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Celle Stadt Alles verblüht – und nun? Stehen lassen!
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Alles verblüht – und nun? Stehen lassen!
13:43 14.12.2018
Von Michael Ende
Quelle: Martin Döbler
Celle

Wer jetzt auf die Blühflächen schaut, die er im Frühjahr im Rahmen der CZ-Aktion "Celle blüht auf" angesät hat, der könnte so denken: "Das sieht aber unordentlich aus – irgendwie ungepflegt. Das kommt jetzt weg." Bloß nicht! Denn was den an ordentliche Rabatten und gepflegte Rasenflächen gewohnten Blick so manches Menschen stören mag, ist ein Segen für unzählige Kleintiere. Insekten nutzen vertrocknete Blüten, Blätter, Stängel und auch das Erdreich, in dem die mehrjährigen Pflanzen wurzeln, um darin zu überwintern. Wer jetzt mit Mähen, Ausreißen oder Umgraben für Ordnung sorgen will, der tötet schlimmstenfalls im Winter genau die Tiere, die er durch das Anlegen der Wiese im Sommer eigentlich schützen wollte.

Gräser im Auge behalten

Einer, der genau weiß, dass auch verwelkte Blüten ihre Daseinsberechtigung haben, ist Jens Hanssen, im Celler Rathaus Fachbereichsleiter des städtischen Grünbetriebs. Die durch den extrem trockenen Sommer stark eingeschränkte Entwicklung der Pflanzengesellschaften auf dem Blühstreifen habe gezeigt, dass verschiedene Spezies sich unterschiedlich gut auf den oft kargen Celler Böden entwickelten, so Hanssen: "Nicht alle Ackerwildkrautarten kommen damit gleich gut zurecht." So könne es vorkommen, dass beispielsweise anspruchslose Gräser so gut wüchsen, dass sie im Laufe der Jahre andere Arten buchstäblich in den Schatten stellten und verdrängen würden – wenn der Mensch nicht eingreife.

Fingerspitzengefühl gefagt

Wer Blühflächen auf Dauer erhalten wolle, müsse sie so pflegen, dass das gewollte, künstliche Gleichgewicht nicht kippe, so Hanssen. Ließe man die Natur einfach "machen", so würde sich automatisch die Pflanzengesellschaft entwickeln, die am besten an den jeweiligen Standort angepasst sei. "Im Endeffekt hätten wir dann irgendwann Wald", sagt Hanssen.

Distelnester entfernen

Ernst Rieger, der die spezielle "Celle blüht auf"-Saatgut-Mischung entwickelt hat, warnt vor allzu viel Pflege. Eigentlich sei sie gar nicht nötig: "Wenn aus optischen Gründen erwünscht, kann man möglichst erst im Frühjahr die trockenen Stängel vor dem Neuaustrieb der Kräuter zurückschneiden, da die hohlen Pflanzenstängel für Wildbienen den Winter über zahlreiche Quartiere bieten." Distelnester sollte man aus dem Bestand "herauspflegen", um Nachbarflächen vor Samenflug zu schützen.

Erst im Frühjahr mähen

Blühmischungen sollten generell nur einmal pro Jahr gemäht werden, empfiehlt Rieger: "Will man Insekten ein Winterquartier in hohlen Stängeln oder Vögeln Samenstände als Nahrung bieten, wartet man mit dem Abmähen bis kurz vor dem Neuaustrieb zwischen April und Anfang Mai." Eine Ausnahme gebe es: Anhaltende Frühjahrstrockenheit, zum Beispiel nach einer Ansaat im März, kann die Keimung und Entwicklung der Ansaat verzögern. In diesem Fall ist Geduld gefragt."

Geduld zahlt sich aus

Geduld empfiehlt auch Jens Hanssen auch all jenen, die in diesem Dürrejahr nicht gerade begeistert von ihren nicht bewässerten Blühflächen waren: "Viele Samen sind gar nicht erst aufgelaufen, manche Blühflächen sahen eher mickrig aus." Doch schon im nächsten Jahr könnte das ganz anders aussehen: "Wenn die Pflanzen genug Licht und Feuchtigkeit haben, legen sie richtig los. Dann wird es spektakulär." Ein Beispiel dafür war in diesem Jahr die "Celle blüht auf"-Fläche im Celler Schlosspark: Sie wurde regelmäßig gewässert. Jetzt stehen dort verblühte Kräuter. Hanssen: "Und die lassen wir auch stehen. Im Frühjahr regeneriert sich die Blühfläche von ganz allein."

Auch mal nichts tun

Diesen Tipp hat Hanssen auch für alle jene, die nicht wissen, was sie nun mit ihrer für eine fünfjährige Existenz konzipierte "Celle blüht auf"-Fläche anstellen sollen: "Einfach mal nichts machen."

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