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Celle Stadt CZ startet Aktion "Celle blüht auf"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt CZ startet Aktion "Celle blüht auf"
12:52 15.03.2018
Von Maren Schulze
Celle Stadt

England im Jahr 1852. Ohio, USA, im Jahr 2007. China im Jahr 2098. Das sind die drei Zeitebenen des Bestsellers „Die Geschichte der Bienen“, der ein düsteres Szenario für die Zukunft ausmalt. Ohne Bienen keine Nahrung, und wenn Autorin Maja Lunde in China Menschen zu Arbeitsbienen werden lässt, die mühsam von Hand Blüten bestäuben, durch Obstbäume balancieren, müssen sie dafür auf persönliche Freiheit und Bildung verzichten. Wenn heute in unserer Überflussgesellschaft tonnenweise Obst und Gemüse im Müll landen – dort wird die einzelne Pflaume zur wertvollen Delikatesse. Science Fiction? Leider nein, vielmehr nur die konsequent weitergedachte Entwicklung, in der unsere Natur und wir Menschen als Verursacher schon mittendrin stecken.

Deutschland im Jahr 2017: Die Realität der Schlagzeilen lautet so: „Öko-Dienstleister in Gefahr: Insekten schwinden dramatisch“ oder „Zu wenig Nektar: Hummeln in Städten verhungern“ und „Stopp des Artenschwunds muss Kanzlersache werden“. Kanzlersache? Ja, sicher, aber doch auch Sache jedes einzelnen. Und deswegen ist CZ-Redakteur Michael Ende – in seiner Freizeit selbst auch als Imker aktiv – auf die Idee der vielen kleinen Schritte zurückgekommen. Jeder kann mithelfen, die Lage für die Insekten etwas zu entspannen und ganz nebenbei vielleicht auch sich selbst – bei der Gartenarbeit, bei der Beobachtung der Natur, durch die Faszination der fein abgestimmten ökologischen Zusammenhänge.

Celle im Jahr 2018: „Celle blüht auf“ – das schreibt sich die CZ für dieses Jahr und auch darüber hinaus auf ihre Fahnen. Und zwar sprichwörtlich – möglichst viele Flächen in Stadt und Landkreis Celle sollen zum bunten Blütenmeer werden und Insekten wie Wildbienen und Schmetterlingen Nahrung und Unterschlupf bieten. Damit jeder mitmachen kann, wird es ab 17. März bei der CZ sowie bei unten aufgeführten Partnern die Saatmischung „Blühende Landschaft“ kostenlos geben. Eine eigens auf Insekten abgestimmte Mischung aus 41 verschiedenen Wild- und Kulturpflanzen, die fünf Jahre lang auf einer Fläche stehen bleiben kann und allein deswegen schon Entspannung für den Gärtner bietet, aber auch für das Auge, wie Projekte der Stadt Celle im vergangenen Jahr mit beispielsweise der Blumenwiese am Wilhelm-Heinichen-Ring und der naturnahen Gestaltung der Kreiselflächen gezeigt haben. Begeisterung bei den Vorbeifahrenden.

Die CZ wird sich in den kommenden Monaten intensiv dem Thema Artenvielfalt widmen. Es wird viele Insekten zu entdecken geben, in Niedersachsen leben mehr als 300 Wildbienenarten, und viel zu lernen über das Zusammenspiel in der Natur. Dafür haben wir kompetente Partner an unserer Seite. Vom Celler Bieneninstitut beispielsweise, die Imker, die Landwirtschaft, der Nabu und BUND, Stadt und Landkreis Celle – sie alle wollen mitmachen und helfen, unsere Umwelt lebenswert zu erhalten.

„Es summt und brummt einfach nicht mehr wie früher in unserer Natur. Wir in Celle können unseren Beitrag dazu leisten, dass dem Artensterben Einhalt geboten wird. Denn man muss oft im Kleinen anfangen, um Großes zu bewirken“, sagt Celles Oberbürgermeister Jörg Nigge und hofft, dass sich viele Bürger an der Aktion beteiligen werden. „Unsere Ökosysteme sind auch unsere Lebensgrundlagen. Auch Bienen sind unverzichtbarer Teil unseres Lebens. Nicht jedem mögen sie aufgrund ihrer Größe gleich ins Auge fallen, aber Bienen gehören zur Klasse der Insekten, die mehr als 60 Prozent aller beschriebenen Tierarten ausmacht“, betont Landrat Klaus Wiswe. Otto Boecking von der BUND Kreisgruppe Celle hat die Erfahrung gemacht, dass viele selbst aktiv werden wollen: „Oftmals fehlt es an kleinen Denkanstößen, um das eigene Vorhaben im Alltag, im eigenen Umfeld in die Tat umzusetzen.“ Den Insekten möchte die CZ gemeinsam mit den Bürgern den Tisch decken – unter anderem mit der Blühmischung. Doch neben Nahrung fehlt ihnen auch Wohnraum: „Wir müssen auch wieder für mehr Bäume, Sträucher und geschützte Bereiche sorgen. Letzteres benötigen die Insekten, damit aus abgelegten Eiern sich ungestört über Larven und Puppen die nächste Generation der erwachsenen Tiere wie Wildbienen entwickeln kann“, sagt Werner von der Ohe, Leiter des Instituts für Bienenkunde in Celle.

Mitmachen können auch Sie: Mit einer Fläche im Garten oder auf dem Balkon, mitmachen können aber auch Schulen und Kindergärten, denen die CZ für ihre Projekte gerne Saatgut zur Verfügung stellt. Packen wir es an.

Unser aller Verhalten hat dazu geführt, dass wir jetzt an einem Punkt angelangt sind, an dem es brenzlig wird. Unsere Art, mit dem Land und den Lebewesen umzugehen, muss sich ändern, denn wir sägen seit Jahrzehnten immer kräftiger an dem Ast, auf dem wir sitzen. Das darf so nicht weiter gehen. Deshalb wollen wir mit „Celle blüht auf“ nicht nur ein Zeichen setzen, sondern aktiv etwas unternehmen. Viele noch so kleine Schritte können Großes bewirken, wenn wir sie gemeinsam gehen. Lassen Sie uns das tun. Lassen Sie uns unser Celler Land zum Blühen bringen. Jeder auf seine Weise. Ob wir das schaffen? Ja, wir können das!

Fieber, Gliederschmerzen, nicht selten einhergehend mit einer akuten Erkrankung der Atemwege: Die Grippe hat den Landkreis Celle weiter fest im Griff. Wie das Gesundheitsamt mitteilte, gab es in dieser Saison bisher insgesamt 177 bestätigte Fälle (Stand: 28. Februar).

Christoph Zimmer 01.03.2018

Prasselnd frisst sich die Feuerwalze durch die Heide am südlichen Rand von Scheuen. Hellgrauer Rauch steigt in den eisigen, knallblauen Winterhimmel auf. Hier am Hermannsburger Weg, wo sonst die Segelflieger der Flugsportvereinigung Celle starten und landen, sind jetzt ein knappes Dutzend Feuerwehrleute im Einsatz. Doch wer annimmt, dass sie dem Flächenbrand bekämpften, der irrt. Es waren Feuerwehrleute, die für dieses kleine Inferno verantwortlich sind. Sie haben die Heide angezündet. Blauröcke als Brandstifter? Das klingt paradox. Und es wird noch paradoxer: Hier wird Heide abgefackelt, damit sie besser wachsen kann.

Michael Ende 02.03.2018

Waldbrand-Experten der Feuerwehr haben gestern in Scheuen eine knapp einen Hektar große Heidefläche auf dem Gelände der Segelflieger der Flugsportvereinigung Celle am Hermannsburger Weg kontrolliert abgefackelt. Eine klassische Win-Win-Situation: Nach dem kontrollierten Brand kann sich die Heide mit neuer Kraft regenerieren, und die Feuerwehrleute konnten einen Flächenbrand trainieren.

Michael Ende 01.03.2018