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Celle Stadt Celler "Goldenes Gehirn im Glas" geht an Comic-Talent mit Elektro-Ideen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler "Goldenes Gehirn im Glas" geht an Comic-Talent mit Elektro-Ideen
15:14 11.08.2017
Mit seinen Comics hatte Johannes Kretzschmar am Ende die Nase vorn. Quelle: Oliver Knoblich
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Zugegeben, der Diplominformatiker mit Lehrstuhl für Softwaretechnik an der Universität Jena hatte einen kleinen Vorteil: Kretzschmar hat ein eloquentes Hobby: Unter dem Künstlernamen „Beetlebum“ zeichnet der Mann Comics – ein Talent, das er in seiner Präsentation geschickt zu nutzen wusste. Hinter den Titel „Frankensteins Elektroauto“ verbarg sich die kompakte Geschichte über die Entwicklung von … ja was nun genau? Es ging um Elektromobilität und Reichweite- und Nutzungsberechnungen für kommunaler Fahrzeuge im Einsatz – und dem Geständnis „von Fahrzeugtechnologie hatte ich keine Ahnung, da galt es sich einen eigenen Weg hin zur Lösung zu suchen.“

Auf diesen Weg wurden dann auch im Eiltempo die Zuhörer in der vollbesetzten Reithalle des Landgestüts mitgenommen: Von unterschiedlichsten Batteriemodellen bis zum Neuron einer Gehirnzelle, deren Arbeitsweise es – quasi im künstlichen Nachbau – zu nutzen gilt. Es endete bei einem entwickelten Lernalgorithmus der Beispielsweise Bananen aus einem angebotenen Früchtemix unterscheiden kann.

Tatsächlich wird bei solch angesagten „Science-Slams“ vor nicht fachlich ausgerichtetem Publikum das tiefere Verständnis gar nicht verlangt oder vorausgesetzt. Wichtig ist nur, den ungefähren Weg von der Aufgabe hin zur Lösung nachvollziehbar zu machen. Und das ist dem humorvollen Informatiker nicht zuletzt dank seiner zeichnerischen Fähigkeiten gelungen. Für wen das nun zu wenig „wissenschaftlich“ ist, der kann sich vertiefend mit Aufsätzen von Johannes Kretzschmar über „Organisation und Verarbeitung von Realzeit-Telematikdaten im Anwendungsbereich elektrifizierter Nutzfahrzeuge“ oder „eTelematik: Prognose und Ausführungsüberwachung elektrifizierter kommunaler Nutzfahrzeuge“ beschäftigen oder seine Ausführungen zu „ICT for Urban Area Logistics with Electric Vehicles Compared within Simulated and Real Environments” lesen.

Mit dem vielleicht allgemein fassbareren Thema „Was macht man mit Leerstand im urbanem Centrum?“ hat sich Constantin Alexander beschäftigt. Konkreter hat sich der Berater für Nachhaltigkeit und politische Kommunikation in seinem Vortrag über „Die nachhaltige Disruption - Prototyp einer positiven Transformation" mit dem „Ihme-Zentrum“ mitten in Hannover beschäftigt. Das als kompaktes Wohn- und Live-Stil-Projekt geplante und errichtete Zentrum im modernen „Brutalimus“-Betonbau der siebziger Jahre – Wohnen, Einkaufen, Freizeitgestaltung komprimiert in einem Zentrum kurzer Wege – hat sich zu einer 800 Wohnungs-Einheiten umfassenden Leerstandsruine im Basisbereich entwickelt, Wohntürme auf einer ebenerdigen 100.000 Quadratmeter Geisterstadt.

Aus dem einstigen Leuchtturmprojekt ist ein Berg des Anstoßes geworden. Was machen, wenn Abriss keine Option ist? Der bekennende Hannover-Fan entwickelt Innovative Visionen und Ideen zu Um- und Neunutzung, Neugestaltung und „Wiederbelebung“ des Ihme-Zentrums und hat sich schon etliche Mitstreiter ins Boot geholt. Mehr zu erfahren ist unter anderem über „experimentihmezentrum“ im internet.

„Von Mist zu Gold – ein wahres Märchen“ nannte Saskia Oldenburg ihren Vortrag – und in ihm ging es um nachhaltige Energiegewinnung: Nutzbares Biogas aus Pferdemist. Vom Mädchentraum zum Energiewunder – da braucht es schon ein echtes Märchen. Und das hat die promovierte Wissenschaftlerin der Technischen Universität Hamburg dann auch mit „Tischlein deck dich“ als Leitfaden zu nutzen gewusst. Vom Ausstieg der Kernenergie bis zum Rezept für die Vergärung von Biomasse war’s nur ein Schritt. Wie man die „Hinterlassenschaft“ des Goldesels Pferd nun sinnig gewinnbringend Nutzen kann, das hat die Wissenschaftlerin unter zur Hilfenahme von Wasser und Trennungsverfahren ausgetüftelt und beim Science-Slam präsentiert. (dhe)

Von Doris Hennies