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Celle Stadt Celler Bahnkunden sehen Streik gelassen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Bahnkunden sehen Streik gelassen
20:27 05.11.2014
Von Jürgen Poestges
Gestern trafen sie sich noch am Celler Bahnhof: Der Metronom (hinten) und ein Personenzug der Deutschen Bahn. - Heute ist der „blaue Express“ wegen des Lokführerstreiks alleine unterwegs. Davon profitieren auch die Fernbusse . Quelle: Alex Sorokin / Lothat H. Bluhm
Celle Stadt

Irgendwelche Hinweisschilder, die auf den Bahnstreik in den kommenden Tagen aufmerksam machen, gibt es nicht am Bahnhof Celle. Die Fahrgäste, die gestern Mittag auf die Züge warteten, wollten im Schwerpunkt nur ausnahmsweise mit dem Zug ein Ziel erreichen; sie waren keine Pendler. Sie finden den erneuten Streik auch nicht in Ordnung, fühlten sich aber nicht unmittelbar betroffen.

Am Informationsschalter in Celle – vor dem sich im Übrigen nur einige wenige Kunden verlieren – verweisen die Mitarbeiter auf die Pressestelle der Bahn. „Wir dürfen nichts dazu sagen“, ist die Auskunft. Allerdings wird bestätigt, dass schon einige Nachfragen nach Zügen kamen und auch bereits gekaufte Tickets zurückgegeben wurden.

Fernbusse freuen sich über mehr Kunden

Bei den Fernbussen hingegen freut man sich über regen Zulauf. „Wir haben sechs Mal mehr Zugriffe auf unsere Internetseite als normalerweise“, sagt zum Beispiel Marie Gloystein von der Pressestelle von „MeinFernbus“ in Berlin. „Wir gehen davon aus, dass wir insgesamt vier Mal mehr Fahrgäste haben werden durch den Streik der Bahn“, glaubt sie. Die grünen Busse machen auch im Busbahnhof neben dem Bahnhof halt.

Metronom fährt nach Plan

Auch der Metronom wird sich über größeren Zulauf freuen können. Laut Auskunft des Unternehmens fahren alle Züge nach Fahrplan, auch wenn mit leichten Verspätungen gerechnet werden muss. Dazu hält der Metronom an den Streiktagen zusätzlich an einigen Haltepunkten der S-Bahn wie Bismarckstraße, Messe Laatzen, Rethen und Barnten sowie Neugraben, Fischbeck und Neu Wulmstorf.

Metronom-Pressesprecher Björn Pamparin erklärte aber, dass das Uelzener Unternehmen nicht unbedingt finanziell von dem Streik profitiere. „Durch die zusätzlichen Haltestellen müssen wir Stations-Nutzungs- und Energiegebühren bezahlen“, erklärt er. Man gehe davon aus, dass die Anzahl der Fahrgäste um rund 30 Prozent ansteigen werde. „Das sind die Erfahrungswerte der vergangenen Streiks.“

Er geht aber nicht von größeren Verspätungen aus. „Es wird sich da erfahrungsgemäß vielleicht mal um fünf oder zehn Minuten handeln. Das ergibt sich einfach daraus, dass ja mehr Leute ein- und aussteigen. Dazu kann auch durch den Streik das ein oder andere Gleis einmal gesperrt sein.“

So ist abzuwarten, ob heute das große Chaos am Bahnhof überhaupt ausbricht. Denn die meisten Pendler können sich durch die Ankündigung des Streiks von heute bis Montag darauf einstellen und sich ein alternatives Fortbewegungsmittel suchen.

Erstattungen bei Zugverspätungen

Bei Zugverspätungen wegen eines Bahnstreiks bekommen Fahrgäste im Übrigen einen Teil des Ticketpreises erstattet. Die Deutsche Bahn kann dem Europäischen Gerichtshof zufolge in diesem Fall keine höhere Gewalt geltend machen (Rechtssache C-509/11). Als Erstes müssen Bahnkunden das Fahrgastrechte-Formular ausfüllen, zu finden auf der Webseite der Bahn unter http://dpaq.de/n77jr. Originalfahrkarten, Kopien von Zeitkarten oder Originalbelege einer Hotelübernachtung müssen beigelegt werden. Das Formular entweder in einem DB-Reisezentrum abgeben oder per Post an das Servicecenter Fahrgastrechte, 60647 Frankfurt/Main schicken. Ab 60 Minuten Verspätung eines ICE werden 25 Prozent des Fahrpreises erstattet, ab 120 Minuten 50 Prozent. Bei einer Verspätung des ICE-Sprinters wird ab 30 Minuten der Sprinter-Aufpreis zurückgezahlt.

Für Fahrten in der 2. Klasse im Nahverkehr gibt es ab 60 Minuten Verspätung 1,50 Euro pro Fahrt zurück. In der 1. Klasse sind es 2,25 Euro. Dazu zählen auch das Schönes-Wochenende-Ticket, das Quer-durchs-Land-Ticket und die Länder-Tickets. Bei Wochen- und Monatskarten rät die Bahn, die Verspätungsfälle nach Ablauf der Geltungsdauer des Tickets gesammelt beim Servicecenter Fahrgastrechte einzureichen. Bei Jahreskarten können die Verspätungsfälle aber auch im Laufe des Jahres eingereicht werden. Entschädigungsbeträge von weniger als 4 Euro werden nicht ausgezahlt. Das heißt, die Fahrgäste müssen mehrere Verspätungen sammeln und diese dann zusammen geltend machen.

Die CZ-Leser, die sich über Facebook gemeldet haben, sahen es eher gelassen. „Der Metronom fährt ja weiter, der ist vom Streik überhaupt nicht betroffen. Und dasselbe gilt für viele andere Bahnstrecken in Deutschland“, meint zum Beispiel Joachim Mos. „Für Fernreisende ist das schlecht, denn es betrifft vor allem die Fernstrecken, aber im Nahverkehr, der für die Pendler wichtig ist, fällt ja vieles überhaupt nicht aus.“

Nika Pata erklärt: „Es fahren immer noch Züge, dafür gibt es den Ersatzfahrplan – extra für den Fernverkehr. Und es ist die GDL, die wohl nach Macht strebt. Die Bahn ist genauso Opfer wie die Fahrgäste. Der Konzern profitiert nicht vom Streik, im Gegenteil.“