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Celle Stadt CZ-Weihnachtsaktion: Immer mehr Menschen von Armut bedroht
Celle Aus der Stadt Celle Stadt CZ-Weihnachtsaktion: Immer mehr Menschen von Armut bedroht
22:42 27.12.2013
Celle Stadt

„Der von Armut und Benachteiligung bedrohte Personenkreis wird immer größer“, fasst Horts-Peter Ludwigs, Leiter des Diakonischen Werks Celle, seine Beobachtungen zusammen. Seine Kollegen aus sozialen Einrichtungen, Ämtern und anerkannten Hilfsverbänden und Vereinen teilen diese alltägliche Erfahrung. Meist halten sich Not und Hilflosigkeit lange verborgen, zeigen sich kaum spektakulär – sind deshalb aber nicht weniger schlimm für die Betroffenen.

Die CZ hat in den vergangenen Wochen einige Fälle von unverschuldet in Not geratenen Mitmenschen aufgegriffen. Diese Schicksale sind allerdings nur die Spitze eines mächtigen Eisbergs. Über 15 Prozent unsere Mitbürger leben unter der, per Richtlinie gezogenen, Armutsgrenze. Bestimmte soziale Gruppen sind davon besonders betroffen.

So haben die CZ zahlreiche Berichte von alleinerziehenden Frauen erreicht, die für sich und ihre Kinder alltäglich um ihr Existenzminimum kämpfen. Eine von ihnen ist Erika H. aus Hambühren. Sie hat jung geheiratet, drei Kinder groß gezogen und ein Geschäft mit ihrem Mann gegründet. Jahrelang hat sie im Laden ausgeholfen, hat abends die Abrechnungen übernommen und nach Ladenschluss geputzt – ohne offizielle Festanstellung. Jeder zu erübrigende Cent wurde ins Geschäft gesteckt. „Das macht man doch so, wenn man sich gemeinsam etwas aufbaut…“, so H.

Als die Kinder ins Teenageralter kamen, lernte ihr Mann eine andere Frau kennen, ließ sich scheiden und gründete eine neue Familie. Das Geschäft wurde geschlossen und verkauft. Erika H. war gezwungen umzuziehen, sich ohne belegbare Berufsausbildung einen Arbeitsplatz zu suchen und die Kinder alleine groß zu ziehen. Sie ist jetzt von sozialen Leistungen abhängig. Die Unterhaltszahlungen ihres Ex-Mannes sind minimal und decken nicht einmal den Kleidungsbedarf der schnellwachsenden Kinder.

Eine andere Gruppe von Armut bedrohter Mitmenschen gibt es unter den Senioren. In vielen Fällen erhalten diese, obwohl sie ihr Leben lang gearbeitet haben, letztlich nur wenig mehr als die Mindestrente. Und das reicht bei den deutlich gestiegenen und weiter steigenden Energiekosten für Strom und Heizung und den Kosten für medizinisch notwendigen Bedarf, die seit der Gesundheitsreform nicht mehr von den Krankenkassen übernommen werden, oft nicht.

Hans P. etwa war 45 Jahre lang Lagerarbeiter in einem großen Unternehmen. Seit drei Jahren ist er Witwer. Der Betrag, mit dem er und seine Frau nach dem Ruhestand noch bescheiden ausgekommen sind, hat sich mit dem Tod seiner Frau noch reduziert, die Beerdigungskosten haben die wenigen Ersparnisse aufgebraucht. Die Mietkosten und die Heizkosten sind dagegen angestiegen.

„Ich will dem Staat nicht auf der Tasche liegen, so einer war ich nie“, sagt P. niedergeschlagen. Deshalb steht sein Thermostat auf Minimum und er sitzt in doppelter Strickjacke am Frühstückstisch, wärmt seine Hände an der Tasse Kaffee. Weil das Geld nicht reicht, gibt es oft Billigdosen-Essen. Seine alte Zahnprothese wackelt und ist stark beschädigt. Auch seine alten Brillengläser tun ihren Dienst nur unzureichend – für Neues fehlt in beiden Fällen das Geld. Im Herbst hat ein Grippevirus den alten Mann niedergestreckt und zwei Wochen lang ans Bett gefesselt. Da musste er seine Heizung notgedrungen etwas aufdrehen. Auch die Zuzahlung für die verschriebenen Medikamente konnte er sich nur leisten, weil ein alter Freund ihm etwas vorgestreckt hat. Der Husten hat sich festgesetzt und P. sieht nun mit Bangen und kalten Füßen der kommenden Ernergiekosten-Abrechnung entgegen.

Von Doris Hennies