Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Celler Altstadt: "GOS hat Hauseigentümer nicht aktiviert"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Altstadt: "GOS hat Hauseigentümer nicht aktiviert"
17:25 01.07.2014
Von Gunther Meinrenken
In der Altstadt ist der Sanierungsbedarf hoch. Nach Auffassung der Stadt hat es der Sanierungsträger GOS nicht geschafft, genügend Hauseigentümern die Inanspruchnahme von Fördermitteln schmackhaft zu machen. Quelle: Peter Müller (Archiv)
Celle Stadt

Die Beschwerden von Hauseigentümer über die Gesellschaft für Ortsentwickung und Stadterneuerung (GOS) sind der Hauptgrund für die Kündigung des Vertrages mit dem Sanierungsträger für die Celler Altstadt. Das teilte am Dienstag, 1. Juli, Stadtbaurat Ulrich Kinder mit. Der für die Öffentlichkeit überraschende Schritt nach nur einem Jahr der Zusammenarbeit hat sich demnach im Neuen Rathaus schon länger abgezeichnet. "Die Eigentümer haben sich schon sehr früh beschwert", ergänzte Kerstin Bromberg von der Referatsleitung Städtebauförderung.

"Wir sind unzufrieden und diejenigen, die die Sanierung in erster Linie betrifft, sind unzufrieden. Und das ist das kritischste an dem ganzen Thema. Die GOS hat es nicht geschafft, die Hausbesitzer so zu erreichen, wie wir uns das vorgestellt haben", so Kinder. Es habe eine ganze Reihe kritischer Schriftwechsel mit Immobilienbesitzern in der Altstadt gegeben. Die GOS habe Vereinbarungen inhaltlich und terminlich nicht eingehalten. "Unserer Auffassung nach ist die Hauptaufgabe der GOS gewesen, die Eigentümer zu aktivieren, mit Fördermitteln ihre Immobilien zu sanieren. Das ist so nicht gelungen", berichtete der Stadtbaurat. Einige Betroffene hätten bei ihren Sanierungsprojekten sogar letztlich auf Fördergelder verzichtet.

Unzufrieden sei man im Neuen Rathaus auch mit der Qualität der Arbeit der GOS gewesen. Dies gelte nicht nur bei den Anträgen der Hauseigentümer, sondern auch bei Verfahrens- und Abrechnungsangelegenheiten. Die Mitarbeiter in der Verwaltung hätten öfter nacharbeiten müssen. "Der Sanierungsträger soll uns aber eigentlich entlasten", machte Kinder geltend.

"Wir müssen uns vor dem Land rechtfertigen. Auch mit einem Sanierungsträger ist die Stadt letztlich für eine zügige Sanierung verantwortlich", sagte Celles Stadtplaner Wolfgang Schucht. Bei Verzögerungen könnte man sich in Hannover die Frage stellen, ob die Stadt überhaupt in der Lage sei, die Altstadt zu sanieren. Im Endeffekt könnte Fördermittel in Gefahr sein.

Mathias Granitzki, Geschäftsführer der GOS, wollte die inhaltlichen Vorwürfe der Stadt gestern nicht kommentieren. Allerdings habe es schon seit längerer Zeit Diskussionsbedarf und unterschiedliche Auffassungen gegeben. "Der Vorgang befindet sich jetzt bei uns in der juristischen Prüfung", sagte Grantitzki. Aus Sicht der Stadt könnte das ein schlechtes Omen sein. In der Vergangenheit hatte sich die GOS letztlich auch mit juristischen Mitteln den Zuschlag für die Sanierungsträgerschaft der Altstadt gesichert. Die Hoffnung von Stadtbaurat Kinder, dass die GOS "als fairer Partner die Kündigung akzeptiert", dürfte sich nicht so ohne Weiteres erfüllen.

Kinder will an der Kündigung der GOS auf jeden Fall festhalten. Möglichst noch vor der Sommerpause soll die Politik festlegen, wohin die Reise nun gehen soll. Entweder wickelt die Stadt die Sanierung selbst ab, dann braucht man im Neuen Rathaus mehr Mitarbeiter. Oder es wird neu ausgeschrieben. Zumindest für letzteren Fall hat die GOS der Stadt gute Dienste erwiesen. Durch die in den vergangenen Jahren angestrengten Verfahren der Kieler Firma verfügt die Stadt mittlerweile über juristisch wasserdichte Ausschreibungsunterlagen.