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Celle Stadt Celler AKH: Zukunft der Neurochirurgie gefährdet
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler AKH: Zukunft der Neurochirurgie gefährdet
19:23 08.04.2016
Von Gunther Meinrenken
Die Entfernung von Hirntumoren, wie hier an der Uniklinik Leipzig, ist dem AKH nicht gestattet. Das will der Vorstand ändern. Quelle: Waltraud Grubitzsch
Celle Stadt

Doch der Fortbestand der Abteilung ist gefährdet. Das Sozialministerium will die Celler Neurochirurgie seit Jahren nicht als Hauptabteilung anerkennen. Für das AKH bedeutet das: Das Behandlungsspektrum, für das die Krankenkassen bezahlen, ist beschränkt. AKH-Vorstand Stephan Judick: "Wir leisten uns mit der im Traumazentrum eingebundenen Neurochirurgie eine hochwertige Versorgung für die Menschen in der Region. Das ist mit hohen Kosten verbunden, die wegen der reduzierten Operationen, die wir durchführen dürfen, nicht zu refinanzieren sind. Auf Dauer können wir uns diese Unterfinanzierung nicht leisten."

Judick nennt Beispiele. Planbare Operationen wie die Entfernung von Hirntumoren dürfen am AKH nicht vorgenommen werden. Die Patienten müssen weite Wege nach Hannover auf sich nehmen. Vergütet werden Eingriffe an der Wirbelsäule und Notfälle, etwa die Behandlung von Hirnblutungen. Bei letzteren allerdings mit absurden Folgen, wie Chefarzt Rickels erläutert: "Wenn nach einer OP das herausgelöste Knochenstück wieder eingesetzt werden muss, wird der Patient verlegt, weil es eine planbare Operation ist. Das geht mit einem großen logistischen und finanziellen Aufwand einher. Außerdem verstehen die Patienten das nicht. Die denken dann, dass wir sie loswerden wollen, weil ihr Fall so schwerwiegend ist."

Weiterer Nachteil: Da das AKH nicht das gesamte Operationsspektrum bieten kann, ist es schwer, Nachwuchs nach Celle zu bekommen. Außerdem darf Rickels keine Facharztausbildung machen.

Das AKH gibt nicht auf, hat aktuell erneut einen Antrag beim Sozialministerium gestellt. Judick: "Wir wissen, dass das Sozialministerium nichts dagegen hat, aber Widerstand kommt von den Vertretern der Krankenkassen." Gemeint ist damit etwa die AOK, die ebenso wie die VDEK im Planungsausschuss für die Bettenbedarfsplanung sitzt. Beim Landesverband der "Gesundheitskasse" hält man sich zurück. "Der Planungsausschuss wird im Mai die Anträge beraten, den medizinischen Bedarf definieren und dann eine Entscheidung für die bestmögliche Versorgung der Patienten in ganz Niedersachsen treffen", so AOK-Sprecher Oliver Giebel.

Interessante Neuigkeiten hat Giebel in Bezug auf die Abrechnungspraxis. "Wenn es sich unzweifelhaft um Notfälle handelt, kann der Patient grundsätzlich im aufnehmenden Krankenhaus zu Ende behandelt werden und muss nicht zum Verschluss des Schädels nach Hannover verlegt werden. Die Abrechenbarkeit der Leistung kann hier kein Verlegungsgrund sein." Judick hat so etwas von der AOK noch nie gehört: "Das ist mir neu. Wir werden künftig gerne auf diese Aussage zurückkommen. Bisher mussten wir in vielen Fällen sogar für die Verlegung der Patienten aufkommen."