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Celle Stadt Celle ohne Briten: Phantasie gefragt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celle ohne Briten: Phantasie gefragt
13:57 22.06.2011
Von Michael Ende
Celle Stadt

Eine eigene Idee zur Nachnutzung der Celler Trenchard Barracks, aus denen im August 2012 der letzte britische Soldat abzieht - damit können weder Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU), der gestern sagte, er fände den vorzeitigen Abzug der Briten "schade", noch die "Unabhängigen" im Celler Stadtrat aufwarten. Stattdessen fordert man einen "Wettbewerb von Ideen und Konzepten". Man wolle "sich für ein Gremium einsetzen, dass eine ganzheitliche und nachhaltige Entscheidungsfindung ermöglicht", so "Unabhängigen-Sprecher" Urs Müller: "Hier werden Rat, Verwaltung und Bürger aber auch Wirtschaft und Investoren den Raum haben sich einzubringen."

Neu ist dieser Ansatz nicht: Die Grünen hatten bereits im Oktober 2010 genau einen solchen "Workshop" gefordert. "Zunächst ist eine Bestandsaufnahme des Geländes und der Gebäude erforderlich; unabdingbar ist dann in der weiteren Planung die Bürgerbeteiligung", so Grünen-Fraktionsvorsitzender Bernd Zobel heute: "Bürger, Rat und Verwaltung sollten in einen Ideenwettbewerb um die Zukunftsgestaltung eintreten. Denkverbote darf es nicht geben, allerdings muss die Haushaltslage der Stadt berücksichtigt werden. Als nächsten Schritt sollte die Verwaltung im Herbst zu einer ersten Informationsveranstaltung einladen."

Die Nachnutzung der CD- und Heidekaserne können "als Vorbild" für die anstehenden Konversionsentscheidungen dienen, so Zobel. Damit kann er allerdings nur den Erfolg an sich meinen - Jugendzentren und Rathäuser hat Celle schließlich zur Genüge. "Jetzt geht es darum, die Zeit vor der Übergabe für Gespräche mit Bund und Land zu nutzen um Konversionshilfen zu erhalten, damit Alternativplanungen für eine zivile Nutzung auf dem ehemaligen Gelände der Hohen Wende wie etwa Wohnanlagen oder Bildungseinrichtungen entwickelt und umgesetzt werden können", meint SPD-Fraktionsvorsitzender Jens Rejmann. "Hier liegen Herausforderungen und Chancen für die Stadt und den Ortsteil Vorwerk."

"Die Wählergemeinschaft träumt immer noch und vorrangig von einer Universitären Einrichtung an diesem hierfür idealen citynahen Standort. Jetzt wären Gespräche mit der Landesregierung nötig", sagt WG-Ratsherr Torsten Schoeps. Falls es hierfür keinerlei Realisierungschancen gäbe: "Die Nähe zum Einkaufszentrum Telefunkenstraße und Real würde ergänzende gewerbliche Ansiedlungen für Investoren sicherlich attraktiv erscheinen lassen."

Mit dem Abzug der Briten gehe auch ein Teil europäischer Kultur in Celle verloren, bedauert CDU-Fraktionsvorsitzender Heiko Gevers: " Der Abzug sollte auch mit Dank verknüpft werden, da uns die Briten massiv geholfen haben nach dem Zweiten Weltkrieg wieder zu demokratischen Strukturen zu finden. Zur Nachnutzung des Kasernengeländes wird man sich intensiv Gedanken machen müssen, wobei eine Nutzung als Hochschulstandort oder als Wohnungsbaugelände wohl auszuschließen sein dürfte." Schließlich machten immer neue Wohngebiete angesichts sinkender Bevölkerungszahlen immer weniger Sinn - und allein der Wunsch nach universitären Einrichtungen habe noch keine alte Kaserne gefüllt, so Gevers: "Angesichts des zu erwartenden Kaufkraftverlustes sollten alle politischen Kräfte mobilisiert werden, den Bundeswehrstandort Wietzenbruch zu erhalten und gegebenenfalls auszubauen."