Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Patchwork-Bienen, Tulpen-Meere und Wildwuchs
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Patchwork-Bienen, Tulpen-Meere und Wildwuchs
16:20 21.09.2018
Von Michael Ende
Quelle: cccccc
Anzeige
Celle Stadt

Werner von der Ohe, Leiter des Celler Instituts für Bienenkunde, nahm die Zuhörer mit in die "stockdunkle" Welt im Bienenstock, in der zigtausende Halbschwestern, die verschiedene Väter hätten, mit ihrer Mutter zusammen Dinge vollbrächten, die längst noch nicht erforscht seien: Die große genetische Bandbreite in einem Volk wirke sich stabilisierend auf das Ganze aus, so der Experte: "Vielfalt macht stark."

Bienen-Ampel: Von der Ohe erklärte, wie sich Bienen mit Duftstoffen und Vibrationen verständigen, wie sie sich mit traumwandlerischer Sicherheit orientieren, dass ihre Rolle als Bestäuber eine Schlüsselfunktion in der Natur ist und dass sich Bienen und ihre pflanzlichen "Kunden" im Laufe von Millionen von Jahren perfekt aufeinander eingespielt haben: So gebe zum Beispiel die Rosskastanie den Immen per Blütenfarbe zu erkennen, wann sich ein Besuch lohne: Bei Gelb ist Nektar da, bei Rot ist die Blüte schon bestäubt und "trocken". Von der Ohe: "Ich tue mich immer schwer damit zu sagen, was das größte Phänomen bei den Bienen ist."

Mehr Imker: Das vielzitierte "Bienensterben" sei nicht monokausal zu erklärten, so von der Ohe: Nahrungsmangel, Pestizide und die parasitäre Varroamilbe bedrohten die Insekten. Kämen viele negative Faktoren zusammen, könnte das für ein Volk schlimm enden: "Wenn sich der Imker fürsorglich und fachgerecht um seine Bienen kümmert, dann geht es dem Volk gut." Winterverluste von im Schnitt 16,5 Prozent seien trotzdem schwer zu vermeiden. Mut mache ein Trend: "Es gibt einen stetigen Zuwachs an Imkern. In den letzten fünf Jahren ist ihre Zahl um 25 Prozent gestiegen – und die Zahl der Bienenvölker steigt auch. "

"Wildwuchs" zulassen: Von der Ohes Kollege Otto Boecking widmete sich den Wildbienen, von denen es allein in Niedersachsen 360 Arten gibt. Diese "wilden Schwestern" der Honigbiene Apis Mellifera seien essentiell wichtig für das Ökosystem, so Boecking: "Stirbt eine Wildbienenart aus, dann steht das auch der Pflanze, auf die sie sich spezialisiert hat, bevor." Wichtig für Wildbienen seien die ökologischen Nischen, in denen sie sich einnisteten. Das seien in der Regel Ecken, die ordnungsliebenden Menschen irgendwie "unaufgeräumt" vorkämen, so Boecking. Sein Appell an alle Gartenbesitzer: "Lassen Sie Wildwuchs zu. Wildbienen brauchen begeisterungsfähige Menschen." Nicht solche, die ihre Gärten mittels Schotter in biologische Wüsten verwandelten.

"Nicht tot pflegen": Ihn "erschüttere" die "Verschotterung" von Gärten regelrecht, sagte Jens Hanssen, der als Fachdienstleiter Grün-, Straßen- und Friedhofsbetrieb im Rathaus für Celles grüne Inseln zuständig ist. Er betonte, dass es ihm ein besonderes Anliegen sei, die Celler zu motivieren, im eigenen Umfeld etwas für Insekten zu tun: "Egal, wie klein der Garten ist – jeder kann was machen." Von den 145 Hektar an städtischen Grünanlagen würden 110 Hektar extensiv gepflegt: "Wir legen Wert darauf, auch intensiv genutzte Flächen nicht tot zu pflegen."

Gärtnern ohne Gift: Mit Pflegetipps für Gartenbesitzer wartete Werner von der Ohe auf, als er gefragt wurde, was man gegen Unkraut tun könne, ohne gleich die chemische Keule zu schwingen: "Erstens: Wachsen lassen und gucken, was entsteht. Zweitens: Für das Jäten gibt es zwei Hände und passendes Gerät. Und drittens: Den Garten so umgestalten, dass man ohne die Giftspritze auskommt."

"Celle blüht auf ist eine fantastische Idee", sagte von der Ohe. Doch es wäre schade, wenn es dabei bliebe, dass ein paar Jahre lang lediglich eine Blühfläche angelegt würde: "Wir brauchen eine nachhaltige Entwicklung." Und die hat hoffentlich begonnen. Unter anderem mit jeder Menge Blühflächen. Mit der Aktion "Celle blüht auf" hätten die CZ und ihre Leser etwas Einmaliges angeschoben, so Boecking: "Das hat es so noch nicht gegeben. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal. Andere Städte können das jetzt nur noch nachmachen."

Anzeige