes rechtes Knie regelrecht zertrümmert. Es folgten langwierige Operationen und Behandlungen. Noch heute ist regelmäßige Krankengymnastik und Physiotherapie notwendig. Die Beweglichkeit ist eingeschränkt.

Mit Schaudern erinnert sich der Familienvater an die erste Zeit nach dem Unfall: „Wir waren geschockt, fühlten uns sprichwörtlich aus unserem Leben gerissen. All die Pläne für unsere Zukunft lösten sich in Luft auf. Meine Arbeitslosigkeit, die schweren Verletzungen meiner Frau, die vier Kinder und der Haushalt – ich wäre wahrscheinlich durchgedreht, wenn ich nicht so beschäftigt damit gewesen wäre, uns irgendwie noch über Wasser zu halten.“

Die Schwierigkeiten wuchsen. Die Arbeitslosenbezüge wurden nach Ablauf des ersten Jahres deutlich geringer, viele der notwendigen Nachbehandlungen von Petra sind zuzahlungspflichtig oder werden von der Krankenkasse überhaupt nicht übernommen. Dazu kommt der Ausfall von Petras Einkünften. Die 16-jährige Svenja hat es aufs Gymnasium geschafft, die Eltern sind sehr stolz – auf all ihre Kinder – und versuchen ihr Möglichstes, um sie zu fördern und zu unterstützen. „Leider ist das manchmal kaum möglich, alles kostet Geld. Und selbst wenn wir versuchen zu sparen, ist manchmal nicht genug in der Kasse.“ Es beginnt bei Lehrmitteln und Klassenfahrten, geht über die notwendige Ausstattung von Bekleidung und endet abrupt vor Kinder- und Teenagerträumen, etwa dem Handy, dem Legobaukasten oder den Fußballschuhen.

Der 14-jährige Lukas ist ein begabter und begeisterter Sportler. Neben Fußball hat es ihm die Leichtathletik angetan. Seine Lehrer fördern ihn, auch im Sportverein findet er starke Unterstützung. Die Eltern sichern die Mitgliedschaft, scheitern allerdings oft an der erforderlichen Ausrüstung. So braucht der schnell wachsende Junge immer wieder neue Sportschuhe – meist sind sie gebraucht erstanden („Mehr können wir uns einfach nicht leisten“) und trotzdem vom Munde abgespart.

Petra Erkes ist inzwischen ein echtes Haushaltseinsparwunder. Sie weiß, wann es wo Angebote und Restposten gibt. Besucht regelmäßig Flohmärkte und Haushaltsauflösungsaktionen, um all das, was notwendig ist, so günstig wie möglich zu erwerben. Das alte, damals sehr baufällige und deshalb günstig erworbene Häuschen, in dem die Familie wohnt, hat Horst Erkes Schritt für Schritt eigenhändig zu einem freundlichen Zuhause für die Familie ausgebaut. Trotzdem gilt es jeden Monat noch eine relativ geringe Darlehnssumme abzubezahlen. Das ist billiger als jede Miete, belastet samt Nebenkosten allerdings das Familienkonto stark. „Ich bekomme Panik bei dem Gedanken, das nicht mehr hinzubekommen.“ Sozialleistungen zu beantragen, wäre für den Familienvater nur der „allerletzte Ausweg“. Außer dem Jüngsten haben deshalb alle Familienmitglieder einen Job: Die Kinder tragen Zeitschriften aus und helfen für ein paar Euro dem Nachbarn in der Landwirtschaft. Petra unterstützt ein altes Ehepaar für ein paar Stunden im Haushalt – länger macht ihr Knie noch nicht mit. Was die Erfüllung der Weihnachtswünsche angeht, sieht Horst Erkes allerdings schwarz./p>

Von Doris Hennies