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Celle Stadt Celler Großbaustelle bei Zaungästen sehr beliebt (mit Bildergalerie)
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Großbaustelle bei Zaungästen sehr beliebt (mit Bildergalerie)
22:11 28.07.2017
Von Christian Link
Wo früher die Alte Hauptwache der Celler Feuerwehr stand, entsteht heute unter dem Slogan „Leben zwischen Altstadt und Französischem Garten“ ein innerstädtisches Wohn- und Gewerbequartier. Quelle: Christian Link (5)/Andreas Babel (2)
Celle Stadt

Am Rande der Celler Altstadt gibt es seit einigen Monaten eine neue Attraktion: Die Baustelle auf dem Gelände der Alten Hauptwache. Nach den spektakulären Abrissarbeiten im Winter und den Bohrarbeiten im Frühjahr wächst in diesem Sommer so allmählich ein kleines, neues Stadtviertel in die Höhe. "Village" nennt die Weser-Wohnbau GmbH aus Bremen das im Werden befindliche Quartier, in dem voraussichtlich ab Herbst 2018 zwar nur ein paar Dutzend Menschen wohnen, aber täglich Hunderte einkaufen werden.

Manchmal fühlen sich die Bauarbeiter auf dem Gelände der Alten Celler Hauptwache wie die Tiere im Zoo: Am Gitterzaun rund um die Baustellen drücken sich neugierige Passanten die Nasen platt und schauen dem emsigen Treiben zu. Kein Wunder, denn auf der 15-Millionen-Euro-Baustelle gibt es immer was zu sehen. CZ-Autor und Fotograf Christian Link hat sich im „Gehege“ der Eisenflechter und Maurer umgeschaut.

"Dass wir so auf dem Präsentierteller sitzen und im Fokus stehen, ist schon ungewohnt. Das ist teilweise wie im Zoo", sagt Bauleiter Thomas Flacke. Hinter dem Gitter des Bauzauns führt Flacke ein kleines Rudel von derzeit acht Arbeitern an. "Wir werden bald aber auf 16 aufstocken", kündigt der Bauleiter an. Außerdem sind zusätzlich Spezialfirmen mit weiteren zehn Mitarbeitern auf der Baustelle im Einsatz.

Die wenigen Menschen bewegen riesigen Mengen an Materialien. Auf dem Areal an der Ecke Bergstraße/Wehlstraße werden rund 350 Tonnen Stahl verbaut sowie 3200 Quadratmeter Beton. "Das ist etwa das Volumen eines Einfamilienhauses", erläutert Flacke. Das Mauerwerk für die beiden Gebäudekarrees wird rund 1200 Quadratmeter betragen, die Fassaden werden mit 10.000 Quadratmetern Putz hergestellt.

Die beiden Karrees befinden sich in unterschiedlichen Stadien. Während für Block 1 (Richtung Südwall) schon der Rohbau des Erdgeschosses begonnen hat, bekommt Block 2 (Richtung Wehlstraße) derzeit noch eine Decke über dem Untergeschoss. "Wenn man so will, sind das hier zwei Baustellen", sagt Flacke. Mit leichter zeitlicher Verzögerung werden die Karrees Stockwerk für Stockwerk gebaut.

Wie fast jedes größere Bauvorhaben stieß auch auf die "Village"-Baustelle auf einige Schwierigkeiten. "Eigentlich war der Plan, dass die Decke der alten Tiefgarage zu zwei Dritteln erhalten bleibt", erläutert der Bauleiter. Doch bei späteren Untersuchungen habe sich gezeigt, dass die Tragkraft für den Neubau nicht ausreichen würde. Die für die Statik erforderlichen Betonbalken seien zu schmal und nicht hoch genug gewesen. "Deswegen musste von der Alten Hauptwache fast alles zurückgebaut werden. Am Ende ist nur noch ein Teil der Außenmauer stehen geblieben."

Auch die starken Regenfälle der vergangenen Wochen behinderten die Bauarbeiten etwas. "Wichtig ist, dass die Leute bei Regen rechtzeitig in die Bude kommen", sagt der Bauleiter, "wenn sie durchnässt sind, schicke ich sie nach Hause. Das hat dann keinen Wert mehr." Ansonsten sei Wasser kein Problem. "Aufgrund des Bodengutachtens haben wir gewusst, dass wir mit dem Grundwasser in Kontakt kommen", sagt der Ingenieur. Deswegen sei die Baustelle durch entsprechende Schutzwände abgesichert worden. Und das Regenwasser, das derzeit ein paar Zentimeter tief im Keller steht, werde demnächst einfach abgepumpt.

"Richtige Probleme hätten wir kriegen können, wenn durch die Abbrucharbeiten ernsthafte Erschütterungen vorgefallen wären", sagt Flacke. Doch die Messstellen hätten kaum etwas registriert, obwohl sie direkt neben der Baustelle aufgestellt worden sind. "Jetzt haben wir kein schweres Gerät mehr auf der Baustelle." Dementsprechend werde es für die Anwohner etwas ruhiger. Flacke: "Jetzt gibt es nur noch den normalen Baustellenlärm mit Kreissäge, Bohrmaschine und Trennjäger."