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Celle Stadt Celler IGS: Klage gegen Losverfahren
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler IGS: Klage gegen Losverfahren
21:26 08.07.2014
Von Gunther Meinrenken
Bilder vom Ernestinum. Auch mit komm. Schulleiter Peter Mack und komm. StellvertreterJör Mollenhauer (links). CELLE. Das Gymnasium Ernestinum führt seinen Ursprung bis auf die im Jahre 1328 gegründet Lateinschule zurück. Doch die Jahrhunderte alte Geschichte der Traditionsschule könnte sich bald dem Ende nähern. Der vom Landkreis Celle beauftragte Schulgutachter Wolf Krämer-Mandeau hat der Politik im Kreistag nahe gelegt, das Gymnasium aufzulösen. Hintergrund: Insgesamt zurückgehende Schülerzahlen und die Einrichtung einer Gesamtschule am Standort Schulzentrum Burgstraße. Krämer-Mandeau hat gestern in der Mensa des Ernestinums den zweiten Teil seines Schulgutachtens vorgestellt. Darin geht es neben Veränderungen bei den Berufsbildenden Schulen vor allem um die Zukunft des Ernestinums. Krämer-Mandeau legte dar, dass sich die Zahl der Gymnasialschüler von 2009 bis 2020 von etwa 4000 auf 3000 um 25 Prozent reduzieren werden. Schon dies allein würde bedeuten, dass nicht alle Gymnasien in Celle zu halten sein werden. Hinzu kommt die Einrichtung einer Gesamtschule zum Schuljahr 2014/2015, die nach Einschätzung des Gutachters einen starken gymnasialen Anteil aufweisen werde. Nach Analyse der Raumsituation ist Krämer-Mandeau, der anregt, diese Schule auf sechs Züge zu beschränken, davon überzeugt, dass die Gesamtschule nur im Schulzentrum Burgstraße unterzubringen ist. Quelle: Gert Neumann
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Die Gesamtschule im Landkreis Celle ist unter Eltern und Schülern gefragt. Das haben die Anmeldungen für die neue Schulform, die es zum ersten Mal in der Region geben wird, gezeigt. Über 200 Jugendliche wollen die IGS, die im Schulzentrum Burgstraße untergebracht wird, besuchen. Soweit die gute Nachricht. Die schlechte: 63 Kinder wurden abgelehnt und müssen sich eine andere weiterführende Schule suchen. Das wollen nicht alle Eltern akzeptieren.

Unter den abgelehnten Schülern ist auch der Sohn von Christoph Engelen. "Es ist traurig und entspricht nicht dem Grundgedanken einer IGS, dass ein Losverfahren über den Schulplatz entscheidet", sagt Engelen, der nötigenfalls den Rechtsweg beschreiten will. Zusammen mit einer anderen Familie habe er sich bereits mit seiner Rechtsanwältin Nina Graap beraten. Ergebnis: "Sowohl das Losverfahren, als auch die Grundsatzentscheidung der Zügigkeit kann angezweifelt werden", so Engelen. Schlimmstenfalls müsse das ganze Losverfahren wiederholt werden.

Engelens Argument: Laut einem Kommentar zum niedersächsischen Schulgesetz müssten die Absagen vor den Zusagen versendet werden. Dies sei aber im Falle der IGS nicht passiert. Hier seien Zu- und Absagen gleichzeitig verschickt worden. Reinhard Toboll, Schulamtsleiter beim Landkreis, gibt einer Klage keine große Aussicht auf Erfolg. "Das Schulgesetz lässt Ausnahmen zu. Wir haben die Zusagen auch gleich rausgeschickt, damit sich Eltern im Westkreis nicht auch noch in Schwarmstedt anmelden."

Dass ausgerechnet Engelen den Rechtsweg beschreiten will, um einen Platz auf der Gesamtschule für seinen Sohn zu erstreiten, entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie. Denn Engelen ist nicht nur Vorsitzender der Celler SPD. Er sitzt für die Sozialdemokraten auch im Kreistag. Und hier hat er für die Einführung einer fünfzügigen Gesamtschule gestimmt. Dieses Votum will er allerdings relativiert wissen. "Die SPD hat sich immer dafür ausgesprochen, die Gesamtschule mindestens sechszügig auszustatten. Der Beschluss im Kreistag war aber an die Fünfzügigkeit gekoppelt. Wir haben nur aus taktischen Gründen dafür gestimmt, um die Einführung einer Gesamtschule insgesamt nicht zu gefährden", behauptet Engelen.

Nun versucht die SPD ihre politischen Ziele mit juristischen Mitteln durchzusetzen Denn Engelen will sich mit seiner Rechtsanwältin, die übrigens auch SPD-Mitglied ist, "auf die Zügigkeit konzentrieren". Der Landkreis will die Anmeldezahlen allerdings erst mindestens zwei Jahre lang beobachten, bevor die Gesamtschule möglicherweise aufgestockt wird.