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Celle Stadt CZ-Weihnachtsaktion: Krebskranke Hermannsburgerin im Bürokratie-Dschungel
Celle Aus der Stadt Celle Stadt CZ-Weihnachtsaktion: Krebskranke Hermannsburgerin im Bürokratie-Dschungel
23:43 21.11.2014
Quelle: CZ
Celle Stadt

Die Auseinandersetzung mit dem Tod birgt für Beate Böhm (Name von der Redaktion geändert) wenig Schrecken, aber ihr letztes Stück des Weges sollte menschenwürdig sein. „Meine größte Angst ist es, nach so vielen Rückschlägen so weit in die Armut zu rutschen, dass ich auch noch meine Wohnung verliere“, sagt Böhm. Nervös legt die 58-Jährige ihr Strickzeug, mit dem sie Mützen für den Rotkreuzbasar anfertigt, aus der Hand. Die zierliche Frau wiegt heute kaum noch 40 Kilogramm. Chemotherapie und Bestrahlung haben deutlich ihre Spuren hinterlassen. „Mit dem Körperlichen werde ich fertig, aber das Psychische schafft mich.“

Nach der ersten Diagnose und Behandlungsrunde ihres Krebsleidens vor rund drei Jahren hatte sie noch Mut. „So eine Diagnose ist erstmal ein Schock, aber ich bin den Kampf angegangen. Ich begab mich in Behandlung, versuchte, so schnell wie möglich mein normales Leben wieder aufzunehmen.“ Normalität hieß für die alleinstehende Beate Böhm, wieder an ihren Arbeitsplatz im Pflegeheim, an ihren ehrenamtlichen Posten beim Roten Kreuz da zu sein, für die Menschen, die sich auf sie verlassen.

Dann kam der Krebs zurück, hatte gestreut und alles begann von vorn. „Meine größte Hilfe sind meine 22-jährige Tochter und meine Schwester, die allerdings selbst gerade gegen Krebs kämpft. Viele meiner Bekannten und Freunde haben sich im Laufe der Zeit distanziert. Sie sind unsicher und meiden das Problem.“ Kein Verständnis bringt Böhm für den Umgang mit Schwerkranken in anderen Bereichen auf. „Man fühlt sich als Fall und Nummer reduziert. Die Bürokratie sieht unendliche Aktenvorgänge und Formulare vor. Das erfordert Kraft, Wege, Geld und Zeit: „All das habe ich nicht mehr.“

Weil die Zeit für Krankengeld ausläuft, soll sie sich arbeitslos melden. „Dabei habe ich doch mein Leben lang gearbeitet und einen Arbeitsplatz, der für mich frei gehalten wird. Wenn ich von Hartz IV leben muss, ist nach dem Regelsatz meine Wohnung zu groß. Dann verliere ich vielleicht noch mein Zuhause.“ Was Lebensqualität angeht, lebt die 58-Jährige längst am Limit. „Kann ich die Zuzahlung bestimmter Medikamente nicht mehr bezahlen, kommt von der Krankenkasse zusammengefasst: Dann ist das eben so. Ich hätte gerne eine Winterjacke, die mir passt. In meinen alten Sachen sehe ich aus wie ein Kind, das in den Mantel seiner Mutter schlüpft. Vor der Adventszeit graust es mir. Meine Tochter und ich besuchen traditionell das Weihnachtskonzert und den Celler Weihnachtsmarkt. Aber den Eintritt kann ich mir nicht leisten und auch wenn meine Kraft noch reicht, ist ein Bummel über den Markt, ohne sich auch nur eine Bratwurst kaufen zu können, viel zu frustrierend. Ich mache mir Sorgen um meine Tochter, die so hautnah mitleidet und als Berufsanfängerin mit kleinem Gehalt gerade so klar kommt. Mein größter Traum wäre es, noch einmal mit ihr zusammen weg zu fahren, all die Alltagssorgen eine Zeit lang hinter sich zu lassen – am liebsten dorthin, wo es warm ist.“

So können Sie helfen: Schwerpunkt der Weihnachtsaktion ist wieder die große Tombola, die am 6. Dezember in der Celler Innenstadt startet. Hierfür sind bislang weit über 5000 Preise von der Bratwurst über viele Sachpreise bis zu Wochenendreisen sowie dem Seat Mii als Hauptpreis eingetroffen. Und wir sammeln weiter: Wer den Erlös mit seiner Sachspende steigern möchte, melde sich bitte bei Dörthe Rogalski, (05141) 990110.

Helfen können Sie aber auch mit Ihrer Geldspende. Das Konto des gemeinnützigen Vereins „Mitmenschen in Not“ läuft unter dem gleichnamigen Stichwort mit der IBAN
DE38257500010000009910 bei der Sparkasse Celle
(BIC: NOLADE21CEL). Spendenbescheinigungen werden ab einer Summe von 200 Euro ausgestellt, sofern ein Hinweis auf dem Überweisungsträger enthalten ist. Bei Spenden bis 200 Euro reicht dem Finanzamt Celle der Bankbeleg.

Von Doris Hennies