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Celle Stadt Celler Arzt war im Irak dem Grauen ganz nah
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Arzt war im Irak dem Grauen ganz nah
18:31 13.04.2016
Von Gunther Meinrenken
Günter Pütz bei der Behandlung einer Patientin im Flüchtlingslager nahe der irakischen Stadt Dohuk. Begleitet wurde der ehemalige Celler Zahnarzt vor Ort von seinem Dolmetscher Dawood Saleh. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
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Vielen Cellern ist Pütz bestens bekannt. Über 30 Jahre lang hat er eine Zahnarztpraxis am Alten Bremer Weg betrieben. 2013 ist er in den Ruhestand gegangen. Seitdem arbeitet er ehrenamtlich, etwa im Hannoveraner Zahnarztmobil. Im vergangenen Jahr war Pütz zu einem dreiwöchigen Hilfseinsatz auf eigene Kosten in die Dominikanische Republik aufgebrochen. Frustriert über die Undankbarkeit und das Anspruchsdenken seiner karibischen Patienten, kehrte er zurück.

"Das war eine große Enttäuschung. Aber ich bin Christ. Ich habe eine göttliche Botschaft bekommen, dass ich eine zweite Chance erhalten sollte", erzählt der 68-Jährige. Und die zweite Chance kam: Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte in Bonn suchte einen Zahnarzt für einen Hilfseinsatz in einem Flüchtlingslager im Irak. Pütz meldete sich. Die Nachfolger in seiner Celler Praxis, Dr. Julia Frisch und Dr. Joachim Scholz, rüsteten ihren ehemaligen Kollegen aus. Mitte März flog Pütz nach Kurdistan.

Von Erbil aus ging es in den Norden nach Dohuk, einer 300.000-Einwohner-Stadt, um die herum sich sieben Flüchtlingslager mit Tausenden von Menschen befinden. "Die Versorgungslage war eigentlich in Ordnung. Dort gibt es Schulen und Geschäfte. Aber die meisten Menschen leben dort ohne eine Perspektive."

Zur Überraschung von Pütz befanden sich sogar zwei mobile Zahnarztpraxen vor Ort, zu seiner Enttäuschung waren sie nicht gepflegt worden. "Es war dreckig, Geräte haben nicht funktioniert oder es gab keine Gebrauchsanweisung, der Wassertank war leer und niemand konnte einem sagen, wie er wieder gefüllt wird", beschreibt Pütz die Bedingungen, unter denen er eine Woche lang insgesamt etwa 100 Patienten behandelt hat. Alles unter Mithilfe eines Dolmetschers.

Die Dankbarkeit seiner Patienten hielt sich auch dieses Mal in Grenzen, wenn auch nicht so schlimm wie in der Dominikanischen Republik. "Dafür haben wir unheimlich große soziale Dankbarkeit erfahren", so Pütz. Man sei beschenkt und zum Essen eingeladen worden. Der Inhaber eines Geschäfts für süßes Gebäck weigerte sich, Geld von den Ärzten anzunehmen. Ein Peschmerga-Kämpfer schimpfte mit dem Hotelpersonal, weil die ausländischen Ärzte, die extra in die Flüchtlingslager gekommen waren, um zu helfen, den vollen Preis zahlen sollten.

Für Pütz steht fest: Er will noch einmal in den Irak. "Vorher werde ich aber einen Brief an den Gesundheitsminister schicken und ihm deutlich machen, dass wir für unsere Einsätze ein Zahnmobil brauchen, das auch funktioniert, das sauber ist und dass wir einen Ansprechpartner bekommen, der in der Lage ist, die Geräte zu warten und zu reparieren."