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Celle Stadt Celler Gymnasien: Klassenfahrten auf der Kippe
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Gymnasien: Klassenfahrten auf der Kippe
19:34 26.11.2013
Gibt es zukünftig noch Klassenfahrten an Celler Gymnasien? Die Lehrer drohen mit der Einstellung, wenn ihre Arbeitszeit angehoben wird. Quelle: Tore Harmening
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Wie groß der Ärger ist, zeigt die Reaktion. Erstmals haben sich alle Celler Kollegien der Gymnasien zusammengetan, um ihre Aktion abzustimmen. In einem gemeinsamen Brief an die Eltern kündigen sie an, dass – sollte diese Mehrarbeit eingeführt werden – freiwillige Zusatzaufgaben wie die Durchführung von Klassenfahrten, Musik-, Sport und Theateraktivitäten sowie Lesenacht, Disco und Weihnachtsfeiern aufgegeben werden müssen, obwohl „wir sie aus pädagogischen Gründen für sehr wichtig halten...Nur in diesem – uns allen am Herzen liegenden – Bereich können wir kürzen, wenn wir das auch sehr ungern tun. Hier bedeutet ‚verlagern‘ weglassen”, heißt es in dem Brief.

Ein schwieriger Weg, denn letztlich würden darunter vor allem die Schüler leiden. „Die Aktion ist der Verzweiflung geschuldet, denn uns machen Klassenfahrten und andere Aktivitäten viel Freude”, sagt Philipp Seybarth, Personalratsvorsitzender am Gymnasium in Lachendorf. Die bereits geplanten Fahrten, für die es bereits Verträge gebe, werden aber auch gemacht. Die Einstellung würde ohnehin erst zum kommenden Schuljahr in Kraft treten.

Auch am Ernestinum in Celle sieht man keinen anderen Weg. „Den Kollegen blutet das Herz, aber es gibt keine andere Möglichkeit, Zeit einzusparen, zumal die Kosten für diese Extraaktivitäten wie Klassenfahrten den Lehrern mit dem derzeitigen Budget nicht voll ersetzt werden”, sagt Schulleiter Johannes Habekost.

Der Verband der Elternräte sieht die Entwicklung mit Sorge. „Bei aller Unterstützung der Lehrer zur Abwehr der weiteren Erhöhung der Arbeitsbelastung können wir es nicht gutheißen, wenn dies auf dem Rücken unserer Kinder ausgetragen wird”, sagt der Celler Vorsitzende Klaus Plein.

Gerade weil die Klassenfahrten und anderen Aktivitäten für Schulen so wichtig sind, möchten auch nicht alle Lehrer diesen Weg mitgehen. So hat sich das Kollegium am Christian-Gymnasium in Hermannsburg mit knapper Mehrheit gegen den Elternbrief entschieden, auch „wenn wir die Proteste mittragen”, wie der dortige Personalratsvorsitzende Jörg Lamm betont. Stattdessen haben die Lehrer jetzt einen eigenen Brief an die Kultusministerin geschrieben mit der Bitte, doch einmal zu erläutern, wo die Einsparungen im Arbeitsalltag erfolgen sollen.

Klaus Plein vom Elternrat sieht da auch keine Möglichkeit. Deshalb fordert sein Verband die Rücknahme der Anhebung oder „die Schaffung von Entlastungsstunden für besondere Aktivitäten wie Klassenfahrten, wie sie auch in anderen Bundesländern üblich sind”. Er weiß sich bei seinem Protest einig mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und dem Philologenverband in Niedersachsen.

Die Landesregierung lehnt eine Änderung aber bisher ab. „Wir sparen mit der Veränderung 80 Millionen Euro ein. Wir schichten dieses Geld um, um die Situation an Schulen insgesamt zu verbessern”, verteidigte der Celler Landtagsabgeordnete Maximilian Schmidt (SPD) die Anhebung. Er kann die Kritik nachvollziehen und stellt sich in den Schulen dem Dialog, wie er sagt. „Die Proteste aber auf dem Rücken der Schüler auszutragen halte ich für falsch.” Man müsse mehr Luft im Alltag zum Beispiel durch Bürokratieabbau und die Veränderung des Lehrplans schaffen.

Von Tore Harmening