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Celle Stadt Celler Institut forscht für bessere Tiertransporte
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Institut forscht für bessere Tiertransporte
10:58 25.07.2017
Von Dagny Siebke
Dr. Michael Marahrens beschäftigt sich im Friedrich-Löffler-Institut mit der Erforschung und Bewertung von Tiertransporten. Quelle: Marijan Murat/Montage: CZ
Celle Stadt

Wenn Tiere verkauft werden, sie zur Mast zu anderen Betrieben gebracht oder zum Schlachten transportiert werden, werden sie häufig über große Distanzen im Lkw befördert. In den vergangenen Jahren wird das Wohlbefinden von Tieren immer mehr in der Mitte der Gesellschaft diskutiert. Am Friedrich-Loeffler-Institut in Celle untersucht eine Arbeitsgruppe die idealen Transportbedingungen, um dem Gesetzgeber Entscheidungshilfen anzubieten. "Es ist schön zu sehen, dass unsere Forschungsresultate im Recht und in der Praxis angewandt werden", betont Arbeitsgruppenleiter Dr. Michael Marahrens.

So brachten die Grünen ins Spiel, Tiertransporte auf vier Stunden zu beschränken. Aktuell sind Reisen bis zu acht Stunden möglich. "Wir haben dann untersucht, unter welchen Voraussetzungen den Tiere das etwas bringt", erzählt Marahrens. Das Ergebnis: "Die Verkürzung bringt den Tieren nichts, denn sie können sich kaum vom Stress der Beladung erholen. Bei kurzen Fahrten sattelt der Stress des Entladens auf dem des Beladens auf", erläutert der Wissenschaftler. Ein dreistöckiger 40-Tonner kann bis zu 180 Schweine transportieren. Sind diese vorgestapelt, dauert das Beladen 30 Minuten, doch wenn die Tiere noch aus ihren Buchten geholt werden müssen, kann das schon zwei Stunden dauern.

"Für die Tiere ist das Beladen eine enorme Belastung, motorisch wie mental", sagt Marahrens. Die Mastschweine sind es nicht gewohnt, eine längere Strecke zu laufen, bisher hatten sie kaum Kontakt zu den Menschen. Auf dem Lastwagen müssen die Tiere sich erst an die neue Umgebung und die anderen Gruppenpartner neben sich gewöhnen. Im Idealfall legen sich die Schweine schnell hin, ruhen sich während der Fahrt aus und sind beim Entladen nicht mehr so erschöpft. Zwölf Gruppen sind in der Regel in 15 bis 20 Minuten vom Fahrzeug herunter.

"Bei Rindern für den Export hat sich die Belastung für die Tiere deutlich reduziert", so Marahrens. Nach einem 29-stündigen Transport, zum Beispiel nach Südspanien oder in die Ukraine, werden die Tiere in Kontrollstellen abgeladen, getränkt, gefüttert und können sich ausruhen. Doch die Wissenschaftler stehen vor einem Rätsel. "Früher haben sich während der Fahrt alle Rinder hingelegt, heute legen sich nur noch etwa 15 Prozent hin", erzählt Marahrens. Vermutlich liege das an genetischen Einflüssen.

Beim Nutztiertransport ist die Wärmeentwicklung im Fahrzeug ein großes Thema. "Drinnen herrschen immer höhere Temperaturen als draußen", so Marahrens. Also braucht es Bestimmungen, was die Transporteure machen müssen, wenn mehr als 30 Grad Celsius gemessen werden oder die Temperaturen unter den Gefrierpunkt sinken.

Besonders bei Hühnertransporten müsse man das Tierwohl im Auge behalten, so Marahrens. "Es gibt keinen Transport, nach dem keine toten Vögel vorgefunden werden", betont er. Bis zu fünf Prozent der Tiere kommen nicht lebend an, wenn es keine aktive Lüftung im Lkw gibt. "Dabei ist der Hitzetod eine ganz andere Nummer als die Schlachtung mit Betäubung", so Marahrens. Er empfiehlt, die Hühner einzeln zu nehmen und aufrecht in die Kiste zu setzen, damit den Tieren nicht die Knochen brechen.