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Celle Stadt Celler Charity-Essen zum Thema Gefahren des Internets
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Charity-Essen zum Thema Gefahren des Internets
18:45 11.11.2014
Grauzone Internet: Hier können sich Pädokriminelle beim Chatten zum Beispiel als kleines Mädchen ausgeben. Quelle: Innocence in Danger
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Das Internet macht es Pädokriminellen heute leicht, an ihre kindlichen Opfer zu kommen. Mit falschen Profilen nutzen sie Soziale Netzwerke, Chaträume und Online-Spiele und erschleichen sich das Vertrauen der jungen Netznutzer. Das generelle „Du“ lässt Generationsgrenzen verschwimmen, durch Freundeslisten entsteht eine Pseudovertrautheit. Der in Wirklichkeit hohe Grad an Anonymität im Netz wird nicht mehr wahrgenommen.

„In Spielen wie dem beliebten Clash of Clans melden sich die Täter als Gleichaltrige an und nutzen das Gemeinschaftsgefühl aus“, weiß Julia von Weiler, Geschäftsführerin von „Innocence in Danger e.V.“ (Unschuld in Gefahr), einer internationalen gemeinnützigen Organisation, die sich gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen besonders im Netz einsetzt. Bei einem Charity-Essen am 24. November im „Palio“ im Celler Hotel Fürstenhof klärt der Verein vor eingeladenen Sponsoren im Beisein von Erbprinz Ernst August von Hannover über seine Arbeit auf.

Kontrollmechanismen wie spontane Antipathie beim Anblick einer Person fallen im Netz aus. „Dennoch bestärken wir in unseren Präventionsprojekten die Kinder, auf ihr Bauchgefühl zu hören“, so die Diplom-Psychologin. Wenn etwas zu schön ist, um wahr zu sein, dann ist es meistens auch nicht wahr. „Innocence in Danger“ gibt mit seinem Merkblatt „Schlau durchs Netz“ konkrete Tipps zum Verhalten im Internet. Das reicht vom richtigen Umgang mit den eigenen Daten bis zum Tipp, sich nicht zu „attraktiv“ zu machen. Einmal verschickte „sexy“ Fotos kursieren für immer im Netz.

Aufmerksam sollten Kinder werden, wenn jemand ihnen übertriebene Komplimente oder supergute Angebote, wie in einem Film mitzuspielen, macht oder hauptsächlich über Körper und Aussehen reden will. Fühlen Kinder und Jugendliche sich beim Chat unwohl, sollten sie ihn sofort beenden und mit jemandem darüber reden. Und vor allem: Nie allein zu einem Treffen mit einem Chat-Partner gehen!

Die Prävention setzt Kinder andererseits auch unter Druck. „Wenn ich x-mal gewarnt wurde und dann doch hereinfalle, mag ich das niemandem erzählen“, so von Weiler. Dabei sei nichts wichtiger als der Weg zu einem Ansprechpartner, sei es ein Freund, die Eltern, ein Lehrer – oder eine Hilfehotline wie die der Bundesregierung unter ☏ (0800) 2255530. Auch auf Internetseiten wie www.hilfeportal-missbrauch.de und www.save-me-online.de finden Betroffene Rat.

„Meist fühlen sich die Kinder schuldig und fragen sich, was sie falsch gemacht haben“, weiß die Psychologin. Hier gilt es, ihnen klar zu machen, dass die Schuld allein beim Täter liegt. „Im Internet kommen Kinder und Jugendliche unweigerlich mit Pornos, sexistischen Fotos oder Videos in Kontakt. Als Eltern muss uns klar sein, dass dies ein Thema ist, das Kinder beschäftigt, und bei dem sie unsere Hilfe benötigen“, betont die Geschäftsführerin von „Innocence in Danger“. Sexueller Missbrauch im Internet sei kein Jugendproblem: Die jungen Internetnutzer passen sich einer Welt an, die letztendlich von Erwachsen geschaffen wurde.

Von Martina Hancke