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Celle Stadt Celler Charmeoffensive mit Dominoeffekt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Charmeoffensive mit Dominoeffekt
18:26 09.07.2017
Von Michael Ende
Ein neues Gesicht für Celle: Jörg Nigge bläst zur „Charmeoffensive Innenstadt“. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Früher wurden Bürger, die in Eigeninitiative etwa grüne Akzente setzen wollten, ausgebremst und sogar bestraft. Krasses Beispiel für ultra-hartes Durchgreifen der Obrigkeit gegen einen „Wildwuchs“-Verbrecher war 2007 der Gastronom Jean Priol, der ohne Erlaubnis mit Maispflanzen und Weinreben den Zugang zu seinem Lokal verschönern wollte und deswegen hinter schwedischen Gardinen landete. Priol weigerte sich damals, ein Bußgeld der Stadt zu zahlen und saß lieber vier Tage Erzwingungshaft ab.

Heute soll niemand mehr ins Gefängnis, weil er Blumen pflanzt. Für Nigge zählen zur Attraktivierung der Altstadt neben der Begrünung auch ansprechendes Mobiliar, Möglichkeiten zum Verweilen und vieles mehr: „Ein gutes Beispiel dafür ist das M-One auf dem Großen Plan und die Außenbewirtschaftung vor Don Pippo und Alter Provisor an der Bergstraße.“ Seitens der Geschäftsleute seien in der Vergangenheit entsprechende Anträge gestellt worden, die bisher „leider abgelehnt wurden“, so Nigge: „Es ist mir ein Herzensanliegen, der Innenstadt mehr Leben einzuhauchen. Dazu gehört auch das Sorgenkind Bergstraße, das jetzt eine erfreuliche Entwicklung nimmt.“

Nun setze die Verwaltung ausdrücklich auf das persönliche Gespräch und Beratung, um den individuellen Bedürfnissen der Innenstadt-Akteure möglichst gerecht werden zu können. „In der Wirtschaftsförderung kümmert sich eine Mitarbeiterin ausschließlich um die Gewerbetreibenden der Innenstadt. Für mich ist das ein wichtiges politisches Projekt, das von Anfang an auf meiner Agenda stand und jetzt bereits erste Früchte trägt“, sagt Nigge.

Dass nun immer mehr Geschäftsleute auf Sondernutzungen von Außenflächen in der Innenstadt setzten, zeige dass seitens der Innenstadtakteure die seit drei Monaten laufende „Charmeoffensive Innenstadt“ gut angenommen werde, meint Nigge: „Wir haben von Anfang an auf einen Dominoeffekt gesetzt, der sich jetzt erfreulicher Weise auch einstellt. Wir sind guter Dinge, das noch viele neue, innovative Projekte folgen werden.“

Vorbei die Zeiten, in denen die Stadtverwaltung vorsätzlich Brennesseln und Quecke in Blumenkübeln wachsen ließ, um zu demonstrieren, dass die Stadt kein Geld hat. Nigge: „Das führt doch zu nichts. Unsere Haushaltslage ist immer noch desolat, aber wir wollen trotzdem voran kommen.“ „Fundraising“ heißt hier das Stichwort: „Wir setzen auf die Bereitschaft der Celler, sich selbst auch finanziell an der Verschönerung ihrer Altstadt zu beteiligen. Wir wissen, dass es diese Bereitschaft gibt, und dass sie sehr groß ist.“ Rund 40 Bürger oder Firmen stünden bereits auf einer Warteliste, so Nigge: „Ob jemand eine Bepflanzung oder eine Sitzbank sponsern will, das kann er sich aussuchen. Jeder Geschäftsinhaber soll das Umfeld seines Ladens gestalten können.“

Derzeit arbeite die Verwaltung an einem detaillierten City-Plan, auf dem genau aufgeführt werde, was an welchem Plätzchen in der Innenstadt möglich sein solle. „Wenn dieser Plan steht, kann sich jeder aussuchen, welche Verschönerungsaktion er unterstützen möchte“, so Nigge: „Ich bin mit sicher, dass das ein großer Erfolg für unsere Altstadt wird.“