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Celle Stadt Celler "Eléonoretag" zur Erinnerung an wichtige Frau
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler "Eléonoretag" zur Erinnerung an wichtige Frau
19:20 15.04.2016
Celle Stadt

Es hat schon Tradition: Am 12. April – dem offiziellen Hochzeitstag des Celler Herzogs Georg Wilhelm mit Eléonore d´Olbreuse (1676) – feiert die Reformierte Kirche in der Hannoverschen Straße gemeinsam mit dem Residenzmuseum und unterhaltsamen Gästen ihren „Eléonoretag“. Dies geschieht, um die Erinnerung an eine große und wichtige Frau in der Geschichte zu bewahren, und auch in Dankbarkeit um deren Verdienste, insbesondere für die reformierte Kirche in Celle.

Als evangelische Hugenottin aus Frankreich kommend, hat sich Eléonore nicht nur für ihren Glauben stark gemacht, sondern hat auch zahlreiche Vertriebene und Verfolgte am Herzoglichen Hof in Amt und Würden aufgenommen. Pastor Andreas Finck, der als „Hausherr“ die Begrüßung übernahm, vergaß nicht zu erwähnen, dass das Gotteshaus, heute auch bauhistorisch als hugenottischer „Temple“ von Bedeutung, mit finanzieller Unterstützung des Herzogspaars errichtet werden konnte.

Wie viel der Hof und die Stadt Celle Eléonore d´Olbreuse zu verdanken haben, griff Juliane Schmieglitz-Otten, Leiterin des Residenzmuseums, auf. In einem Vortrag erfuhren die Zuhörer, wie inspirierend und einflussreich die französische Herzogin auf ihre Umgebung eingewirkt hat. Von einer Blütezeit der Celler Residenz war die Rede. Der Esprit der neuesten Mode am französischen Hof, gemischt mit der Bewunderung ihres Gatten für die italienische Kultur, führten zu einer Neugestaltung des Schlosses – eine Vierflügelanlage mit barocken Prachtgemächern.

Die Herzogin zog nicht nur Glaubensgenossen an den Hof, sondern brachte auch französische Handwerker und Künstler nach Celle. Sogar das – selbst Johann Sebastian Bach bekannte – Celler Hoforchester bestand aus handverlesenen französischen Musikern. Nicht zuletzt entstand auch eine innovative Theaterkultur samt erlesener Spielstätte in der Residenz.

Die zahlreichen, neuangesiedelten Franzosen, die am und für den Hof tätig waren, machten neue Baupläne für Unterbringungen notwendig. Ganze Straßenzüge wurden auf dem Reißbrett entworfen und gebaut – der Anfang neuer Stadtteile, die außerhalb der alten Stadtmauern entstanden und heute noch das Stadtbild prägen – bis hin zur Parkanlage des französischen Gartens.

Künstlerisch gestaltet wurde der Eléonore-Abend von Darstellerinnen des PasCour-Vereins unter der Leitung von Ilona Harf. In szenischen Tänzen in authentischen Kostümen zeigte man Episoden aus dem Leben von Sophie-Dorothea als Kind (Mia Bazooband) und Frau (Velvet Gawron) samt Mutter Eléonore (Andrea Kraska) und Gouvernante (Petra Hälbig).

Dazwischen fand auch die damals zeitgenössische Dichtung ihren Platz: Poesie über die Qualen und Freude der Liebe, vorgetragen von der Theatergruppe der Volkshochschule. Gegensätzlich dazu sorgte das neu gegründete Chanson-Duo „MademoiCelle“ mit Kerstin Schiewek-Jahn (Gesang) und Joshua Claasen (Piano) für zeitgenössischen, französischen Flair.

Von Doris Hennies