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Celle Stadt Celler Betreuungsverein ist selbst in Not
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Betreuungsverein ist selbst in Not
20:27 11.11.2014
Celle Stadt

„Die Problematik besteht schon seit einigen Jahren und hat sich immer weiter zugespitzt“, sagt Bernhard Zdun, Sozialarbeiter beim Betreuungsverein der Caritas, der in Geldnot geraten ist. Zusammen mit zwei Kolleginnen wird er vom Amtsgericht Celle als rechtlicher Betreuer für Menschen bestellt, die sich aufgrund einer psychischen Erkrankung oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung nicht mehr um die Wahrnehmung ihrer eigenen Angelegenheiten kümmern können.

Per Gesetz bekommen die Betreuer seit 2005 - davor wurde jeder Fall noch minutiös abgerechnet - je nach Ausbildungsgrad einen gewissen Stundenlohn und pro Person eine bestimmte Betreuungszeit pro Monat zugeteilt, die innerhalb von zwei Jahren um die Hälfte absinkt. „Die vorgegebenen Zeiten können wir in der Regel nicht einhalten und haben diese bei manchen Personen schon nach einer Woche erreicht“, bilanziert Zdun. „Doch wir können dann nicht einfach mit der Betreuung aufhören. Es besteht eindeutig die Gefahr der Einstellung unserer Arbeit, wenn sich mittelfristig nichts ändert.“

Obwohl die Zahl der Betreuungen seit 2005 von knapp 100 auf aktuell 129 angestiegen ist, die Mitarbeiter mehr als ausgelastet sind und Förderungen vom Land Niedersachsen sowie des Landkreises Celle fließen, hat der Verein 2013 ein Minus von mehr als 16.000 Euro eingefahren. Eine zeitliche und finanzielle Entlastung wäre, einige der betreuten Personen in die Obhut ehrenamtlicher Betreuer zu vermitteln, denn dafür bekäme der Betreuungsverein einen Bonus. Doch laut Zdun mangelt es erstens an ausreichend Helfern und zweitens können 80 Prozent der Fälle aufgrund des hohen Betreuungsaufwands nur von den Sozialarbeitern selbst begleitet werden.

In einer bundesweiten Aktion fordert der Caritasverband deshalb, die seit 2005 nicht mehr veränderten Vergütungsregelungen nach oben zu korrigieren und die Betreuungszeiten anzupassen. Zdun und seine Kolleginnen haben bereits einige Gespräche mit den verschiedensten Politikern geführt, um auf die Situation aufmerksam zu machen: „Die Vergütung ist seit knapp zehn Jahren nicht mehr erhöht worden, während parallel die Arbeitsbelastung und alle anderen Kosten gestiegen sind.“

Von Kai Knoche