Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Celler Itag-Gruppe steuert auf Kurzarbeit zu
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Itag-Gruppe steuert auf Kurzarbeit zu
16:03 26.02.2014
Von Oliver Gatz
Kommen immer seltener zum Einsatz: die Itag-Bohranlagen. Quelle: Gert Neumann
Celle Stadt

Die Diskussionen um das umstrittene Fracking-Verfahren zur Förderung von Schiefergas treffen nicht nur die großen Energiekonzerne, sondern auch die kleineren Serviceunternehmen der Erdöl- und Erdgasbranche wie die Celler Itag-Gruppe. Da die Behörden bei den Genehmigungen von Förderprojekten zunehmend auf die Bremse treten, können geplante Investitionen nicht umgesetzt werden.

"Wir stehen Gewehr bei Fuß und wollen bohren, können aber nicht", beschrieb Detlev Doering, Personalleiter der Itag Holding, am Mittwoch bei der Jahrespressekonferenz des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) in Hannover die schlechte Auftragslage. Seinen Angaben zufolge waren die acht Itag-Bohranlagen im vergangenen Jahr weniger als 60 Prozent ausgelastet. "Das wird sich 2014 noch verschärfen", prognostizierte Doering. Der Personalleiter geht davon aus, dass die Auslastung zum Teil deutlich unter 40 Prozent sinken wird.

Die Folgen sind für das Celler Traditionsunternehmen gravierend. Die Bohrmannschaften – etwa 30 Beschäftigte pro Anlage – haben immer weniger Arbeit. Ihnen droht zur Jahresmitte Kurzarbeit. Wenn sich die Auftragslage nicht in der zweiten Jahreshälfte deutlich bessere, werde man auch um Entlassungen nicht herumkommen, so Doering.

Der Itag-Personalleiter wies darauf hin, dass der Handlungsspielraum für das Unternehmen begrenzt sei. So sei es schwierig, Mitarbeiter für Projekte im Ausland zu gewinnen. Außerdem gebe es in einigen Ländern rechtliche Regelungen, dass bei Fördervorhaben vorrangig Einheimische beschäftigt werden müssen.

Die Kurzarbeit wird die Itag-Beschäftigten hart treffen. Da die Mitarbeiter der Bohrteams häufig an unterschiedlichen Orten eingesetzt werden, gibt es eine Reihe von Zulagen, die dann wegfallen. Denn das Kurzarbeitergeld richtet sich nur nach dem Basisgehalt.

Die derzeit schlechte Auftragslage bei den Serviceunternehmen wird auch Folgen für den Wirtschaftsstandort Celle haben. Etwa 9600 Jobs sind hier abhängig von der Erdöl- und Erdgasindustrie. Allein die Celler Unternehmen, die Mitglied im Wirtschaftsverband WEG sind, beschäftigen rund 3500 Menschen.

WEG-Vorsitzender Gernot Kalkoffen setzt auf Dialog und Transparenz beim Thema Fracking und misst dem Umweltschutz eine hohe Bedeutung zu. Allerdings dürften die Auflagen nicht so stark ausgeweitet werden, dass praktisch nichts mehr möglich sei. "Da muss die Balance gehalten werden. Der Rucksack darf nicht so schwer werden, dass wird nicht mehr den Berg hochkommen."