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Celle Stadt Celler Fischtreppe: 2,3 Millionen Euro in den Sand gesetzt?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Fischtreppe: 2,3 Millionen Euro in den Sand gesetzt?
16:06 20.05.2014
Von Michael Ende
Ob die Celler Fischtreppe wie beabsichtigt von Flusslebewesen genutzt wird, ist offen. Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Als er im November 2012 zusammen mit Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) die Fischtreppe an der Celler Rathsmühle eröffnete, war sich Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) sicher - nicht nur, dass der Bau der Fischaufstiegs- und -abstiegsanlage ein wesentlichen Schritt sei, um die Durchgängigkeit des Flusses "von der Nordsee bis zur Allerquelle" für Tiere zu gewährleisten, sondern auch, dass Lachs, Aal, Meerforelle & Co. schon auf der Fischtreppe unterwegs seien. Mende damals: "Die ersten Fische haben bereits den Weg in ihre Heimatgewässer gefunden."Doch was sich damals wie eine fundierte Tatsachenbehauptung anhörte, war lediglich eine - wenn auch naheliegende - Behauptung des Oberbürgermeisters: Kein Mensch kann mit Sicherheit sagen, ob die Fischtreppe auch tatsächlich von Flusslebewesen genutzt wird, um den Wasserfall am Nordarm der Aller zu umschwimmen.FDP-Fraktionsvorsitzender Joachim Falkenhagen gibt sich nicht mit Politiker-Behauptungen zufrieden. Er will nicht nur glauben, sondern wissen, ob die Aufstiegshilfe funktioniert: "Jede Fischtreppe ist einzigartig. Wenn dafür etwa 1,9 Millionen Euro an Steuergeldern verwendet werden, dann muss geprüft werden ob diese Aufstiegshilfe von den Fischen auch angenommen wird. Wir wollen, dass sich der Fischbesatz in der Aller auf natürliche Weise entwickelt. Wenn das nicht der Fall ist, muss vom Land nachgebessert werden, denn das Land hat hier geplant."In einem aktuellen Antrag fordert Falkenhagen von der Stadt jetzt Aufklärung: "Nach unseren Informationen wird die Zweckerfüllung dieses Einsatzes erheblicher öffentlicher Mittel nicht überprüft, und uns stellt sich die Frage, ob der Einsatz der verwendeten Steuergelder auch den angestrebten Erfolg gehabt hat. Ziel sollte sein, eine ökologische Durchgängigkeit der gesamten Aller bis 2015 zu erreichen." Außerdem will die FDP wissen, wie teuer die Treppe insgesamt war.Der Beitrag der Stadt sei auf 350.000 Euro gedeckelt gewesen, so Mende. Die ursprünglich auf 1,9 Millionen Euro kalkulierten und größtenteils vom Land getragenen Gesamtkosten hätten sich unter anderem erhöht, nachdem durch Rammarbeiten ein Teil der Rathsmühle so schwer beschädigt worden war, dass er abgerissen werden musste. Mende: "Deshalb ist man bei den Gesamtkosten bei etwas über zwei Millionen gelandet." Im November 2012 wurden die Gesamtkosten auf 2,3 Millionen Euro beziffert. Die von Falkenhagen geforderte Erfolgskontrolle wolle die Stadt organisieren, so Mende - aber nur wenn das Land hierfür zahle: Ein entsprechender Förderantrag für 2014 wurde abgelehnt; wir werden den Antrag fürs nächste Jahr erneuern." Wie viel das kosten wird? Mende zuckt mit den Schultern.Beim Fischereiverein Celle warte man auf das städtische Fischmonitoring, so Pressesprecher Hans-Henning Kubusch: "Wir wollen es nach Kräften unterstützen - das ist unser Angebot an die Stadt. Offensichtlich fehlt aber das Geld. Dabei sind die äußeren Bedingungen ideal." Für den Fischereinverein stelle sich zudem die Frage, ob Fische überhaupt die Fischtreppe benutzten: "Wir wünschen uns eine zügige Klärung dieser Frage durch die Stadt, um die aufgewendeten erheblichen Investitionen zu rechtfertigen. Der derzeitige Schwebezustand rechtfertigt sie jedenfalls nicht."