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Celle Stadt CZ-Weintest: Sommelier findet richtig edle Tropfen auf Celler Weinmarkt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt CZ-Weintest: Sommelier findet richtig edle Tropfen auf Celler Weinmarkt
16:52 28.07.2017
Von Christian Link
Celle Stadt

Zehn Jahre lang war Giesel im Drei-Sterne-Restaurant „Aqua“ im Wolfsburger Ritz-Carlton als Sommelier tätig. Sowohl das Magazin Impulse als auch die FAZ ernannten ihn zum „Sommelier des Jahres“ (2006 und 2007) und in Gourmet-Kreisen gilt er als Koryphäe. Für den CZ-Weintest suchte der 38-Jährige am Donnerstag nach dem besten Riesling, Spätburgunder und einem Geheimtipp.

Der Sommelier hat sich ein stolzes Programm vorgenommen: An jedem Winzerstand testet er jeweils einen Wein aus allen drei Kategorien. „Ich bin ein relativ schneller Verkoster“, sagt Giesel. Von jedem Tropfen probiert der 38-Jährige einen ausgiebigen Schluck, um Geschmack, Aroma und Textur zu prüfen. Weil mehr als 20 Weine über seinen Gaumen wandern sollen, spuckt der Experte den meisten Alkohol wieder aus. Das trifft die Winzer unvorbereitet, denn für den Celler Weinmarkt haben sie keine Spuckeimer parat und können nur ein normales Glas anbieten. Schließlich gilt unter Cellern das Ziel, möglichst viel Rebensaft intus zu behalten.

„Ich bin der Meinung, ein Spätburgunder muss eine Diva sein“, sagt Winzer Wolfgang Janß und schenkt dem Tester einen Rotwein ein. „Für einen Basiswein ist der richtig gut“, kommentiert Giesel und macht sich wie bei jedem Glas einige Notizen für die Schlusswertung. Der Weinexperte würde zwar noch gerne den Ausführungen des Winzers lauschen, der seine Anbau- und Kelterei-Philosophie anschaulich erklären kann, doch das Programm ist straff. „Ich muss leider Gas geben“, sagt Giesel und eilt zum nächsten Stand.

„Ich bin in Celle verwurzelt, ich habe früher hier gewohnt und komme fast jedes Wochenende zum Basketballspielen vorbei“, erzählt Giesel. Die Verbindung zur Residenzstadt schaffte seine Frau Michaela (geborene Fricke), die früher Sommelier im Hotel Fürstenhof war. Nun konzentriert sich das Paar mehr auf die Familie: Frau Giesel kümmert sich vor allem um die zwei Töchter (4 und 9 Jahre) in Edemissen, während der 38-Jährige nun seine Expertise bei Getränkegroßhändler Höpfner einbringt. Zudem berät er Restaurants, gibt Kurse und baut selber Wein an.

Dass er in der Residenzstadt so viele gute Tropfen probieren kann, hätte Giesel nicht gedacht. Schließlich würden sich auf Weinmärkten vor allem Winzer aus dem Mittelfeld oder noch ganz ohne Namen präsentieren. „Qualitativ ist das wirklich gut. Da sind Winzer dabei, die sich viele Gedanken machen“, lobt der Sommelier und hebt vor allem die drei Weingüter Achenbach, Lamberth und Rheinterrassenhof hervor, die schließlich auch die Siegerweine stellen.

„Der Spätburgunder von Lamberth hat bei mir von allen Rotweinen die höchste Bewertung bekommen“, beginnt Giesel seine Schlusswertung. „Die Säure gibt ihm die Lebendigkeit und die zarte Holzwürze war sehr edel. Geschmacklich geht es ein bisschen in Richtung Vanille, Himbeer und Rhabarber.“ Aber nicht nur für Celler Verhältnisse sei der Wein eine gute Wahl. „Da fehlt nicht viel zur deutschen Topspitze.“

Der Riesling „Eiserne Hand“ 2015 vom Rheinterrassenhof ist laut Giesel bei den Weißweinen „top“. „Das ist ein Riesling, mit dem jeder zurecht kommt. Der Wein ist sehr saftig, aber kein Leichtgewicht. Er spielt mit viel Frucht und Schmelz“, so Giesel.

Der Geheimtipp und „Wein des Weinmarkts“ ist für Giesel der Sylvaner Mockenhöll vom Weingut Achenbach. „Sylvaner ist eine Rebsorte, die oft ins Erbsige hineingeht, was hier aber ganz gekonnt umgesetzt wurde. Er hat ein Küsschen von Holz mit drin und behält seine Saftigkeit.“ Laut Giesel könne der Tropfen sogar renommierten Spitzenweinen Konkurrenz machen. Giesel: „Achenbach ist für mich auf jeden Fall ein Weingut, das man im Auge behalten muss.“