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Celle Stadt CZ-Weihnachtsaktion: Täglicher Kampf um jeden Cent
Celle Aus der Stadt Celle Stadt CZ-Weihnachtsaktion: Täglicher Kampf um jeden Cent
16:11 14.12.2013
Celle Stadt

Anne Helwig (Name von der Redaktion verändert) leidet unter Multipler Sklerose. Die Krankheit hat sich erst spät bemerkbar gemacht und tritt schubweise auf. „Gott sei Dank geht es mir die meiste Zeit über – noch – ganz gut. Deshalb kann ich auch arbeiten. Die Kinder sind im Kindergarten und in der Schule.“ Die 36-Jährige ist als Sekretärin für eine Zeitarbeitsvermittlung tätig. Wegen ihrer Krankheit übernimmt sie nur Projektarbeiten, wird also nur in diesem Rahmen auch bezahlt. „Manchmal habe ich Glück und darf ich einiges von zu Hause aus erledigen.“

Wenn die Krankheit sich meldet, muss sie pausieren – das bedeutet auch, dass sie nichts verdient. Arbeitslosengeld bekommt sie in dieser Zeit nicht. Um sich und ihre Familie mit dem Nötigsten zu versorgen, ist sie in diesen Zeiten auf ergänzende soziale Leistungen angewiesen. „Es ist jedes Mal wieder ein sehr deprimierendes Gefühl, sich durch diesen Antragsblätterwald zu schaffen, mit Terminen, Belegen und Offenlegungen. Oft verzögern sich Auszahlungen, dann weiß ich nicht wie ich die Lücken überbrücken soll.“ Die sowieso nur sehr niedrig angesetzten Unterhaltszahlungen ihres Mannes kommen unregelmäßig – wenn überhaupt.

„Mein Ex-Mann ist Freiberufler und verdient entsprechend unregelmäßig. Außerdem ist er geschickt darin, Unkosten und geschäftliche Ausgaben geltend zu machen und gegenzurechnen. So lebt er ziemlich gut, hat aber offiziell oft keine Einnahmen“, fasst Anne Helwig zusammen. Nach der Geburt ihres dritten Kindes (heute 4) hatte der Vater eine Affäre mit einer Mitarbeiterin angefangen und sich schließlich getrennt. „Ich war total aufgelöst, aber dann hab ich mir geschworen, dass ich für meine Mädels stark sein werde und uns eine eigene, feste Familie schaffen werde.“

Für ihre eigene Familie kämpft die Mutter jeden Tag. Jeden verfügbaren Cent steckt sie in die Förderung ihrer Kinder. „Sie sollen nicht darunter leiden, dass es ihre Eltern nicht geschafft haben.“ Die Älteste geht seit einem Jahr aufs Gymnasium. Darauf ist Anne Helwig sehr stolz. Aber damit sind auch zusätzliche Ausgaben verbunden – Schulmaterial, Ausflüge, Ausstattung.

Die Alleinerziehende nutzt alle Möglichkeiten, auch den jüngeren Geschwistern eine optimale Ausgangsbasis für ihr Leben zu schaffen – sie sind allesamt Stammkunden in der Stadtbücherei, haben vergünstigten Musikunterricht, sind im Turnverein. Ihre Mutter kratzt dafür jeden Cent zusammen und hofft, dass ihre Krankheit so lange wie möglich mitmacht.

Im November hat ein neuer MS-Schub Anne Helwig ins Krankenhaus und vorübergehend in den Rollstuhl gebracht. Der Einkommensverlust und die zusätzlichen Aufwandskosten, die die Krankenkasse nicht bezahlt, haben die geringen Rücklagen schnell aufgebraucht. Jetzt kämpft die Mutter wieder um amtliche Unterstützung und fürchtet sich vor dem Weihnachtsfest. „Wir brauchen jedes Bisschen für die kommenden Nebenkostenabrechnungen, da ist für Geschenke einfach nichts mehr drin.“

Von Doris Hennies