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Celle Stadt Celle hat eine Kümmerin verloren
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celle hat eine Kümmerin verloren
15:05 06.01.2017
Quelle: Peter Müller (Archiv)
Celle Stadt

Das konnte man nicht nur spüren, wenn man bei der Auswahl seiner guten Tropfen kompetent von ihr beraten wurde, sondern vor allem bei den vielen Führungen, die Frau Bornhöft-Scheuring uns Cellern immer wieder bereitwillig anbot und gab: sei es mit dem Museumsverein, mit dem Kulturkreis Fachwerk oder mit dem Ortskuratorium Celle der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, zu deren Gründungsmitgliedern sie gehörte. Es gab spontane Führungen, es gab lange verabredete Führungen, es gab Führungen am Tag des offenen Denkmals und es gab Führungen, die nur aus der Übergabe des Schlüssels zum Garten bestanden: „Zeigen Sie das mal Ihren Gästen, das wird die später gut an Celle erinnern“.

Und was gab es alles zu sehen: das Ladengeschäft, das so aussieht wie vor 50 Jahren; der uralte Weinkeller mit vorsintflutlichen Stromleitungen; der romantische Innenhof mit der Raths-Weinschänke und dann die große Überraschung hinter einem weiteren Durchgang: ein alter Celler Hofgarten mit Weinranken, großem Nussbaum, Stille außer Vogelgezwitscher. Und nicht zu vergessen Tante Marthas Wohnung, bei deren Betreten man sich auf eine Zeitreise ins 19. Jahrhundert begab. All das zu zeigen, ihre Geschichten zu erzählen und vor allem, es auch für Celle zu erhalten – das war Frau Bornhöft-Scheurings selbst gesetzte Bestimmung, ihr Antrieb und ihre Sorge bis zuletzt.

Und immer wieder kam dann ihre legendäre Tante Martha vor, die 107 Jahre alt wurde, ein gesegnetes Alter, das unserer lieben Verstorbenen nicht vergönnt war. Tante Martha war es auch, die in Gudrun Bornhöft-Scheuring das Interesse und die Liebe für ihre Heimatstadt Celle geweckt hat. Wie vielfältig hat sich diese kümmernde Liebe und Fürsorge für ihre Stadt geäußert: Bei Regen ging sie durch die alten Straßen und Gassen der Altstadt, um festzustellen, wo Dachrinnen defekt sind und Schäden entstehen. Die Bäume in der Innenstadt lagen ihr besonders am Herzen, das dann auch spendenfreudig war.

Als 2010 das Gedo-Einkaufszentrum geplant wurde, gehörte sie zu den Aktivisten, die sich an einem Protesttag dagegen wehrten – sie mit Führungen durch ihr schönes Anwesen. Sie war es auch, die im Herbst 2014 im Kreis ihrer Denkmalfreunde äußerte, man müsse endlich etwas für das verwahrloste Jessen-Haus tun, etwa eine Mahnausstellung machen und ja, ihre große stets geöffnete Diele in der Zöllnerstraße 29 sei doch geeignet dafür. Das war ihre letzte Rettungstat für Celle, ein Jahr später verschlechterte sich plötzlich ihr Gesundheitszustand. Am 16. Dezember 2016 verschloss sie für immer die Augen.

Gudrun Bornhöft-Scheuring hat sich um ihr so sehr geliebtes Celle mit seinen alten Häusern verdient gemacht. Und so verabschieden wir uns voller Traurigkeit, aber auch in Dankbarkeit und Hochachtung so, wie wir es so oft beim Verlassen des Weinladens von ihr vernommen haben: mit einem leisen, von Herzen kommenden „Adieu“.

Von Ingo Vormann