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Celle Stadt Celler Hohe Wende soll keine "Flüchtlings-Kaserne" werden
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Hohe Wende soll keine "Flüchtlings-Kaserne" werden
16:21 21.05.2015
Von Michael Ende
Celle Stadt

An der Hohen Wende könnte sich etwas wirklich Großes anbahnen. Immerhin habe die dortige verwaiste Kaserne allein 65.000 Quadratmeter Nutzfläche in Gebäuden, die es nun sinnvoll nachzunutzen gelte, so Sandra Morese von Ackers Partner Städtebau am Mittwoch bei einer Informationsveranstaltung in der Alten Exerzierhalle: „Es gibt hier ein enormes Entwicklungspotenzial auf einer Gesamtfläche, die mit 28 Hektar so groß wie die Celler Altstadt ist. Die Gebäude machten vom Erhaltungszustand her „noch“ einen guten Eindruck. Bei künftigen Planungen müsse man das architektonische Grundprinzip der Anlage, die einst die NS-Heeresgasschule und die Nebelwerfer-Kaserne beherbergte, erhalten.

Uwe Mantik von der Cima gab zu bedenken, dass aktuellen Prognosen zufolge bis zum Jahr 2015 lediglich 300 zusätzliche Wohneinheiten in Celle benötigt würden. Derzeit gebe es bereits eine deutliches Überangebot – und das bei rückläufigen Bevölkerungszahlen. Dennoch könne der Standort auch für Wohnen weiter entwickelt werden: „Es gibt gute Chancen, aber man muss eine Brille für den realistischen Blick aufsetzen.“ Denn ein Premium-Standort sei die Kaserne, die in Zukunft direkt neben der B3-Ostumgehung liegen werde, nicht: „Hier wären auch Sondernutzungen wie ein Reitsportzentrum oder ein Freizeitpark denkbar.“

Morese plädierte für einen Nutzungsmix – ein „Mosaik“ aus Wohnen und Gewerbe „ohne diesen Zaun drum herum“: „Dieses Modell ist sehr flexibel.“ Flexibilität erwarte man auch von den Denkmalschützern, so Mantik. Hintergrund: Die Offiziersmesse und die Unteroffiziersmesse stehen unter Denkmalschutz, und für den Großteil der übrigen Gebäude – inklusive der Umfassungsmauer – besteht Ensembleschutz. Einer Entwicklung dürfe dies nicht im Wege stehen, so Mantik: „Das Thema kann variabel gehandhabt werden - mit mehr oder weniger Abbruch bis hin zum kompletten Abriss bis auf die beiden Einzeldenkmale.“ Dabei gelte für Investoren die Faustregel: „Je mehr Abriss, desto besser rechnet sich das Ganze.“ Gewinne ließen sich bei der Vermarktung wohl kaum erzielen, so Mantik: Das zu erwartende Minus werde zwischen 3,2 und 35 Millionen Euro liegen: „Logisch, dass da Investoren nicht Schlange stehen.“

„Es gibt keine einfache Lösung“, sagte Walter Ackers: „Das Mosaik sollte ein schlüssiges Bild ergeben und kein beliebiges Durcheinander sein.“ Von einer Hochschule in der Kaserne könne man gerne träumen: „Aber das bringt uns nicht weiter.“ Stadtbaurat Ulrich Kinder betonte, dass man das Areal Schritt für Schritt entwickeln wolle: „Wenn wir Pech haben, dauert das Jahrzehnte.“

Eine Nachnutzungs-Option schließt Oberbürgermeister Dirk Ulrich Mende (SPD) bereits jetzt kategorisch aus. Die FDP im Stadtrat hat beantragt, in der Kaserne Flüchtlinge unterzubringen. „Damit würde die systematische Entwicklung dieser Konversionsfläche ad absurdum geführt“, so Mende: „Das gerade vom Rat der Stadt beschlossene Konzept einer Weiterentwicklung der dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen würde womöglich konterkariert. Die Vorgänge in Nordrhein-Westfalen lassen es aber gerade angeraten erscheinen, keine dauerhaften großen Einrichtungen für Flüchtlinge zu betreiben.“