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Celle Stadt CZ-Weihnachtsaktion: Vom Schicksal doppelt gebeutelt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt CZ-Weihnachtsaktion: Vom Schicksal doppelt gebeutelt
18:59 26.11.2013
Celle Stadt

Mario ist zwölf Jahre alt und schwerbehindert. Für seine Eltern ist er der Mittelpunkt ihres Lebens, das Kind, auf das ihr Alltag abgestimmt ist. Ein Schlaganfall Anfang vergangenen Jahres hat den Vater aus seiner beruflichen Laufbahn geworfen, die Familie musste neu planen und sich umstrukturieren. Finanziell ist es seither eine enge Gratwanderung und auch kräftemäßig stehen die Teichmanns (alle Namen geändert) an ihren Grenzen.

Mario kann nicht sprechen, nicht laufen, sich nicht selbst versorgen. Eine Stoffwechselerkrankung hat aus dem scheinbar gesund geborenen Jungen in den vergangenen Jahren einen Pflegebedürftigen gemacht. „Die Diagnose vor zehn Jahren war natürlich niederschmetternd“, erinnert sich Inge Teichmann. „Aber man kann sich den Lebensweg eben nicht aussuchen. Und, auch wenn das für Außenstehende immer wieder sehr seltsam erscheint, wir sind glücklich, Mario zu haben. Er hat unsere Gedankenwelt auf den Kopf gestellt. Er zeigt uns, was wirklich wichtig ist.“

Spaß zu haben, zum Beispiel: Die Teichmanns lachen viel miteinander – und sie freuen sich über jedes fröhliche Glucksen, das Mario von sich gibt. „Musik mag er gerne – am liebsten Kinderlieder oder alte Schlager. Außerdem ist er ganz wild auf Schokolade – Schokopudding zum Nachtisch ist das Höchste. Am gelöstesten wirkt er umgeben von der Familie und unseren Freunden. Auch wenn er nicht spricht, kann er sich verständlich machen. Man muss nur genauer hinschauen.“

Thomas Teichmann war Angestellter in einem Planungsbüro, seine Frau ist gelernte Bankkauffrau, kümmerte sich seit der Geburt um Mario und dessen jüngeren Bruder Phillipp (8). Das Paar hat vor sechs Jahren in einem Dorf vor Celle ein kleines Haus im Rohbau gekauft „…obwohl wir uns das, genau genommen, kaum leisten konnten. Aber behindertengerechte Wohnungen sind rar und kostspielig. Mario brauchte für seinen Spezialrollstuhl genügend Platz, auch das Badezimmer brauchte eine Spezialeinrichtung.“ Mit Zuschüssen, guter Kalkulation und einem ausgeklügelten Sparprogramm hat es dennoch funktioniert.

Dann brach eines Morgens der Familienvater im Schlafzimmer zusammen. Rettungswagen und Notarzt waren schnell vor Ort. Mit einem Schlaganfall wurde Thomas Teichmann in die Klinik gebracht. Insgesamt hatte er noch Glück, die Schädigung war partiell, die Lähmungserscheinungen entwickelten sich nach der angeschlossenen Reha weitgehend zurück. Was blieb, war ein gewisser Verlust der Feinmotorik in der rechten Hand – eine Schwierigkeit für seinen Beruf.

„Jammern hilft nichts“, sagt Inge Teichmann. Aus dem Volltimejob ihres Ehemanns konnte eine Halbtagsstelle mit Heimarbeitszeiten gemacht werden. „So kann ich langsamer arbeiten und dennoch mein Pensum erfüllen“. Das Gehalt allerdings genügt nicht für die Lebenshaltungskosten und das Abzahlen des Hauses. Eltern und Freunde haben mit zinslosen Darlehen und Bürgschaften das Schlimmste erst einmal verhindert, mehr geht allerdings nicht.

Bald ist Inge Teichmann mit ihrem Auffrischungskursus in moderner Datenverarbeitung fertig und hofft auf einen festen Büroarbeitsplatz. In der Zwischenzeit geht sie abends putzen. „Wir lassen uns nicht unterkriegen, hoffen auf etwas Glück und drehen inzwischen jeden Cent eben dreimal um. Unser Weihnachtsgeschenk ist, wir vier zusammen in unserem Haus.“

Von Doris Hennies