Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Celler Innenstadt: Schuhstraße bleibt links liegen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Innenstadt: Schuhstraße bleibt links liegen
20:39 19.04.2016
Von Gunther Meinrenken
Seit bald drei Jahren steht das Geschäft der ehemaligen Fleischerei Kielhorn in der Schuhstraße leer. Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Günter Stachetzki will deswegen auch aktuell nicht von einer dramatischen Situation sprechen. "Klar ist aber auch: Jeder Leerstand tut der Innenstadt weh. Aber die Situation in Celle unterscheidet sich nicht von anderen Städten." Stachetzki gilt als ausgewiesener Kenner der Innenstadt. Jahrelang war er nicht nur Geschäftsführer der Modehäuser Warg, sondern auch aktiv als Schlosskreis-Vorsitzender und in der Zentro-Gruppe, der Gegenbewegung Celler Geschäftsleute und Immobilienbesitzer zu den Plänen eines Einkaufszentrums im Herzen der Altstadt. Heute ist er unter anderem als Sprecher der Altstadtkonferenz unterwegs und hilft dem Schlosskreis bei der Koordinierung der verkaufsoffenen Sonntage.

Die Situation in der Schuhstraße ist Stachetzki daher auch seit Jahren bestens bekannt. "Das Problem liegt darin, die Kundenströme in die Straße zu lenken", meint er. Die Frequenz an Fußgängern an der Kreuzung Hehlentorstraße/Kanzleistraße/Schuhstraße sei enorm hoch. Doch die Leute laufen an der Schuhstraße vorbei. Das spiegelt sich auch in der Verteilung der Leerstände wieder.

Vom Heiligen Kreuz bis zum Brandplatz präsentiert sich die Nordseite der Schuhstraße nicht nur buchstäblich auch als Sonnenseite. Fluktuation gibt es hier selten. Die Töpferei Dannhus und das Gajah sind etabliert, Rossmann und Penny sind langjährige und feste Anker in der dortigen Geschäftsstruktur, der Coffeeshop ist der zentrale gastronomische Anlaufpunkt. Leerstände gibt es nur auf der Südseite. Vom Brandplatz bis zum Markt häufen sich die leerstehenden Geschäfte allerdings.

Die Laufwege der Kunden wären der Schlüssel für eine Belebung der Schuhstraße. Allein es fehlt der Anziehungspunkt. Die angedachte Hinterhofbelebung mit charmanten Lädchen, Kunsthandwerk und Gastronomie könnte die Rettung für die Schuhstraße sein. Doch die bereits zu Zeiten der ECE- und Gedo-Diskussionen ins Spiel gebrachte Entwicklung des Quartiers Schuhstraße/Nordwall kommt seit acht Jahren nicht richtig vom Fleck.

Das ist umso bedauerlicher, als die Öffnung der Hinterhöfe auch wie geschaffen wäre, um Touristen in die Straße zu locken. Bisher kommen zwar auch welche durch die Schuhstraße, doch nach Aussage von Marianne Krohn, Geschäftsführerin der Celle Tourismus und Marketing, freuen sich diese "über die längste zusammenhängende Fachwerkzeile in der Stadt. Für unsere Tagesgäste sind die Läden weniger interessant".

So droht die Schuhstraße, von der weiteren Entwicklung in der Innenstadt noch stärker abgehängt zu werden. Mit den Ankermärkten für junge Mode und Elektronik, H&M und Saturn in der Zöllnerstraße beziehungsweise am Nordwall, werden die Fußgängerströme noch stärker an der Schuhstraße vorbeigeführt. Die Entwicklung des Geländes der ehemaligen Feuerwehr-Hauptwache an der Ecke Wehlstraße/Südwall wird einen weiteren Anziehungspunkt im Süden der Stadt setzen. Das Ungleichgewicht dürfte sich verstärken.

Ob der jüngste CDU-Antrag die Lösung sein könnte, zieht Stachetzki in Zweifel. Die Christdemokraten hatten vorgeschlagen, verstärkt leerstehende Geschäftsflächen, wenn vielleicht auch nur temporär, in Wohnraum umzuwandeln. "Wohnen direkt an der Straße, ist problematisch", findet Stachetzki. Und Innenstadt-Akteur Jörg zum Felde pflichtet ihm bei. "Die Immobilienbesitzer sind auf Geschäftsmieten angewiesen. Mit Mieten für Wohnungen lassen sich Fachwerkhäuser nicht unterhalten."