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Celle Stadt Celler Chefarzt warnt vor Schlaganfall: Risikofaktoren multiplizieren sich
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Chefarzt warnt vor Schlaganfall: Risikofaktoren multiplizieren sich
18:47 08.05.2015
Von Christopher Menge
Prof. Dr. - Wolfgang Heide
Celle Stadt

Eine Person spricht nur noch Kauderwelsch, kann nicht mehr richtig sehen oder hat am Mund, Arm oder Bein Lähmungserscheinungen – das alles sind Anzeichen für einen Schlaganfall. Wenn diese Symptome auftreten, ist Eile geboten. „Dann zählt jede Minute“, betont Prof. Dr. Wolfgang Heide, Chefarzt der Neurologischen Klinik am Allgemeinen Krankenhaus in Celle, „innerhalb von fünf Stunden kann man noch was machen, da der betroffene Teil des Gehirns noch nicht abgestorben ist.“

Bei 80 bis 85 Prozent der Schlaganfälle handelt es sich um einen Hirninfarkt, das heißt im Gehirn verstopft eine Arterie, sodass Funktionen des Gehirns aufgrund der fehlenden Durchblutung ausfallen. „Wenn das Gefäß wieder geöffnet wird, besteht die Chance, dass sich der Patient wieder erholt“, sagt Heide, „wichtig ist, dass der Patient schnellstmöglich auf eine Schlaganfall-Spezialstation ('Stroke Unit') kommt.“ In Deutschland gibt es ungefähr 170 zertifizierte regionale und 100 überregionale solcher Stationen – eine überregionale in Celle, mit der Möglichkeit, das Blutgerinnsel im Gefäß entweder medikamentös aufzulösen („Lystherapie“) oder – als neues, aber bei großen Eingriffen sehr wirksames Verfahren –über einen Kathetereingriff („Thrombektomie“) zu entfernen. Das geschieht in Kooperation mit der Interventionellen Radiologie am AKH mit dem Leitenden Arzt Richard Glombik.

„Wir haben hier alle Mittel der Versorgung“, sagt Heide, „bei einer Blutung im Gehirn kann ein Neurochirurg, zum Beispiel AKH-Chefarzt Prof. Eckhard Rickels, sofort operieren.“ Bei 15 bis 20 Prozent der Patienten ist nämlich nicht ein Infarkt die Ursache für den Schlaganfall, sondern eine Hirnblutung. „Hoher Blutdruck ist der größte Risikofaktor für eine Hirnblutung“, sagt Heide, „für einen Infarkt sind neben hohem Blutdruck hohes Cholesterin, Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht und Zucker die Ursachen.“ Das Problem: Die einzelnen Risikofaktoren addieren sich nicht – sie multiplizieren sich. „Ein Raucher hat beispielsweise ein dreifaches Schlaganfall-Risiko, und jemand mit hohem Blutdruck ist fünf bis zehnmal so gefährdet“, sagt Heide, „wenn beides zutrifft, ist das Risiko aber 20 Mal so hoch."

In seinen Vorträgen weist er daher immer wieder darauf hin, dass es Möglichkeiten gibt, das Risiko eines Schlaganfalls einzuschränken. „Regelmäßiger Ausdauersport ist wichtig“, betont der Experte, „man sollte entweder dreimal pro Woche 30 Minuten am Stück Sport machen oder dreimal am Tag je 10 Minuten.“ Langsames Spazierengehen reiche dabei nicht aus. „Man muss schneller atmen“, sagt Heide, „und auch mit der richtigen Ernährung kann man das Risiko beeinflussen.“ Mediterrane Ernährung heißt die Zauberformel. Viel Obst, Gemüse, pflanzliche Öle und Fisch helfen, das Risiko zu reduzieren. „Ein Glas Wein darf auch sein“, sagt Heide, „aber es sollten nur ganz wenig Fleisch und keine tierischen Fette sein.“

1200 Patienten wurden im vergangenen Jahr auf der Schlaganfall-Station im AKH behandelt. Bei 900 bis 1000 stellte sich heraus, dass es sich tatsächlich um einen Hirninfarkt oder eine -blutung handelte. „Die hohe Zahl liegt daran, dass wir als überregionales Zentrum auch Auswärtige behandeln, die Häufigkeit von Schlaganfällen liegt bei 500 bis 600 Fällen auf 200.000 Einwohner.“ Ein Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen – das Verhältnis beträgt fünf zu vier.

„Etwa ein Viertel der Patienten verstirbt an den Folgen des Schlaganfalls innerhalb eines Vierteljahres, ein Viertel hat Behinderungen, ein Viertel hat nur leichte Beeinträchtigungen und ein Viertel übersteht den Schlaganfall ohne gesundheitliche Folgen.“ Um möglichst viele Funktionen des Gehirns wiederherstellen zu können, beginnt bereits innerhalb der ersten 24 Stunden die Rehabilitation. „Gesunde Hirnbereiche müssen die Funktionen dann übernehmen“, sagt Heide. Daher ist vorher Eile geboten. Je schneller der Patient auf einer Schlaganfall-Spezialstation ist, desto größer sind die Heilungschancen.