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Celle Stadt Celler Institut sucht neue Tötungsmethoden für Nutztiere
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Institut sucht neue Tötungsmethoden für Nutztiere
10:57 25.07.2017
Von Dagny Siebke
Zur Bestimmung des Zeitpunktes des Verlustes von Wahrnehmungs- und Empfindungsvermögens der Tiere wird die Gehirnfunktion gemessen.  Quelle: FLI ITT Celle
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Jede Methode habe Vor- und Nachteile, so Marahrens. Die Elektrobetäubung führt in Millisekunden zur Bewusstlosigkeit. Doch um die Elektrozange so genau wie möglich ansetzen zu können, müssen die Tiere vereinzelt und fixiert werden. Als Folge der Stromstöße bilden sich rote Blutpunkte im Kochschinken oder im Putenbrustfilet. Kleine Betriebe wenden oft noch die Technik aus den 1970er Jahren an. Doch mittlerweile gibt es ein Bundesprogramm, in dem neue Parameter zur Elektrobetäubung untersucht werden.

Große Höfe greifen vor allem auf die Gasbetäubung mit Kohlendioxid zurück. Der Vorteil: Die Schweine werden in Gruppen betäubt. So können bis zu 750 Tiere in einer Stunde getötet werden. Zudem gibt es keine Qualitätsmängel beim Fleisch. Das Problem: Das Kohlendioxid wirkt nicht sofort tödlich. Zunächst ätzt es in den Augen der Tiere und sie haben 20 Sekunden lang Panik vor dem qualvollen Erstickungstod. "Dieser Zustand ist das schwerwiegendste Ereignis im Leben eines Schweines", betont Marahrens.

Daher suchen die Wissenschaftler nach dem Optimum: Nach einem Gas, das sofort wirksam ist oder nicht von den Tieren wahrgenommen wird. In einer Studie hat Marahrens die Alternativgase Argon und Helium getestet. Diese Edelgase lassen die Schweine sanft einschlafen, doch die betäubende Wirkung hält nicht so lange an. Bei Argon war die Fleischqualität mit der der CO2-Betäubung vergleichbar. Jedoch ist die Beschaffung nicht ganz billig, denn Argon kostet ungefähr das Zehnfache im Vergleich zum Kohlendioxid.

Bisher finden die Versuche in der Praxis, also in Schlachtbetrieben statt. Doch bald soll das Institut für Tierschutz und Tierhaltung ein eigenes experimentelles Labor erhalten. Dort soll das Team ein drittes Forschungsgebiet bearbeiten, nämlich die tierschutzgerechte Tötung von Geflügel im Seuchenfall. "Bislang wird hier learning by doing praktiziert", erläutert Marahrens. Denn, wenn die Betriebe von der Vogelgrippe betroffen sind, dürfen die Tiere nicht mehr untersucht werden. Bisher waren bei der vorsorglichen Tötung Schnelligkeit und möglichst geringer Aufwand ausschlaggebend. Aspekte des Tierschutzes traten in den Hintergrund. Dabei dürfen Tiere laut Tierschutzgesetz nur nach vorheriger Betäubung getötet werden, damit erhebliche Schmerzen und Leiden vermieden werden.

Nun will das Land einen Katalog erstellen, in dem es für jeden Betrieb eine Risikobewertung gibt. "Momentan ist hier einiges in Bewegung. Es müssen dringend Risikoszenarien entworfen werden", betont Marahrens. "Das ist eigentlich die Aufgabe der Betriebsleiter. Doch die sind aber häufig überfordert."