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Celle Stadt Celler Hunde müssen wieder an die Leine
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Hunde müssen wieder an die Leine
20:43 03.04.2016
Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Mit großen Augen schaut der Golden Retriever Pepp einen entgegen kommenden Labrador bei den Allerwiesen an. "Am liebsten würde er zu ihm laufen und ihn beschnuppern", erzählt seine Besitzerin Lina Murtel. Doch Pepp kann nicht zu dem anderen Hund laufen. Er ist angeleint, genauso wie der Labrador auch.

Seit Freitag gilt in Niedersachsen wieder die Leinenpflicht für Hunde im Wald und in der freien Landschaft sowie auf Grünflächen inner- und außerorts. Bis zum 15. Juli ist Brut- und Setzzeit, in der Vögel brüten und das Wild Nachwuchs bekommt. Bodenbrüter und Jungtiere sollen vor frei laufenden Hunden geschützt werden. So regelt es das Niedersächsische Gesetz über den Wald und die Landschaftsordnung.

Murtel hält sich an die Verordnung und leint Pepp seit Freitag an. "Er ist sehr sozial. Wir waren von klein auf in der Hundeschule und er hört sofort auf meine Kommandos. Eigentlich bräuchte ich ihn nicht an der Leine zu führen, so gut wie er gehorcht, aber es ist nun einmal vorgeschrieben", so die Hundehalterin.

Ein Stückchen weiter läuft ein Jogger mit seinem Hund an den Allerwiesen entlang. Der Vierbeiner ist unangeleint. Der Mann erklärt, dass er seinen Hund unter Kontrolle habe und er so erzogen sei, dass er nicht weglaufe.

Das Thema sorgt immer wieder für Diskussionen. Viele Hundehalter sehen den Leinenzwang kritisch. Am Samstagnachmittag sind etwa zwei Drittel der Hunde an den Allerwiesen angeleint. Eine Dame geht mit ihren zwei Hunden an der Dammaschwiese spazieren. Beide Vierbeiner sind angeleint. "Ich finde, die Hundehalter müssen sich daran halten, wenn die Leinenpflicht angeordnet ist", sagt sie.

Professor Ingo Nolte von der Hannoverschen Gesellschaft zur Förderung der Kleintiermedizin hat vor zwei Jahren eine Petition gegen die pauschale Anleinpflicht ins Leben gerufen. An der hätten sich überwiegend Hannoveraner und Celler beteiligt, berichtet er. 15.000 Unterschriften wurden gesammelt und an das Landwirtschaftsministerium übergeben. "Bisher hat sich leider nichts getan. Die Argumentation für eine Leinenpflicht in der Brut- und Setzzeit beruht auf keinen Fakten. Es gibt keine Studie, die belegt, dass der Hund eine besondere Gefahr darstellt. Krähen, Elstern oder Eichhörnchen stellen ein höheres Gefährdungspotential für Bodenbrüter dar", sagt Nolte.

Außerdem verstoße die Leinenpflicht gegen das Tierschutzgesetz. Der Hund brauche genügend freien Auslauf. "Für die Sozialkompetenz des Hundes ist das nachteilig", sagt der Tiermediziner.

Kreisjägermeister Hans Knoop findet die Leinenpflicht wichtig. "Wenn man etwas Gutes für die Tierwelt tun will, appelliere ich dafür, die Hunde anzuleinen. Ich habe schon oft schreckliche Bilder von jungem Wild gesehen, das noch nicht flüchten kann, wenn ein Hund es angreift. Der Mensch sollte bereit sein, auf die Natur Rücksicht zu nehmen", so Knoop. Er selbst leine die Hunde, die er zur Jagd einsetze und die eigentlich von der Leinenpflicht befreit sind, auch an.

Von Jessica Poszwa