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Celle Stadt Celle im Vespa-Fieber (mit Bildergalerie)
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celle im Vespa-Fieber (mit Bildergalerie)
09:43 27.06.2017
Celle Stadt

Es gibt kein Entrinnen mehr. Wer als Unmotorisierter nicht rechtzeitig vom Parkplatz des zukünftigen Famila-Einkaufszentrums auf die Straße gewechselt ist, muss ausharren inmitten von Tausenden von Vespas und warten, bis sie das Gelände für ihre zweite große Ausfahrt innerhalb der Vespa World Days am Samstag in den Landkreis verlassen haben. Es handelt sich um Zweitakter, der Lautstärke-Pegel und der minütlich intensiver werdende Benzingeruch zeigen es an.

Die Vespa World Days haben Celle in ein regelrechtes Vespa-Fieber versetzt. Insgesamt zählte das „Vespa Village“ während seines Bestehens rund 5000 „Einwohner“. Sie kamen aus 34 Staaten und vier Kontinenten. Die zahlenmäßig größten Gruppen stellten Deutschland, Belgien, Italien, die Niederlande und Großbritannien.

Jean Charlos Canadonna ist Reporter für das französische Magazin „La vie de moto“ („Motorradwelt“), ein Tuch vor Mund und Nase gebunden, bewegt er sich zwischen den Fahrzeugen, schießt ein Foto nach dem anderen, eine erhobene Hand dankt, man kennt sich. Abdik Destriana hingegen ist unvermummt, er und sein Kollege lächeln und filmen unablässig, der Qualm und beißende Geruch scheinen sie überhaupt nicht zu stören.

Schon während der Jubiläumsausfahrt mit 725 Teilnehmern am frühen Morgen mit Oberbürgermeister Jörg Nigge vorneweg war Destriana, die Zuschauer von der Vespa aus filmend, aufgefallen. „Ich bin in Jakarta jeden Tag mit meiner Vespa unterwegs, die Stadt weist die größte Dichte an Nutzern weltweit auf“, erzählt der Indonesier lächelnd. Er ist mit einem fünfköpfigen Team angereist, um für eine asiatische Agentur zu berichten. Wie der Franzose Canadonna und andere überregionale Medienvertreter verbreitet er internationales Flair, eine Atmosphäre, die sich vom Start des Treffens am Donnerstag an über die gesamte Stadt gelegt hat.

Ein Hauch von St. Tropez und Rom weht, wenn die Vespisti auf ihren bunten Gefährten durch die Stadt sausen, die Hosen bis zum Knie, auch wenn die Sonne nicht scheint, gebräunte Waden und leichte Schuhe. So kennt man es von der Cote d’Azur und aus Italien. Stehen sie irgendwo und fachsimpeln, machen einige auch bei Wolken am Himmel von der Sonnenbrille Gebrauch.

Ein bemerkenswertes Wechselspiel vollzieht sich in den vergangenen Tagen und besonders am Wochenende: Wo man hinhört nur Lob und Begeisterung von den Gästen über die Stadt und ihre Bewohner. „Das sind nette Leute hier, sehr hilfsbereit und offen“, befindet Angela Ngai aus Hongkong. „Old school nennen wir diese Gebäude, die so anders sind als bei uns. Sowas haben wir gar nicht“, verleiht der Mann aus Jakarta, Abdik Destriana, stellvertretend für alle internationalen Besucher seiner Bewunderung für die Celler Fachwerkarchitektur Ausdruck.

Englisch und Italienisch dominieren am Samstag in der sehr belebten City, die italienischen Lokale sind italienischer denn je. Viele Besucher finden sich ein, um die Akrobatik-Show auf der Stechbahn zu verfolgen. Arno-Schmidt-, Thaer- und Brandplatz sind fest in Vespa-Hand. Viele Celler bleiben stehen, betrachten die Modelle. Nähert sich ein am Helm unter dem Arm auszumachender Vespisti, kommt man leicht ins Gespräch. „Mein Interesse am Vespa-Fahren geht auf die 50er Jahre zurück“, lässt der frühere Generalbundesanwalt Harald Range verlauten. Wie ihm geht es vielen anderen. „Da werden Erinnerungen wach“, lacht Johannes Laukat, der in den 60ern mit der Vespa durch die Residenzstadt düste. Er hält wie seine Frau und Christian Adam aus Hambühren den Event für eine „Supersache“.

Immer wieder ist Bewunderung für die Leistung der Organisatoren zu vernehmen. Aus deren Sicht ist die reibungslos verlaufene Großveranstaltung wie von Seiten der Stadt sicher als ein voller Erfolg zu bewerten. Abgesehen von diesem Aspekt war es einfach schön und sehr bereichernd, die Vespisti zu Gast zu haben. Auf Wiedersehen!

Von Anke Schlicht