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Celle Stadt Celler City wählt „freiwilligen Abstieg“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler City wählt „freiwilligen Abstieg“
15:51 19.11.2010
Von Michael Ende
Celle Stadt

CELLE-ALTSTADT. Am Ende hat Gunnar Duvenhorst Recht behalten: Er hat es länger in seinem Job als Citymanager ausgehalten als sein 179-Tage-Vorgänger Veit Hilger. Als Duvenhorst am 15. Dezember 2009 präsentiert worden war, sagte er, er wolle seine Tage nicht zählen – das sollten andere machen. Immerhin hat es fast ein Jahr gedauert, bis Duvenhorst jetzt kündigte.

Für seinen Abschied aus Celle gebe es „eine ganze Menge von Gründen“, über die er aber im Detail nicht sprechen wolle, so der 39-jährige Hannoveraner. Im Trägerverein habe er „keine professionelle Zusammenarbeit“ erlebt, sondern viele „gegenläufige Strömungen“, Fraktionen und „Gegenclubs“, so Duvenhorst, der berichtet, der Verein wolle sich jetzt „freiwillig in die zweite Liga zurückziehen und dann am Wiederaufstieg arbeiten“. Duvenhorst: „Man sieht jetzt, warum es nicht weiter geht. Wir haben kein klares Ziel, und die Frage ist, ob man eine Werbegemeinschaft oder die zweite Stadtverwaltung sein will.“ Er wolle seine Arbeit zum Ende des ersten Quartals 2011 „sauber abschließen“ und die Basis für zukünftige Aktivitäten legen. Zunächst einmal müsse er sich um den „Gewaltakt“ der Weihnachtsbeleuchtung kümmern. Von der wollten zwar alle in der City profitieren, aber längst nicht alle wollten sich auch an ihrer Finanzierung beteiligen.

Als Celles Sparkassen-Spitze ist Axel Lohöfener absolute Seriösität und gesunde Finanzen gewohnt – in seinem Ehrenamt als Citymanagement-Schatzmeister bewegt er sich notgedrungen in einer anderen Welt: „Für die langfristige Arbeit des Citymanagements ist finanzielle Stabilität Voraussetzung, die zur Zeit in Frage steht. Die Kalkulation des Citymanagements beruht auf 200 Mitgliedern, die je nach individueller Größe ihre Beiträge leisten. Die Zahl der Mitglieder beträgt jetzt anderthalb Jahre nach Gründung etwas mehr als 100 Mitglieder. Es ist leider nicht gelungen, vor allem weitere Einzelhändler, die in der Innenstadt gute Geschäfte machen, zu einer Mitgliedschaft zu bewegen. Sie profitieren von den Aktivitäten, die das Citymanagement entwickelt. Sie beteiligen sich aber nicht an den Kosten.“

Die Stadt Celle habe in der Gründungsphase das Citymanagement zunächst personell und dann auch finanziell nach Kräften unterstützt, so Lohöfener: „Die Zuschüsse sind fallend gestaffelt und können letztmalig in 2011 erwartet werden. Zur Zeit ist absehbar, dass das Citymanagement in der bestehenden Struktur auf Dauer wirtschaftlich nicht bestehen kann.“ Der Verein werde bis Januar 2011 die Handlungsoptionen ausloten, um die grundlegenden Aufgaben des Citymanagements aufrecht zu erhalten. Lohöfener: „Ein neues Finanzkonzept ist zu erarbeiten. Auf Basis dieser Konzepte werden dann auch die Vakanzen im Vorstand zu besetzen sein.“ Dass Duvenhorsts Stelle eines hauptamtlichen Citymanagers nachbesetzt wird, schließt Lohöfener erst einmal aus: „Das gibt die Finanzlage nicht her.“

„Ohne Vorsitzende und ohne Citymanager ist der Verein praktisch hin“, sagt CDU-Fraktionschef Heiko Gevers, der es leid ist, sich von City-Akteuren weiterhin an der Nase herumführen zu lassen: „Ich hätte nicht übel Lust, meiner Fraktion vorzuschlagen, diesen Herrschaften die Zuschüsse zu streichen.“

Auch FDP-Fraktionsvorsitzender Joachim Falkenhagen will den Geldhahn zudrehen – allerdings nicht sofort: „Der Rat hat sein Wort gegeben, das Citymanagement bis einschließlich 2012 zu fördern. Weil Verlässlichkeit ein hohes Gut ist, wird die FDP-Fraktion daran nichts ändern. Allerdings bezweifle ich jetzt stark, ob eine Förderung darüber hinaus möglich ist. Das Citymanagement wird bis einschließlich 2012 fast 700000. Euro Zuschüsse der Stadt erhalten haben. Unterm Strich sind dabei nur Streit, Blamagen, Rücktritte und viele Arbeitskreissitzungen herausgekommen, die zu fast nichts geführt haben. Menschen, die sich stark engagiert haben, sind verletzt worden.“

Manche Einzelhändler hätten eine „völlig unprofessionelle Haltung aber Ansprüche über Ansprüche“, so Falkenhagen: „Ein Mitglied des Citymanagements sagte mir: Es macht keine Freude, immer nur Scherben zu kitten. Warum sollte es dem Rat Freude machen, dies auch noch mit Steuergeldern zu finanzieren?“

Kommentar

Trümmerhaufen

Ohne Konzept ist Citymanager Gunnar Duvenhorst in Celle angetreten – und genau diesen Kurs, der ihm von den Spitzen der Altstadt-Lobby diktiert worden war, hat er auch umgesetzt. Abschaffung des langen Donnerstags, Abschaffung von Märkten, die noch zu Schlosskreis-Zeiten verkaufsoffene Sonntage zur überregionalen Attraktion machten, Nicht-Weiterentwicklung eines Internet-Auftritts, der sich immer noch im Rohbau befindet, Reduktion aller Aktivitäten auf weniger als das absolut Notwendige – die Bilanz des Celler Citymanagements, das es fertig gebracht hat, binnen noch nicht einmal zweier Jahre mehrere Vorstände und zwei Citymanager zu verschleißen, ist katastrophal: Nach vorne gebracht wurde nichts – und das wird den Celler Steuerzahler bis 2012 unterm Strich 700000 Euro gekostet haben.

Einen „Erfolg“ können die City-Aktivisten allerdings verbuchen: Sie haben das Gedo-Center verhindert und sich damit lästige Konkurrenz vom Leibe gehalten. Wenn jetzt davon die Rede ist, dass die City nur für eine Weile in die „zweite Liga“ absteige, um sich fit für den Wiederaufstieg zu machen, so ist das grotesk und tragikomisch. In welcher Liga die Celler Altstadt real spielt, zeigt unter anderem der Umstand, dass Erstliga-Anbieter nicht daran denken, sich hier anzusiedeln.

Das Celler Citymanagement ist ein Trümmerhaufen – schon wieder. Und die Politik muss sich überlegen, wie sie damit umgeht. Will sie hier wirklich weiterhin Subventionen hineinpumpen und auf ein Wunder hoffen? Dass der Citymanager jetzt entnervt und frustriert das Handtuch geworfen hat, ist jedenfalls kein Wunder. Michael Ende