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Celle Stadt CZ-Weihnachtsaktion: Täglicher Kampf um die Existenz
Celle Aus der Stadt Celle Stadt CZ-Weihnachtsaktion: Täglicher Kampf um die Existenz
18:59 26.11.2013
Celle Stadt

Hanne Lobisch kämpft jeden Tag für ihre Familie und um ihre Existenz. Als Folge der Hochwasserkatastrophe dieses Jahres war die Alleinerziehende gezwungen, mit ihren drei Kindern auszuziehen und sich eine neue Bleibe zu suchen. Die Zusatzbelastungen haben die junge Frau an ihre Belastungsgrenze gebracht.

„Ich war so entschlossen und zuversichtlich, als ich mich nach all den verunglückten Neuanfängen unserer Beziehung von meinem alkoholkranken Mann getrennt habe“, erzählt die 32-Jährige (alle Namen von der Redaktion geändert). Jahrelang ging sie durch die Hölle eines Ehealltags zwischen Demütigungen, Gewalt und falschen Versprechungen. Drei Kinder hat sie in diesem Auf und Ab geboren, versuchte etwas zu retten, was zu retten offenbar nicht ging.

„Die ersten gemeinsamen Jahre waren wirklich toll", sagt sie, fast entschuldigend. „Dann kam unser zweiter Sohn (heute 9) – ein unruhiges, lautes Kind von Anfang an – es gab Ärger auf der Arbeit, zur ,Entspannung' begann mein Mann mit irgendwelchen Kumpeln um die Häuser zu ziehen. Er sei zu jung, um sich täglich zu Hause begraben zu lassen, hat er gesagt“. Die Unzufriedenheit wuchs, der regelmäßige Alkoholkonsum und die Aggressionen, die damit verbunden waren auch.

„Wir haben immer wieder einen Neuanfang versucht – Elli, meine Jüngste (3) ist in so einer Phase entstanden. Vor zwei Jahren konnte ich dann einfach nicht mehr. Wir haben uns getrennt und ich bin mit den Kindern (die ältere Tochter ist heute 7) in eine günstige Mietwohnung gezogen.“

Hanne Lobisch hatte einen Plan. Kindergeld und Unterhalt würden gerade so genügen, bis sie einen Platz für Elli im Kindergarten gefunden hätte. Dann würde sie sich einen Halbtagsjob suchen und später einen Vollzeitarbeitsplatz. Die Wohnung lag günstig zu Schulweg und Kita – ein zumutbarer Fußweg auch für die Kleinste, so dass sie ihren altersschwachen Kleinwagen vorübergehend abmelden konnte.

Das Hochwasser und die Überflutungen im Mai haben ihr einen großen Strich durch die Rechnung gemacht. Die alte Unterkellerung des Mietshauses hielt dem angestiegenen Druck nicht mehr Stand und lief voll, gleichzeitig stieg der Wasserdruck so, dass das Wasser aus Waschbecken und Klo herausquoll. „Wir standen plötzlich im Nassen. Die Feuchtigkeit zog in die Wände hoch, kondensierte, überall hat es getropft.“ Die Wochen danach zeigten, dass man das Haus von Grund auf sanieren musste. Gravierende Baumängel hatten die Schädigung begünstigt. Die Familie musste von heute auf morgen ausziehen.

Freunde brachten die Vier vorübergehend unter, das Budget für Miete und Nebenkosten war denkbar klein, die Zeit drängte – es fand sich schließlich nur eine Wohnung, die teurer war. „Es gab keine andere Lösung, wir mussten in den sauren Apfel beißen.“ Gleichzeitig gab es Streit mit dem ehemaligen Vermieter um die Kaution – mittlerweile ein laufendes Rechtsverfahren, das aussichtsreich scheint, aber eben Zeit braucht.

Seither ist jeder Tag für Hanne Lobisch ein Kampftag. Der Weg zur Schule und Kita ist jetzt viel länger und nur an Schönwettertagen mit dem Fahrrad zu erreichen. Die Mutter musste den Kleinwagen wieder anmelden, auch weil sie sonst nicht rechtzeitig zu ihrer Halbtags-Arbeitsstelle kommt – das bedeutet weitere zusätzliche Kosten, die kaum mit dem neuen Gehalt aufzufangen sind, da sich damit ihr Unterhaltsanspruch reduziert.

„Wir haben nur einen Teil unserer Möbel und Sachen mitnehmen können. Ich drehe jeden Cent dreimal um, die Zahlungen für die Kinder kommen auch unregelmäßig. Die ganze Trennungs- und Umzugsgeschichte sitzt uns allen noch in den Knochen", berichtet Lobisch. „Wir bräuchten dringend ein richtiges Zuhause, in dem man sich wohl und geborgen fühlen kann. Stattdessen weiß ich nicht, wovon ich den Kindern die notwendigen Winterstiefel kaufen soll. An Weihnachtsgeschenke ist gar nicht zu denken. Ich fühle mich als schlechte Mutter, habe Alpträume, bin am Ende meiner Kraft.“

Von Doris Hennies