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Celle Stadt Celler Kammerorchester meidet hohles Pathos und setzt auf Emotion
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Kammerorchester meidet hohles Pathos und setzt auf Emotion
13:03 20.06.2017
Das Celler Kammerorchester gab ein Konzert in der Congress Union. Die Leitung hatte Eckhard Pohl, als Solistin trat Luiza Borac (kleines Foto) am Klavier auf. Quelle: Oliver Knoblich
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Beginnend mit dem Kontrabass (Ulrich Salzer), der – sich scheinbar einspielend – die Europa-Hymne („Freude schöner Götterfunken“) zu spielen begann. Ihm folgten in lockeren Abständen die anderen Musiker und ergänzten, während sie ihre Plätze einnahmen, die Melodie nach und nach zu orchestraler Fülle. Bis schließlich auch der Orchesterchef Eckhard Pohl auf die Bühne kam und das Publikum einlud, die Hymne mitzusingen.

Dem gelungenen Beginn folgte ein ebenso gelungenes Konzert. Zunächst Sibelius‘ „Finlandia“, ein geradezu fesselndes Hörerlebnis durch das unmittelbare Erlebnis des physisch kraftvollen Spiels sowie den Kontrast der Passagen mit hoher Aktionsdichte zu denen des Innehaltens und der Hineinhorchens in den Klang. Pohl wusste dabei musikantischen Überschwang und formale Stringenz auf faszinierende Weise zu verknüpfen. Er bürdete sich keine emotionale Zurückhaltung auf, bekannte sich unmittelbar zur Dramatik und vermied gerade durch diese rückhaltlose emotionale Identifikation mit dem Werk jegliches Abgleiten in hohles Pathos.

Im Mittelpunkt des Abends stand jedoch Schumanns Klavierkonzert a-Moll, für das die in Hannover tätige, international bereits mehrfach ausgezeichnete Pianistin Luiza Borac als Solistin gewonnen werden konnte. Und das Publikum erlebte ein Orchester, das alle Facetten seines beachtlichen Könnens zeigen konnte, und eine Solistin, die Schumanns Konzert mit romantischem Atem beseelte. Vom ersten Moment an lenkte sie die Aufmerksamkeit des Publikums ganz auf ihre Interpretation. Sie erwies sich als Klanggestalterin von faszinierender Anschlagskunst, der auch jene so kunstvoll auszutarierende Balance zwischen aufgedrehter Dynamik und all den wunderschönen Schattierungen gelang. Selbst rauschhafte Passagen trug sie mit vollendeter Gelöstheit vor.

Borac spielte diese wuchtigen Passagen und die den Kopfsatz eröffnenden herabstürzenden Kaskaden mit fantastischer Brillanz und mit unglaublich vollkommenen Halbpedaleffekten, die das Klangbild aber niemals aufweichten. Doch ihre Qualitäten offenbarten sich genauso in den lyrischen Momenten des Konzertes. Wunderschön von Pohl und Borac herausgearbeitet war nicht zuletzt auch das schwelgerisch wogende Thema, unmittelbar vor dem virtuosen Abschluss mit seinem rasant kreiselnden Walzerrhythmus und dem aberwitzigen finalen Tempo des A-Dur-Jubels.

Den Abschluss des Konzertabends bildete Mendelssohns „Reformationssinfonie“, in deren letztem Satz der Komponist musikalisch den „Sieg“ des Protestantismus feiert, indem er Luthers Choral „Ein feste Burg“ zum Hauptmotiv aufbaut, den das CKO schließlich wie eine Hymne triumphieren ließ.

Von Rolf-Dieter Diehl