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Celle Stadt Campingplatz in Celle: Wasser top, Duschen flop
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Campingplatz in Celle: Wasser top, Duschen flop
17:51 30.08.2017
Von Dagny Siebke
reisemobile auf schützenplatzBildunterschrift Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

So schnell wird Egon Diekhoff aus Aurich seinen Besuch in Celle nicht vergessen. Seit 40 Jahren macht er Campingtouren durch ganz Deutschland. Eine Nacht hat er neulich mit seinem Wohnmobil auf dem Campingplatz am Silbersee gestanden. Als Gast wäre er gerne länger am Silbersee mit seinem klaren Wasser geblieben, doch bei solchen Verhältnissen ergreife der Ostfriese schnell die Flucht: „Der Platz ist in Ordnung, aber die verheerenden Zustände der Sanitäranlagen sind beschämend“, betont Diekhoff. „Der hintere Teil ist nicht tragbar und muss dringend geschlossen werden. Dort bröckelt der Putz von den Wänden und es gibt starke Verunreinigungen.“

Jeden Morgen würden die Duschen und Toiletten geputzt, wenn nötig auch am Nachmittag, erläutert Karl-Werner Kesten. Der Platzbetreiber sagt, dass er kein Geld habe, die Sanitäranlagen zu sanieren. „Seit der Öffnung der Grenze mussten wir 60 Prozent Einbußen verkraften“, betont der 75-Jährige. „Früher hatten wir noch Skandinavier ohne Ende, doch die fahren jetzt andere Strecken.“ In den neuen Bundesländern gebe es viele Plätze, wo alles neu gestaltet wurde.

Kesten sieht die Stadt Celle als Verpächter in der Pflicht. „Ich bin seit 24 Jahren hier. In dieser Zeit hat die Stadt hier nichts gemacht“, so Kesten. „Wie oft habe ich schon die Dächer geflickt, damit es nicht durchregnet.“ Der hintere Teil der Anlagen sei schon 45 Jahre alt. „Als Vermieter muss ich mich doch auch um meine Wohnungen kümmern“, gibt Kesten zu bedenken. Bis Ende 2018 laufe der Pachtvertrag noch. Was danach mit dem Platz am Silbersee geschehe, sei ungewiss.

Die Stadt Celle lässt sich momentan nicht in die Karten schauen. „Im Zusammenhang mit Hinweisen von Gästen wird derzeit die aktuelle Situation auf dem Campingplatzgelände geprüft“, sagt Stadtsprecherin Myriam Meißner. „Die Verwaltung strebt schnellstmöglich eine für alle Seiten zufriedenstellende und nachhaltige Lösung an.“

Dem Campingplatzbetreiber sind die kostenlosen Stellplätze für Wohnmobile auf dem Schützenplatz ein Dorn im Auge: „Die bringen den Händlern und Gaststätten auch nichts, weil die Camper in ihren Mobilen schon alles dabei haben.“ Doch die Konkurrenz auf der Allerinsel wird es nicht mehr lange geben, denn im Zuge der Wohnbebauung werden die Stellplätze für Wohnwagen entfallen.

Wohnmobilist Udo von Bordelius widerspricht Kestens These: „Wir Camper haben Geld in der Tasche und sind ein Wirtschaftsfaktor.“ Zudem touren viele in Kleingruppen durch Deutschland. „Wohnmobilfahren ist eine Sucht für uns“, so der Tourist aus Tübingen. „Doch das Fahren ist nicht das Wichtigste für uns, sondern das Besichtigen.“ Deswegen könne er wenig mit einem Campingplatz weitab vom Schuss anfangen.

„Wenn der Platz gut ist, haben wir nichts dagegen, Geld dafür zu bezahlen“, betont von Bordelius. Als Vorbild nennt er Lüneburg. Die Stadt hat einen sehr zentral gelegenen Stellplatz für 41 Wohnmobile, der ganzjährig geöffnet ist. Fünf Stromsäulen stehen auf dem Platz zur Verfügung. Eine Entsorgungsstation ist etwa 150 Meter entfernt.