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Celle Stadt Celler Erdölbranche wartet auf Lichtblick
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Erdölbranche wartet auf Lichtblick
20:10 29.05.2015
Von Michael Ende
Auf Lichtblicke wartet man derzeit in der Celler Erdölbranche vergebens. Quelle: Arne Dedert
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„Wir warten darauf, dass sich die Gesamtsituation zum Positiven verändert. Solange das nicht geschieht, müssen wir uns anpassen“, sagt Detlev Doering, Personalleiter der Celler Itag. Seit dem Moratorium um das umstrittene Fracking-Verfahren sind die Bohranlagen der Firma nur zu 60 Prozent ausgelastet, weil die Aufträge ausbleiben. Doering hat das tun müssen, was kein Personalchef gerne tut: „Wir mussten in jüngster Zeit 120 Mitarbeiter entlassen. Das wird sich so entwickeln, dass wir bei knapp unter 400 Beschäftigten landen.“

In Celle sind etwa 8000 Arbeitsplätze von der Erdöl- und Erdgasindustrie abhängig. Auch Unternehmen, die nicht wie die Itag selbst bohren, leiden unter dem Verfall des Ölpreises und warten auf den Zeitpunkt, ab dem es sich wieder lohnt, in die Förderung fossiler Energien zu investieren.

Wie viele Jobs von der Krise betroffen sind, kann Marc Seemann, Sprecher der Celler Agentur für Arbeit, nicht genau beziffern. „Das liegt unter anderem daran, weil viele verschiedene Berufe betroffen sind. Das geht von Büroarbeiten über Handwerksberufe bis hin zu Ingenieuren – das lässt sich statistisch nicht greifen.“ Seemann kann auch nicht beziffern, wie viele Mitarbeiter der Erdölbranche derzeit auf Kurzarbeit gesetzt sind: „Das liegt daran, weil das drei Monate im Nachhinein abgerechnet wird.“ Der Trend sei aber deutlich: „Während es im Februar 2014 85 Kurzarbeiter gab, waren es im Februar 2015 schon 132.“ Auffällig sei auch ein Rückgang der Stellenangebote und ein Anwachsen der Zeitarbeitsstellen: „Davon gibt es 27 Prozent mehr als im Vorjahr.“

„Mehrere Celler Unternehmen aus der Erdölbranche und insbesondere auch deren Zulieferer berichten mir in meinen Gesprächen, dass die Auftragslage nach wie vor sehr kritisch ist und man – trotz des wieder leicht angestiegenen Rohölpreises – noch nicht von einer positiven Trendwende sprechen kann“, sagt Tobias Hannemann, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Celle.

„Wie Celle diese Krise überstehen wird, kann niemand heute definitiv vorhersagen, aber wir werden sie überstehen, wie wir bereits andere Krisen im Erdölgeschäft gemeistert haben“, sagt Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD). Die Investitionen der Großen im Markt wie Baker Hughes und OneSubsea, aber auch anderer in den jüngsten Jahren zeigten, dass der Standort sich weltweit durchsetze: „Sie machen deutlich, dass in den Konkurrenzsituationen, denen sich unser Standort stellen muss, die Qualität unserer Beschäftigten und damit unseres Standorts gewinnt. Das wird auch nach der Krise gelten. Ich gehe deshalb davon aus, dass wir nach der Krise genauso stark an den Markt zurückkommen werden, wie wir es vorher waren.“

Mende unterstreicht, wie wichtig es sei, die Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte zu verhindern: „Unterschätzt wird nach meiner Auffassung, dass es womöglich angesichts des Fachkräftemangels schwer sein kann, diejenigen nach Celle zurück zu holen, die wegen der Krise ihren Arbeitsplatz verloren haben und in anderen Städten eine berufliche Perspektive sich haben aufbauen können.“