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Celle Stadt Celler Institut will Puten vom Federpicken ablenken
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Institut will Puten vom Federpicken ablenken
21:29 01.08.2017
Von Dagny Siebke
Quelle: FLI ITT Celle
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"Die Schnäbel können ganz schöne Waffen sein", betont die Wissenschaftlerin. Innerhalb einer Stunde können die Tiere bei Artgenossen durchaus Verletzungen verursachen, die zu schweren gesundheitlichen Schäden führen. "Wenn einer anfängt zu picken, machen es die anderen Tiere nach", erzählt Berk.

Das prophylaktische Schnabelkürzen verhindert in gewissem Umfang die Auswirkungen von fehlgeleiteten Interaktionen, beseitigt aber nicht deren Ursachen. Es wird vermutet, dass viele unterschiedliche Einflüsse ausschlaggebend sind. Neben Umweltfaktoren wie ungeeignetem Stallklima, ungünstigen Lichtverhältnissen, Sozialstress, Gruppengröße, Beschäftigungs- und Bewegungsmangel werden auch Managementfehler, genetische Veranlagung sowie Fütterungseffekte diskutiert.

"Puten haben ein ausgeprägtes Pickbedürfnis und brauchen Beschäftigung", sagt Berk. Bei Weizenspendern als Beschäftigungsmöglichkeit brauchen die Puten mehr Zeit, um ein Teil des Futters aufzunehmen. "Wenn sie beispielsweise 45 Gramm Weizen auf diese Weise aufnehmen, müssen sie etwa 1000 Mal picken", erzählt Berk. Geeignet als Beschäftigungsmöglichkeiten sind auch Pickblöcke und Heukörbe. Anders als Hühner suchen Puten ihr Futter kaum in der Einstreu. Außerdem nutzen sie einen Außenklimabereich und besonders ihren Auslauf mehr als Hühner, die sich wenig aus dem Stall heraus trauen. "Wildputen legen am Tag Strecken von bis zu vier Kilometern am Tag zurück und suchen sich erhöhte Schlafplätze", so Berk.

"Puten sind extrem neugierig", erzählt Berk. Sie kommen direkt auf Besucher zu und picken an der Kamera. Doch nach einer Woche verlieren Puten gewöhnlich das Interesse und brauchen neue Beschäftigungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel einen Heuballen zum Ausruhen. Weniger Beschädigungspicken wurde auch bei der Verwendung von Tageslichtlampen festgestellt. "Dabei wissen wir zu wenig über den Einfluss von Licht", sagt Berk. Zusammen mit der Hochschule Osnabrück läuft ein Forschungsprojekt zur idealen LED-Beleuchtung. "Hühner und Puten sehen ganz anders und können auch im UV-Bereich sehen", so Berk.

Beim Erproben der Beschäftigungsmöglichkeiten ist es wichtig, dass die Lösungen auch in der Praxis umsetzbar sind. Berk betont: "Ein zusätzlicher Außenklimabereich und Beschäftigungsmaterial erhöhen natürlich die Kosten. Um den Tierschutzplan umsetzen zu können, müssen die Landwirte mehr Zeit für Management aufwenden und häufiger durch den Stall gehen, um die Tiere zu beobachten."