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Celle Stadt Celler "Fahrrad-Falle" auch Gefahr für Blinde
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler "Fahrrad-Falle" auch Gefahr für Blinde
12:09 23.09.2016
Von Michael Ende
Diese Kante, der schon mehrere Radler zum Opfer gefallen sind, könnte auch nach Meinung von Experten auch Blinde in tödlicher Sicherheit wiegen. Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

Auch Klaus Taubert wurde Zeuge eines schweren Unfalls: „Ich habe in unmittelbarer Nähe den Fahrradunfall einer jungen Frau an einer der neuen Schwellen am Radwegrand beobachtet.“ Ohne Fremdeinwirkung sei es zu einem Sturz mit schwerwiegenden Folgen gekommen: Das Opfer wurde mit einer Knieverletzung im Rettungswagen ins Krankenhaus transportiert. Taubert: „Glücklicherweise trug die Frau einen Helm, der vor sonst wohl unabwendbaren Schädelverletzungen schützte.“

Werner Gläser, Celler Beauftragter für Umwelt und Verkehr beim Blinden- und Sehbehindertenverband, hat sich die Gefahrenstelle selbst angesehen. Sein Urteil: „Leider sind Ihnen dort gravierende Fehler unterlaufen, die sowohl für Radfahrer als auch für Menschen mit Seheinschränkung äußerst gefährlich sind.“

Bei der Querungsstelle handele es sich laut Gläser um eine „ungesicherte Querung“ ohne Ampel oder Zebrastreifen. Die Bodenindikatoren signalisieren einer blinden oder stark sehbehinderten Person allerdings eine „gesicherte Querung“: „Da dort keine Ampel ist, muss diese Person davon ausgehen, dass ein Zebrastreifen die Querung absichert. Sehen kann sie es ja nicht. Sie geht natürlich davon aus, dass die Autos anhalten. An einer so stark befahrenen Straße wie der Blumlage sollte blinden und sehbehinderten Menschen überhaupt nicht die Möglichkeit zur ungesicherten Querung signalisiert werden.“

Wenn die Querungsstelle barrierefrei sein und nachträglich durch einen Zebrastreifen gesichert werden sollte, müssten zusätzliche Änderungen vorgenommen werden, fordert Gläser: „Zwischen Geh- und Radweg muss unbedingt ein visuell und taktil gut erkennbarer Trennstreifen von 30 Zentimetern Breite liegen. Dieser Trennstreifen muss auf den erhöhten Bord zuführen, der für viele unverständlicherweise in der Mitte des Geh- und Radweges liegt. Sonst sind in der Tat schwere Stürze vorprogrammiert.“

Taubert erinnert sich an den ersten CZ-Artikel über die „üble Situation nach dem Gehwegumbau“ an der Blumlage. Zunächst hielt er das für übertrieben. Taubert hat sich jetzt an Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) gewandt: „Nach der heutigen Erfahrung kann ich aber die Stadt Celle nur auffordern, für zügige Abhilfe zu sorgen. Sonst setzt sie sich berechtigt dem Vorwurf fahrlässiger Körperverletzung aus – wenn es denn nicht noch schlimmer kommt.“ Auch Gläser fordert die Stadt auf „ganz schnell zu handeln: „Zum einen werden dort mit Sicherheit weitere Radfahrer stürzen und zum anderen können dort jetzt Menschen mit starker Sehbehinderung ahnungslos in den Verkehr laufen, weil sie dort einen Zebrastreifen vermuten. In all diesen Fällen könnte die Stadt regresspflichtig gemacht werden.“

Diese Mahnungen hat man sich im Rathaus zu Herzen genommen. Eine Kommission bestehend aus Fachverwaltung, Polizei und Vertretern des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) habe sich vor Ort getroffen, um die Situation zu erörtern, so der städtische Pressesprecher Wolfgang Fischer: „Im Rahmen der Diskussion fanden die Fachleute keine eindeutige Erklärung für die gemeldeten Stürze. Die Kante verläuft parallel zur Fahrtrichtung und muss daher nicht gequert werden.“ Genau: Eben deshalb ist sie ja so tückisch. Fischer weiter: „Gleichwohl war man sich einig, dass hier offensichtlich Theorie und Praxis erheblich voneinander abweichen und ein schnelles Handeln unabdingbar ist. Die Verwaltung hat sich daher entschieden, die Kante umgehend zu entfernen. Eine dauerhafte Lösung soll mit den Behindertenverbänden, dem ADFC, der Polizei und weiteren Beteiligten abgestimmt werden.“