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Celle Stadt Celle wird in der Fremde zur Heimat
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celle wird in der Fremde zur Heimat
14:45 25.03.2012
Wissbegierig: Migrantinnen aus vier Kontinenten haben sich bei der Celler Volkshochschule ¸ber das deutsche Staatswesen informiert. Quelle: Gert Neumann
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Elina aus der Ukraine, Sniaznana aus Weißrussland, Doinita aus Ungarn, Elizabeth aus Tansania, Sofia aus Griechenland, Zandra aus Mexika und Olga aus Russland. So verschieden die Namen und Heimatländer, so haben doch alle Frauen eines gemeinsam: Aus unterschiedlichsten Gründen führte es sie nach Deutschland und damit in den Dschungel deutscher Bürokratie.

Gemeinsam ist allen: Sie sind jung, wollen sich in Deutschland integrieren und haben deshalb – nach einem vorbereitenden Sprachkursus – Hilfe in einem Integrationskursus der Celler Volkshochschule (VHS) gesucht. Dies mit dem Ziel, sich sowohl für das Berufsleben als auch für ehrenamtliche Aufgaben fit zu machen. Ein erster 50-Stunden-Integrationskursus der VHS „Deutschland kompakt“ fand nun seinen Abschluss. Mit einem Happy End für die sieben wissbegierigen Frauen aus den verschiedensten Kontinenten.

VHS-Programmfachbereichsleiterin Birgit Schwier-Fuchs und die für Integration und Migration beim Ordnungsamt des Landkreises zuständige Ulrike Brinken freuten sich mit ihren Schützlingen über einen erfolgreichen Abschluss. Denn der Kursus war alles andere als ein Honigschlecken. Da galt es, Informationen über das Zuwanderungsrecht und Aufgaben der Ausländerbehörden zu verinnerlichen, kommunale Aufgaben und Strukturen im Kreis Celle kennenzulernen, Einblick in das Bildungssystem und das Schulwesen zu nehmen, die Aufgaben der Agentur für Arbeit und des Jobcenters auf die eigene Situation umzusetzen, das Kranken- und Rentenversicherungssystem in Deutschland zu verstehen, was Gesundheit und gesundheitliche Erziehung heißt und welche Möglichkeiten es gibt, sich ehrenamtlich zu engagieren.

Nein, Bittstellerinnen sind sie nicht, vielmehr selbstbewusste junge Frauen, die mit beiden Beinen voll im Leben stehen wollen und noch Ziele haben. Sie haben gelernt, was es heißt, in einer sozialstaatlich verpflichteten Demokratie zu leben. Dass es Freiheits-Garantien aus dem Grundgesetz gibt, die unverletzlich sind, allerdings auch ihre Grenzen in der Freiheit des anderen finden. Dass niemand durch das soziale Netz fallen darf. Dass jeder Mensch vor dem Gesetz gleich ist und dass aus den Rechten auch Pflichten erwachsen.

Und sie haben bei all dem auch erkennen müssen, dass es weiteren Schulungsbedarf gibt. Denn in 50 Stunden kann nicht alles das abgehandelt werden, was Not tut. „Was wird aus einer Frau, die eingeheiratet hat und nun den deutschen Partner verliert“, wurde ein Themenkomplex angestoßen. Ein anderer: „Welche Rechte hat eine Migrantin nach der Scheidung in Deutschland?“. Vor allem Themen wie Umgang mit Geld und gesundes Einkaufen sollten folgen. Damit laufen die Frauen bei der VHS offene Türen ein.

„Dies war ein erster Schritt, dem weitere folgen sollen", sagte Schwier-Fuchs. „Die Erfahrungen, die wir gemacht haben, sind ausgesprochen positiv. Uns ist klar, dass wir in die 50 Unterrichtungsstunden gar nicht alles hineinpacken konnten. Deshalb werden wir weiter am Ball bleiben.“

Von Gert Neumann