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Celle Stadt Celler Gymnasien haben weniger Klassenfahrten im Angebot
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Gymnasien haben weniger Klassenfahrten im Angebot
10:12 02.05.2015
Nach Verbesserungsangeboten der Landesregierung hat der Landeselternrat kürzlich an die Gymnasiallehrer appelliert, den Klassenfahrten-Boykott in Niedersachsen zu beenden. Quelle: Daniel Naupold
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Selbst wenn man die Ferien miteinbezieht, kommen Gymnasiallehrer nicht auf eine 38,5-Stundenwoche, wie es das Beamtenrecht vorschreibt. Sondern die Kollegen seien oft mehr als 50 Wochenstunden im Einsatz, schildert Hubertus Bühmann. Der Schulleiter des Immanuel-Kant-Gymnasiums in Lachendorf ist gleichzeitig Bezirksvorsitzender der Direktorenvereinigung. Zu Klassenfahrten könne man keine Kollegen zwingen. "Die Kollegen haben hier eher eine 100- als eine 38,5-Stundenwoche", teilt Bühmann mit. Auch, wenn die meisten sehr viel Freude an den Reisen hätten, weil sie hier besonders gut pädagogisch wirken könnten.

Leider verweigere die Landesregierung eine wissenschaftlich geführte Arbeitszeituntersuchung an den Schulen, um Bühmanns Schätzungen zu prüfen. Er kann die Unzufriedenheit der Lehrerkollegen sehr gut verstehen, denen zusätzlich eine Unterrichtsstunde pro Woche mehr auf 24,5 Regelstunden verordnet worden ist. Schließlich müsse man zu dieser Stunde noch Vor- und Nachbereitung addieren. Auch deshalb halten die meisten Kollegien im Umkreis ihren Boykott der Klassenfahrten seit Oktober aufrecht, wie eine Umfrage der CZ ergab.

"Als Beamte haben Lehrer wenige Möglichkeiten, sich gegen die angeordnete Mehrarbeit zu wehren", so Bühmann. Bedauerlich empfinde er es, dass die Landesregierung in keiner Weise diskussionsbereit ist, an der derzeit verfahrenen Situation etwas zu verändern. Das Angebot der Politiker, dass Lehrer 30 Euro am Tag auf Klassenfahrten bekommen, "ist kein Kompromiss und kein Entgegenkommen. Die Kollegen werden ihren Verzicht noch einige Jahre durchhalten, wenn es keine Kompromissangebote gibt", ist Bühmann sich sicher.

Von seinem Lachendorfer Gymnasium berichtet er: "Die Kollegen haben in diesem Schuljahr keine Anträge für Klassenfahrten eingereicht." Außerdem täten sich die Kollegen schwer mit Engagement für Veranstaltungen, die das Land Niedersachsen anbietet, wie "Jugend trainiert für Olympia". Alles, was der Gesetzgeber vorschreibt, werde von den Kollegen vorbildlich durchgeführt. Dazu gehören Klassenarbeiten, die Umstellung auf "G8", Wandertage. Auch "die Auslandskontakte sollen nach Meinung des Kollegiums unter dieser Mehrarbeitsverordnung nicht leiden."

Ähnliches schreibt Schulleiterin Monika Nerreter: "Im Jahr 2015 gibt es am Hölty keine Klassen- beziehungsweise Studienfahrten." Alle Austauschfahrten und Musikfreizeiten seien dagegen wie geplant vorgesehen. "Über das weitere Vorgehen gibt es derzeit intensive Gespräche zwischen den Schulpersonalräten, Schulelternräten und Schülervertretern der Celler Gymnasien."

Johannes Habekost teilt für das Ernestinum mit, dass es keine spürbare Missstimmung zwischen Lehrern, Schülern und Eltern gebe. Das Gymnasium habe inzwischen das Konzept für Klassenfahrten verändert. Nicht klassenweise, sondern nach inhaltlichen Kriterien werden Studienreisen angeboten. Um das Profil der Europaschule zu stärken, werden Austauschfahrten und Partnerschaften weiter betrieben und sogar ausgebaut. Im März 2015 ist der neu belebte Austausch mit Dublin hinzugekommen. "Wandertage, Tagesausflüge und Fachexkursionen finden weiterhin uneingeschränkt statt", so Habekost. "Rein touristisch-gesellig motivierte Jahrgangsfahrten treten demgegenüber allerdings zurück."

Am Hermann-Billung-Gymnasium entscheiden die Lehrer selbst, ob sie Klassenfahrten anbieten wollen. "Bei uns sind es ein bisschen weniger Fahrten geworden", sagt der Schulleiter Mirko Truscelli. Einige Kollegen böten dafür aber mehr Tagesausflüge an. Projektfahrten wie Schüleraustausch und Skilager kommen aber weiter zustande. Das Christian-Gymnasium Hermannsburg ist nicht beim "Streik" dabei. Die Schulleitung vom Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium hat sich nicht dazu geäußert.

Von Dagny Rößler