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Celle Stadt Celler Hengstparade zeigt die Eleganz und Stärke edler Rösser
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Hengstparade zeigt die Eleganz und Stärke edler Rösser
22:22 17.09.2017
Quelle: Ines von Frantzius
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NEUENHÄUSEN. Die grau-weißen Uniformen und die erhobenen Arme der Gestütsmitarbeiter am Ausgang der Arena imponieren der weißen Araber-Stute wenig. Diese hat anscheinend keine Lust, sich gemeinsam mit ihren acht „Kolleginnen“ zu präsentieren, läuft immer wieder zurück. Dabei genießen die weißen Edelrösser aus der Zucht Ismer auf der ersten Celler Hengstparade des Jahres bereits das Privileg, sich anders als die Brüder und Schwestern freilaufend zur Schau zu stellen. „Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet, wir dachten, die stellen sich hin und fressen Gras“, kommentiert Gestütsleiter und Moderator Axel Brockmann.

Auf Unvorhergesehenes müssen er und seine Crew bei der traditionsreichen Eliteshow immer gefasst sein. Auch wenn es bei Quadrillen und anderen Dressurvorführungen erscheinen mag, als gehorchten die edlen Tiere auf Kommando. So gibt es doch genügend Momente, die ihre Stärke, ihr Temperament und den Drang nach Freiheit belegen. Für die Zuschauer auf den voll besetzten Rängen ist es ein Geschenk, dass die erfahrenen Gestütsangestellten den arabischen Ausreißer doch noch dazu bewegen können, sich in die Manege zu begeben. In der kompletten Formation bieten die neun weißen Araber freilaufend bei strahlendem Sonnenschein, auf grünem Rasen ein wunderschönes Bild. An diesen ist die Parade reich und auch die Inhalte dem diesjährigen Motto „Die Vielfalt Niedersachsens“ entsprechend kommen nicht zu kurz.

„Das ist Föderalismus pur“, sagt Brockmann wiederum augenzwinkernd, als Claus Luber mit seinen Zehn-Spänner-Edelblut-Haflingern Einzug hält. Gespannführer Luber ist unübersehbar Bayer. Ein grüner Trachtenhut zu grauem Mantel sowie ein Märchenkönig-Ludwig-Bart beweisen es – ein interessanter Kontrast zu seinen vier Gästen im hinteren Bereich der Kutsche in blauer preußischer Gardeuniform. Eine echte Chance, alle Blicke auf sich zu ziehen wie die zehn imposanten langmähnigen Haflinger vorneweg, haben die Menschen natürlich nicht.

Ein wenig anders sieht dies bei der Azubi-Spaß-Darbietung aus, die die Lehrlinge jedes Jahr für die Schau der Superlative einüben und choreografieren. Die acht jungen Leuten schlüpfen zwischendurch in Säcke und bewegen sich springend ein paar Meter fort, neugierig und fast ein wenig kritisch beäugt von den ihnen anvertrauten Vierbeinern, die wiederum bei dieser Nummer unter Beweis stellen, dass sie außer Klassik und Marschmusik auch Rock „tänzerisch“ umsetzen können. Im Takt zu den Klängen und zum Klatschen der Zuschauer setzen sie gekonnt die Hufe. Eine gänzlich überflüssige Übung beim Traditionsschaubild der Ungarischen Post, denn hier wird sich nicht im Takt bewegt, sondern galoppiert, dass es nur so staubt. Große Erleichterung verrät die Mimik des auf zwei Pferderücken stehenden Reiters, als er die Arena mit immer noch atemberaubend hohem Tempo verlässt.

Um 13 Uhr hatte die Parade begonnen, mit dem Glockenschlag der Gestütsuhr um 17 Uhr endet sie. Allerdings nimmt diesen kaum jemand wahr. Zu hoch sind der Geräuschpegel der drei Römerwagen und der Jubel der restlos begeisterten Zuschauer.

Von Anke Schlicht