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Celle Stadt Celler Anfallwarnhund Mila warnt vor Anfällen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Anfallwarnhund Mila warnt vor Anfällen
17:34 02.12.2013
Emylu Skorzinski und ihr Anfallwarnhund Mila - sind ein eingespieltes Team. Quelle: Martina Hancke
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„Mila gibt mir Sicherheit – und die Chance, selbstständig zu leben“, sagt Emylu Skorzinski und streift dabei ihren knapp sechs Monate alten Golden Retriever mit einem liebevollen Blick. Die 20-Jährige leidet seit acht Jahren an Epilepsie. Medikamente und alternative Heilmethoden blieben ohne Wirkung. Ihre große Hoffnung ist die junge Hündin, die Emylu gemeinsam mit einem Hundetrainer zum Therapiehund ausbildet.

Die Eignungsprüfung für Anfallwarnhunde hat Mila bestanden. Nur ein Welpe unter 1000 bringt die nötige Sensibilität mit. Am Ende der Erziehung soll Mila ihr Frauchen im Vorwege vor Anfällen warnen. Dann wäre es Emylu möglich, rechtzeitig ein Notfallpräparat zu nehmen, um die Attacke abzuschwächen oder ganz zu verhindern.

Die knuffige Hündin wird auch darauf trainiert, Emylu in die stabile Seitenlage zu bringen und Anfälle zu unterbrechen, indem sie sensible Stellen wie Hände oder Gesicht leckt. „Außerdem kann sie im Notfall Hilfe holen“, so die junge Frau, die hofft, dass sich ihre Grand-mal-Attacken (französisch für „großes Übel“) durch die Hündin reduzieren.

Rund fünf- bis sechsmal im Monat wird sie von den epileptischen Anfällen heimgesucht, unter Stress noch häufiger. Ohne Vorwarnung werden die Patienten bewusstlos. Ihr Körper streckt sich erst, verkrampft dann, die Glieder zucken. Nach zwei bis drei Minuten ist der Anfall vorüber. „Manchmal bin ich ganz froh, dass ich selbst nichts davon mitbekomme“, sagt die 20-Jährige. Die Auswirkungen begleiten sie jedoch noch Tage später: Muskelverspannungen, Kopf- und Gliederschmerz. Nicht selten verletzt sich Emylu, wenn sie zu Boden stürzt. „Trotzdem sollten Außenstehende nicht eingreifen. Die Mär, dass man Gegenstände zwischen die Zähne schieben soll, ist überholt“, weiß die Betroffene.

Auslöser für epileptische Anfälle können flackernde Lampen, Lichtreflexe und Stroboskoplicht sein. Für die damals 13-Jährige bedeutete das: kein PC, kein Fernsehen, kein Kino. Wegen der Sturzgefahr waren selbst Fahrradfahren und Schwimmen nicht mehr möglich. Die Diagnose warf sie aus der Bahn. Sie verließ die Schule, traute sich kaum aus dem Haus aus Angst vor Anfällen in der Öffentlichkeit. „Ich fragte mich, was soll ich mit diesem Leben anfangen“, erinnert sich die 20-Jährige heute.

Ihre Familie, vor allem Mutter Sabine, gaben ihr Halt. Mittlerweile holt Emylu ihren Realschulabschluss an der Volkshochschule Celle nach. Nebenher macht sie die Ausbildung zur Hundetrainerin für Servicehunde, um selbst mit Mila arbeiten zu können und weitere Hunde zu erziehen. Einmal im Monat fährt sie dazu nach Aachen. Über den Einsatz von Servicehunden erfuhr sie durch die Stiftung „Hunde helfen leben“ (www.hunde-helfen-leben.de).

Emylus Mutter finanziert die rund 24.000 Euro für die Ausbildungen ihrer Tochter und des Hundes, obwohl es ihr nicht leicht fällt. Emylus Vater verstarb früh, in der jetzigen Patchworkfamilie leben sechs Kinder. „Durch den Hund geht meine Tochter wieder unter Menschen. Sie hat jetzt ihre eigene kleine Wohnung in Celle. Das wäre vorher alles nicht möglich gewesen“, sagt die 52-Jährige.

Auch Freund Malte steht Emylu zur Seite. Gemeinsam versuchen sie, der Krankheit die Stirn zu bieten, damit die sympathische junge Frau ihr eigentliches Ziel erreichen kann: „Ich möchte in die Sozialarbeit und behinderten Kindern und Jugendlichen helfen.“

Wer Emylus Ausbildung unterstützen möchte: Ev. Kreditgenossenschaft Kassel, Konto-Inhaber: Kirchenkreisamt Burgdorfer Land, Bankleitzahl: 52060410, Konto-Nummer 600006076, Stichwort: Therapiehund MILA.

Von Martina Hancke