Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Celle droht „Provinzstandard“ auf der Schiene
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celle droht „Provinzstandard“ auf der Schiene
19:19 09.11.2010
Der Celler Volker Thürk äußert sich zur Y-Trasse Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

CELLE (hjg). Reisezüge müssen dort verkehren, wo die Menschen wohnen, und Güterzüge müssen dort fahren, wo er die Menschen am wenigsten stört. So sollte nach Ansicht des in Celle lebenden ehemaligen leitenden Eisenbahners Volker Thürk die These lauten im Blick auf den Bahnverkehr der Zukunft. Anders als die schwarz-gelbe niedersächsische Landesregierung mit Ministerpräsident David McAllister (CDU) und dem liberalen Wirtschaftsminister Jörg Bode aus Celle hält Thürk überhaupt nichts von einer Hochgeschwindigkeitstrecke zwischen den norddeutschen Großstädten Hannover, Bremen und Hamburg. Weil der Verlauf der Trasse auf dem Papier einem Ypsilon ähnelt, ist sie als Y-Trasse bekannt.

Das Land hatte Anfang November angekündigt, für die Vorfinanzierung dieses Großprojektes der Bahn zehn Millionen Euro zur Verfügung stellen zu wollen. Die Stadt Celle fürchtet für den Fall der Umsetzung des Vorhabens vom schnellen Personenverkehr (ICE- und IC-Züge) abgekoppelt zu werden.

Ex-Eisenbahner Thürk hatte sich bereits im März vergangenen Jahres in einem Gespräch mit der Celleschen Zeitung kritisch zu dem Thema geäußert und die Ansicht vertreten, dass Kosten und Nutzen des Projektes in keinem Verhältnis zueinander stünden. Seiner Darstellung zufolge würden die Schnellfahrten auf der Y-Trasse lediglich Zeitgewinne von acht Minuten zwischen Hannover und Bremen beziehungsweise 13 Minuten zwischen Hannover und Hamburg bedeuten.

Der Kostenrahmen soll sich laut Thürk von ursprünglich 1,3 Milliarden Euro (Bundesverkehrswegeplan 2003) auf inzwischen fünf bis sieben Milliarden Euro erhöht haben. Andere Quellen wollen aktuell von bis zu vier Milliarden Euro für die seit 20 Jahren geplante Strecke wissen. Bahnchef Rüdiger Grube hatte sich Anfang November bei seinem Treffen mit Ministerpräsident McAllister in Hannover nicht zu den Kosten geäußert.

Nicht zuletzt um dem wachsenden Güterverkehr aus und zu den Seehäfen Hamburg, Bremen und Wilhelmshaven gerecht zu werden, tritt Thürk für den Ausbau bestehender Strecken der Deutschen Bahn AG zwischen den drei norddeutschen sowie des Streckennetzes der Osthannoverschen Eisenbahnen AG (OHE) in der Heide ein.

Wird die Y-Trasse tatsächlich gebaut, hätte dies nach Einschätzung Thürks für Celle nur negative Folgen:

Der hochwertige Reisezugverkehr (ICE und IC) verkehrt hier nicht mehr; man müsste in jedem Fall immer nach Hannover oder Walsrode fahren, um diese Züge nutzen zu können.

Die freigewordenen ICE- und IC-Trassen auf der Celler Strecke würden mit Güterzügen belegt, und dies würde bedeuten, dass die Lärmbelästigung der entsprechenden Celler Stadtteile enorm zunehmen wird und die Qualität hinsichtlich der Benutzung des schienengebundenen Fernverkehrs für Celle und Umgebung einen „Provinzstandard“ erreicht.

Genau diese Sorgen macht sich auch Celle – Stadt mit dem Status eines Oberzentrums.

Von Hans-Jürgen Galisch