Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Celler Beckmannsaal wird zum Bundestag
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Beckmannsaal wird zum Bundestag
10:50 14.12.2017
Quelle: David Borghoff
Celle Stadt

„Es ist das allererste Mal, dass ein solches Planspiel bei uns stattfindet, das ausschließlich von Schülern organisiert wird“, sagt Mathis Gayk. Der 15-Jährige ist einer von drei Initiatoren der Veranstaltung, die den KAV-Schülern einen praktischen Eindruck vom politischen Leben in Deutschland vermitteln sollte. „Wir sind alle drei im jugendpolitischen Bereich tätig, und haben festgestellt, dass es beim Nachwuchs doch ziemlich mau aussieht“, erzählt Gayk, der sich bei den Jusos, der Jugendorganisation der SPD, engagiert. „Also wollten wir den Schülern Gelegenheit geben, sich genauer darüber zu informieren, wie politische Arbeit aussieht.“

Rund drei Monate haben Gayk und seine Mitorganisatoren Lena Kribbe sowie Konstantin Scholz gebraucht, um den Projekttag auf die Beine zu stellen. „Der Antrag an die Schulleitung ist gleich durchgegangen“, berichtet Kribbe. „Engagement seitens der Schüler wird im KAV immer sehr unterstützt.“ Man habe die politische Partizipation fördern wollen, erklärt die 17-Jährige, die ebenfalls bei den Jusos aktiv ist. „Und in der zehnten Klasse haben wir die größtmögliche Chance, jemanden für die politische Arbeit zu interessieren“, fügt Gayk hinzu.

Um den fiktiven Bundestag so realitätsnah wie möglich zu gestalten, hatten Kribbe, Gayk und Scholz die Vorsitzenden der Celler Kreistagsfraktionen mit ins Boot geholt. In simulierten Fraktionssitzungen standen Jens-Christoph Brockmann (AfD), Silke Kollster (CDU), Jutta Krumbach (FDP), Mathias Pauls (SPD), Annegret Pfützner (Grüne) sowie Behiye Uca (Linke) den Zehntklässlern bei der Aufgabe zu Seite, zum Thema „Zukunft in Deutschland“ zentrale Forderungen ihrer Partei zu formulieren. „Spannend“, findet die 16-jährige Bianca Schlichtmann, die vor der großen Plenarsitzung, in der alle Fraktionen ihre Forderungen schließlich vorbringen sollten, zur fiktiven Bundeskanzlerin gewählt wurde. „Die eigene Partei und den Koalitionspartner unter einen Hut zu bringen, ist gar nicht so einfach.“

Vom Einhalten des Zwei-Grad-Klimaziels über kostenlose Bildung und den Erhalt der Förderschulen bis hin zu einer Reichensteuer und dem Verbot von Kleinwaffenexporten außerhalb der EU reichten die Themen, über die die Zehntklässler gut eine Stunde lang diskutierten. Die Debatte blieb allerdings recht verhalten, lediglich die fiktiven Linken- und AfD-Fraktionen brachten durch diverse Einwürfe etwas Farbe hinein. „Schade“, bedauert Kribbe im Nachhinein, „wir hatten gehofft, dass die Beteiligung etwas lebhafter sein würde.“

Der 15-jährigen Victoria hat es trotzdem gefallen. „Ich nehme auf jeden Fall etwas mit“, sagt sie. „Ich fange gerade an, mir selbst eine Meinung zu bilden, das war vorher noch nicht so.“ Selbst in die Politik zu gehen, könne sie sich im Moment aber nicht vorstellen. „Vielleicht kommt das ja noch“, meint sie.

Von Christina Matthies